„Mandanten mit der Revision nichts Gutes getan“

Urteil rechtskräftig: Revision im Fall Tugce abgelehnt

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Der Angeklagte Sanel M. wird am 24.04.2015 zu Verhandlungsbeginn in einen Sicherheitssaal des Landgerichts in Darmstadt geführt.

Offenbach - Der Bundesgerichtshof hat im Fall Tugce den Antrag auf Revision abgelehnt. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Nach Informationen der Bild-Zeitung hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Revision, die die Verteidiger von Sanel M. beantragten, abgelehnt. Das Urteil ist damit rechtskräftig. „Die Revision wird als unbegründet verworfen“, zitiert das Blatt heute ein Schreiben des BGH vom 13. Januar. Der BGH in Karlsruhe bestätigte den Beschluss allerdings noch nicht. Sanel M. hatte nach einer Auseinandersetzung auf dem Parkplatz eines McDonalds-Restaurants in Offenbach die Studentin Tugce Albayrak mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Diese fiel sofort um, und erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. 

Im Juni letzten Jahres hatte das Landgericht Darmstadt Sanel M. zu einer Jugendstrafe von drei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Der Heranwachsende sitzt noch immer in U-Haft. Er habe bereits 14 Monate abgebüßt und werde jetzt in ein Jugendgefängnis in Strafhaft verlegt, sagte sein Anwalt. Sanel M. könnte nach Einschätzung von Fachleuten theoretisch nach der Hälfte der Haftzeit auf freien Fuß kommen, wahrscheinlich sei es nach der Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe.

Bilder zum Tugce-Prozess in Darmstadt

„Tugces Familie und alle anderen, die ihr nahe standen, sind beruhigt, dass das jetzt wenigstens juristisch abgeschlossen ist“, sagte der Anwalt der Familie, Macit Karaahmetoglu, der Deutschen Presseagentur. „Man stelle sich vor, der ganze Prozess hätte nochmals aufgerollt werden müssen.“ Karaahmetoglu sieht sich von dem Beschluss des BGH bestätigt: „Ich habe selten ein so faires Gericht gegenüber dem Angeklagten erlebt.“ Die Verteidigung habe ihrem Mandanten mit der Revision nichts Gutes getan, denn dieser habe in der Strafhaft schon längst Erleichterungen erfahren und sein Leben planen können, sagte Karaahmetoglu. Außerdem sei das Signal an den Heranwachsenden aus erzieherischer Sicht verantwortungslos gewesen, weil es ihm suggeriert habe, es sei nicht so schlimm, was er gemacht habe. (wac/dpa)

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