Gustavshof

Richtfest gefeiert: 70 neue Wohnungen in Offenbach

Wohnungen, die sich die Menschen am Ende auch leisten könne, sind an dieser Stelle der Stadt jetzt genau die richtige Entwicklung.
+
Wohnungen, die sich die Menschen am Ende auch leisten könne, sind an dieser Stelle der Stadt jetzt genau die richtige Entwicklung.

In Offenbach wird der Gustavshof gebaut: 70 bezahlbare Mietwohnungen, 24 davon barrierefrei, acht gefördert. Beim Richtfest gibt es lobende Worte.

Offenbach – Die Situation auf dem Miet- und Wohnungsmarkt bewerten die Menschen an Rhein und Main nach wie vor als sehr kritisch. Neun von zehn Berufstätigen sind der Meinung, dass es reine Glückssache ist, in Großstädten eine bezahlbare Wohnung zu finden. Zu dem Ergebnis kommt eine Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 400 Berufstätigen. Gut, es sind „lediglich“ 70 Wohnungen, für die gestern im Gustavshof ein Richtfest organisiert wurde. Für alle Gäste ist’s dennoch ein Vorzeigeprojekt.

NH errichtet 1 000 Wohnungen in Offenbach

„Es ist hier alles sehr, sehr luftig – trotz 70 Wohnungen in sechs Gebäuden“, sagt Thomas Hain bei der Begrüßung. Der Geschäftsführer der landeseigenen Nassauischen Heimstätte (NH) sieht das 22-Millionen-Euro-Projekt als „gelungenes Beispiel einer Innen-Entwicklung“. Die Unternehmensgruppe muss perspektivisch von 60. 000 auf 75 .000 Wohnungen in Hessen wachsen – dabei hilft auch ihr Gustavshof. Dieser Wachstumskurs bezieht sich ganz bewusst auch auf Offenbach. Bis 2024 werden etwa 1 000 NH-Wohnungen errichtet. Hain zählt auf: Heimathafen, Goethe-Quartier, Goethering, Liebig-Quartier...

„Es ist zentrales Anliegen der Landesregierung, dass alle Menschen in Hessen eine gute Wohnung zu einem bezahlbaren Preis finden“, sagt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Im Gustavshof entstehe moderner und energieeffizienter Wohnraum mit einem ansprechenden Umfeld, ohne dass dafür neuer Boden versiegelt werden müsse. „Ich gebe zu: Mir war zu meiner damaligen Schulzeit am nahen Albert-Schweitzer-Gymnasium gar nicht bewusst, dass der ehemalige Parkplatz von MAN Roland so groß ist“, so Al-Wazir. Das habe erst der zweite Blick offenbart. Das Bauprojekt sei eine Nachverdichtung, ein Beitrag zum Strukturwandel, nichts auf der grünen Wiese. „Vielleicht ist die ökologische Qualität der Bebauung, Stichwort Dachbegrünung, am Ende sogar besser als vorher“, orakelt der Grünen-Minister.

Beim gestrigen Richtfest sind in Corona-Zeiten nicht nur Abstand und pandemie-taugliche Lunchpakete ein Thema: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Situation befinden“, sagt Tarek Al-Wazir.

Was die Wohnungen im Offenbacher Quartier kosten:

Das Grundstück befindet sich im gründerzeitlichen Senefelderquartier in der südlichen Innenstadt. Das Areal ist von Bestandsgebäuden umschlossen und wird in zweiter Reihe bebaut. Auf knapp 6.800 qm entsteht eine sehr aufgelockerte Bebauung. Die 70 Wohnungen verteilen sich auf sechs Wohngebäude, die großzügig von Wegen sowie Grün- und Spielflächen durchzogen sind. Die Gebäude – eines hat fünf Geschosse, die anderen vier – sind zum Teil unterkellert, als KfW 55-Energiehaus konzipiert, werden mit Fernwärme versorgt und bieten eine Gesamtwohnfläche von knapp 5600 qm. Die ersten Mieter können voraussichtlich Anfang Februar 2022 einziehen. Die Miete für die frei finanzierten Wohnungen wird zwischen 11 und 13 Euro pro qm liegen, für die geförderten bei rund 6,90 Euro.

Die Bauwirtschaft habe aktuell glücklicherweise keine Probleme. Das liegt teilweise aber daran, dass es sich – auch hier – um langfristig geplante Projekte handelt. Der Minister unterstreicht: „Wir dürfen uns nichts vormachen. In den nächsten Monaten wird es Projekte geben, die eben nicht kommen. Wir müssen uns überlegen, wie wir über die Corona-Krise wirtschaftspolitisch gut hinwegkommen; dass wir am Ende eben diese Konjunkturprogramme auflegen. Und sie so auflegen, dass sie Wirkung entfalten und am allerbesten in die richtige Richtung. Nicht irgendetwas bauen, sondern das mit Zielen verknüpfen – etwa Klimaneutralität.“

Oberbürgermeister Felix Schwenke ergänzt: „Der Gustavshof steht exemplarisch für den Strukturwandel – mehrere hundert Menschen sind einst hier bei Faber und Schleicher oder in der Hassia-Fabrik zur Arbeit gegangen. Heute hat sich Offenbach zu einer Stadt entwickelt, die sich am Immobilienmarkt etabliert hat.“

Der Verwaltungschef erinnert zudem daran, dass es in diesem ehemaligen Arbeiter-Viertel nicht unbedingt an günstigen Wohnungen mangelt. „Die 6,90 Euro, die die NH für geförderten Wohnraum verlangt, liegt sogar noch über der Durchschnitts-Miete im Viertel.“

An den im Gustavshof geplanten acht Sozialwohnungen beteiligt sich das Land übrigens mit einem Zuschuss von 176. 000 Euro und einem zinsgünstigen Darlehen über 880. 000 Euro. Die Landesregierung fördere aber nicht nur den Sozialwohnungsbau. Sie unterstützt die Kommunen auch dabei, Flächenreserven zu erschließen.

Das birgt Fallstricke: Dass das Projekt im Zeitplan liegt, ist umso erfreulicher, als die sogenannten Rahmenbedingungen nicht ganz einfach sind. So ist etwa der Grundwasserstand auf dem Areal sehr hoch. Das bedeutet, dass zunächst ein Konzept mit einer aufwendigen Spundwandkonstruktion entwickelt werden musste, das die Trockenlegung und somit Bebauung erst ermöglichte. (Von Martin Kuhn)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare