Notfalls geht’s ohne Komfort

Interaktive Karte: Hier werden in Offenbach Straßen saniert

Fünf größere Maßnahmen (– – – –) hat der Stadtservice in diesem Jahr auf den Offenbacher Straßen vorgesehen: Berliner Straße (oben links), Bieberer Straße (rechts), Odenwaldring (unten), Sprendlinger Landstraße (links), Lortzingsstraße.

An Offenbachs Straßen wird ordentlich gewerkelt. Rund 2.5 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. In unserer interaktiven Karte zeigen wir die künftigen Baustellen.

Offenbach – Wenig Niederschlag, viel Sonnenschein, deutlich zu mild. So fasst der Deutsche Wetterdienst nach ersten Auswertungen seiner rund 2000 Messstationen den Januar zusammen. Mit 3,3 Grad lag der Temperaturdurchschnitt um 3,8 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Schwacher Trost: So bleiben wenigstens (bislang) die Frostschäden am ohnehin angegriffenen Offenbacher Straßen- und Gehwegbelag aus.

Rund 600 000 Euro stehen dem Eigenbetrieb ESO jedes Jahr für notwendige Reparaturarbeiten bereit – für Straßen, Geh- und Radwege. Wenig Geld, wenn man bedenkt, dass das gesamte Offenbacher Straßennetz etwa 275 Kilometer misst. Durch Sondereffekte konnte man in den vergangenen vier Jahren immerhin sechs Millionen Euro auf die Straße bringen, betonte Christian Loose, stellvertretender Leiter des ESO Eigenbetriebs, während einer Bürgerversammlung.

Offenbach: 2,5 Millionen Euro für Sanierungen

In diesem Jahr werden es 2,5 Millionen Euro sein. Die Aufträge für etwa 30 000 Quadratmeter Asphaltdeckenerneuerung sind aber noch nicht vergeben. Geplant hat der ESO folgende Abschnitte: Odenwaldring zwischen Schubert- und Richard-Wagner-Straße (stadtauswärts); Sprendlinger Landstraße zwischen Odenwaldring und Esso-Tankstelle; Berliner Straße zwischen Kaiserstraße und Ludwigstraße (mit nächtlicher Vollsperrung), Bieberer Straße zwischen Unterer Grenzstraße und Jet-Tankstelle; Lortzingstraße bis zur Beethovenschule.

Loose betont: „Wir würden lieber viel mehr machen, wir würden lieber viel mehr Straßen sperren – am liebsten komplett. Dann könnten wir einmal drüberziehen und wären kostengünstig fertig.“ In einer Großstadt mit immer mehr angemeldeten Autos und ständig wachsendem Verkehr ist das wenig praktikabel. „Zumal wir in jüngster Zeit vermehrt Beschwerden erhalten, dass es viel zu viele Baustellen gibt, die Staus verursachen...“ Dennoch ist der stellvertretende Leiter sicher: „Es tut sich eine ganze Menge, auch in enger Abstimmung mit der Initiative bikeoffenbach.“

Offenbach: Sanierung auch fahrradtauglich

Da die lokale Straßensanierung etwas problembehaftet ist, könnte sich der Dienstleister ja auf Geh- und Fußwege konzentrieren. Die sind, wie Bürger beim jüngstem Termin der Reihe „OB vor Ort“ bekundeten, in einem schlechten Zustand. Sie zählen an dem Abend auf: Friedrichsring, Friedensstraße, Lortzingstraße, Arndtstraße. Die angeführten Mängel: lose Gehwegplatten, schiefer Belag, fehlende Übergänge...

Ein wahrlich weites Feld, allerdings mit unterschiedlicher Sichtweise. „Wenn ,alle Straßen’ mit Schlaglöchern versehen und ,alle Gehwege’ nicht in Ordnung sind, sehen wir das ein bisschen anders“, sagt Christian Loose. Dazu kontrollierten täglich Mitarbeiter des Stadtservice die öffentlichen Straßen in Offenbach auf Schäden.

Offenbach: interaktive Karte - hier wird saniert

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Offenbach: Tägliche Kontrollen der Straßen

Heißt: Die Experten haben konkrete Messvorgaben, „die uns sagen, wann zwingend etwas getan werden muss oder es eher nur dem Komfort dient“. Als Maß aller Dinge steht an erster Stelle die Verkehrssicherungspflicht, an zweiter Position der enge Finanzrahmen und als dritter Richtmesser die „verkehrliche Bedeutung der Straße oder des Gehweges“.

Als Hauptproblematik bei den Trottoirs sind übrigens Wurzelschäden zu nennen. Und da steht der Stadtservice im Interessenkonflikt mit dem Stadtgrün. Loose: „Wir könnten sinnvoll und gut tätig werden, wenn wir die Bäume fällen. Das wollen wir in der Regel aber nicht, das wollen viele Bürger nicht, das möchte insbesondere das Umweltamt nicht.“

Die entscheidende Frage laute: „Was können wir den Bürgern noch zumuten an welligen, ungeraden Fußwegen, und wann müssen wir tätig werden innerhalb der Verkehrsicherungspflicht.“

In der Praxis entfalle meist eine flächendeckende, aufwändige, händische und somit teure Gehweg-Sanierung. „Notfalls werden Platten weggenommen und durch eine wassergebundene Wegedecke ersetzt.“ Das stellt den Bürger verständlicherweise nicht zufrieden, einer führt an: „Ich laufe täglich durch die Arndtstraße und trete auf lose Platten. Man hört die darunter befindlichen Hohlräume. Ich sehe aber keine Sprühfarbe, die auf die Mängel hinweisen, Verbesserungen schon gar nicht.“ Zu diesem konkreten Fall macht Christian Loose keine Angaben, verspricht aber: „Das schauen wir uns in der Arndtstraße noch mal direkt an.“ VON MARTIN KUHN

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