„Wichtige Hürde genommen“ 

Stadt Offenbach kauft Clariant-Gelände - „Innovationscampus“ rückt näher 

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Auf dem ehemaligen Clariant-Gelände soll ein riesiges Gewerbegebiet entstehen. 

Auf dem ehemaligen Clariant-Gelände in Offenbach soll ein riesiges Gewerbegebiet entstehen. Die IHK freut sich auf den "Innovationscampus". 

Update vom Donnerstag, 07.11.2019, 14.00 Uhr: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) freut sich, dass der im Masterplan beschlossene „Innovationscampus“ Wirklichkeit werden kann. Die Einigung zwischen der Stadt und der Firma Clariant, dem bisherigen Eigentümer des früheren Chemieparks von Hoechst und später Allessa, macht die Türen weit auf für einen „Designpark“, in dem Unternehmen, Neugründungen, Hochschulen und andere Institutionen vernetzt und begleitet werden.

IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner betont, dass nun die größte zusammenhängende gewerbliche Entwicklungsfläche im Kern der Region entwickelt werden könne: „Die Vision, an der wir gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Stadt, dem Fachbereich Design der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach und die Hessen Trade and Invest GmbH der Landesregierung arbeiten, hat eine wichtige Hürde genommen.“

Wie berichtet, kauft die Stadt Offenbach nach zähen Verhandlungen das riesige Areal für sieben Millionen Euro; das ist ein Preis, der weit entfernt ist von den ursprünglichen Clariant-Vorstellungen und auch von marktüblichen Dimensionen für Gewerbegebiete im Rhein-Main-Gebiet. Das liegt auch an den dort vermuteten Altlasten, deren millionenschwere Sanierung die Stadt als Käuferin übernehmen muss.

Offenbach: Auch bei Enteignung zahlt Käufer für Sanierung

Oberbürgermeister Felix Schwenke und der mit dem Geschäft betraute Hanauer Rechtsanwalt Harald Nickel widersprechen in diesem Zusammenhang der Auffassung, dass im Falle einer – auch ins Auge gefassten – Enteignung die Beseitigung giftiger Rückstände Aufgabe der bisherigen Eigentümer gewesen wäre – so wie es 2016 von der Stadt übermittelt wurde. Tatsächlich sei die Altlastenentsorgung „im Kaufpreis eingepreist“ und vom Erwerber zu tragen, erläutert Anwalt Nickel. Die Verkäuferin hätte allerdings geschätzte Sanierungskosten in ihren Bilanzen mitschleppen müssen. Nun hat laut Nickel aber „eine spezifische Regelung“ dazu geführt, dass „ohne Mehraufwand für die Stadt die Bilanzen der Verkäuferin entlastet werden“.

Clariant-Gelände: Stadt Offenbach sieht Kauf als Schnäppchen

Die entsprechende, von ihm vorgeschlagene Konstruktion hält der in Erwerbs- und Entwicklungsstrategien erfahrene Hanauer Jurist für einen der Schlüssel, dass „der Eigentümer Clariant sich nach Jahren des Zögerns zum Verkauf zu für die Stadt ebenfalls sehr vorteilhaften Konditionen entschlossen hat“.

Bei der Stadt ist man zuversichtlich, ungeachtet der Höhe der Sanierungskosten unter dem Strich ein Schnäppchen gemacht zu haben. Den Kaufpreis allein relativieren bereits erhebliche Mieteinnahmen und erwartbare staatliche Zuschüsse.  (tk)

Erstmeldung vom Dienstag, 05.11.2019, 14.00 Uhr: Offenbach – Die Stadt erwirbt das 35 Hektar große und als Allessa-Gelände bekannte Areal für 6,95 Millionen Euro und wird die Industriebrache selbst entwickeln. Ob 20 Euro für den Quadratmeter tatsächlich ein Schnäppchen sind, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Denn zugleich übernimmt die Stadt die Altlastensanierung auf einer Fläche, die für 178 Jahre Offenbacher Chemiegeschichte steht. 

Offenbach: Kosten für Gelände? 

Bei der Frage, was diese den jeweiligen Planungsfortschritten angepasste Sanierung noch kosten wird, windet sich Oberbürgermeister Felix Schwenke: „Die Risiken wurden von uns mit vier Gutachten ermittelt und in den Kaufpreis eingepreist“, gibt er zu Protokoll. 

Bei der Abschätzung des Risikos sei die Expertise, die sich insbesondere die städtische OPG bei der Entwicklung des Hafens erworben habe, wichtige Grundlage gewesen. Clariant, das lässt sich Schwenke dann doch noch entlocken, habe zunächst einen „deutlich achtstelligen Betrag“, also mehr als zehn Millionen Euro, aufgerufen. 

Offenbach: Hoffnung auf 15 Millionen Euro 

Für Offenbach, das macht Schwenke zusammen mit Bürgermeister Peter Freier und Baudezernent Paul-Gerhard Weiß klar, gehe die Rechnung auf: Die Stadt hat nun das Sagen auf dem Gelände zwischen Mühlheimer-, Main- und Kettelerstraße und kann dessen Entwicklung alleine steuern. Eine nach dem Baugesetzbuch mögliche Enteignung, hätte – obwohl Offenbach laut Schwenke in der besseren Rechtsposition ist – einen mindestens fünfjährigen und kostspieligen Rechtsstreit zur Folge gehabt. 

Hinzu kommt: Die Stadt hofft bis 2030 auf 15 Millionen Euro Fördergeld für die Entwicklung des Areals und kann mit den Mieteinnahmen aus dem noch zehn Jahre laufenden Pachtvertrag mit der EVO rechnen, die auf dem Gelände ihr Pelletwerk betreibt. Unabhängig von den Einzelheiten des Kaufvertrags, so betont Baudezernent Weiß, gehe es vor allem um den langfristigen Nutzen für die Stadt in Form etwa von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen. 

Offenbach: Dauer bis Profit 

Bis Offenbach aber von der wirtschaftlichen Entwicklung durch das neue Gewerbegebiet profitiere, würden mit Sicherheit noch zehn Jahre vergehen, dämpft Schwenke vorschnelle Erwartungen. Ohnehin ist es der Magistratsspitze gestern wichtig, die Bedeutung des Deals herauszustreichen. Kämmerer Freier sieht eine „Jahrhundertchance“ und eine „Riesen-Nummer“ für Offenbach, Schwenke spricht von einer „historische Chance“. Das Areal biete das größte zusammenhängende Flächenpotenzial zur Ansiedlung neuer Unternehmen in der Rhein-Main-Region. 

Und Oliver Kinkel, Vorsitzender der Geschäftsführung von Clariant Deutschland lässt sich, weil auf Dienstreise, mit den Worten zitieren: „Wir freuen uns, dass es nach schwierigen Verhandlungen gelungen ist, ein gutes Ergebnis für beide Seiten zu erzielen.“ Wie im Masterplan festgelegt, werden die 35 Hektar, von denen etwa 20 Hektar nutz- und vermarktbar sind, reines Gewerbegebiet bleiben. 

Offenbach: Entwicklung eines „Innovationscampus“

„Und wir wollen das Areal selbst entwickeln“, erteilt Schwenke einem Weiterverkauf eine Absage. Ob die Stadt oder eine städtische Gesellschaft als Erwerber auftritt, sei noch nicht entschieden, ergänzt Freier. Die Erschließung soll in den nächsten Jahren nach den Vorgaben des Masterplans erfolgen. Vorgesehen ist unter anderem die Entwicklung eines „Innovationscampus“. „Bereits jetzt schon arbeitet die Wirtschaftsförderung mit der IHK, dem Land und der HfG am Aufbau eines Design-Parks in dem etwa Forschung zu Künstlicher Intelligenz Platz findet“, schwärmt Schwenke. 

Geplant ist weiterhin eine Belebung einiger inzwischen denkmalgeschützter Gebäude, die dem Standort Identität verleihen sollen und die Verlängerung des historischen Anlagenrings durch das Werk zu einer grünen Verbindung vom Alten Friedhof bis zum Main. Außerdem vorgesehen sind die Renaturierung des Kuhmühlgrabens, eine Verbindungsstraße von der Mühl-heimer zur B448 zur Entlastung der Bieberer Straße sowie die Verlegung der Mainstraße zum Mainzer Ring.

Von Matthias Dahmer /tk

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