Fußball fordert seinen Tribut

Afrikanisch-Karibische Nacht und Rockmusik

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Immerhin: Die Cocktails schmeckten und auf der Bühne wurde alles gegeben.

Offenbach - Organisator Günter Doll wirft wechselweise sorgenvolle Blicke Richtung Eingang und zum Himmel. Im Vorjahr strömte das Publikum scharenweise aufs Gelände. Diesmal lösen nur ab und zu ein Pärchen oder Einzelgäste Tickets für die „Afrikanisch-Karibische Nacht“. Von Harald H. Richter 

Im Hof des Büsingpalais sind infolgedessen nicht einmal die bühnennah aufgestellten Tische und Bänke durchgängig besetzt, so dass auch am zweiten Abend der Freiluftkonzertreihe die mitwirkenden Bands vor karger Kulisse auftreten müssen. Ähnlich wie Freitag verlieren sich auch am Samstagabend höchstens etwa 200 Zuschauer zwischen Kunstpalmen und Cocktailbar. „Keine Veranstaltung mehr, während ein Großereignis wie die Fußball-WM oder etwas Ähnliches läuft“, ist Doll sichtlich enttäuscht.Dabei ist der Veranstaltungsort keineswegs fußballfreie Zone. Die Anhänger des Spiels ums runde Leder kommen durchaus auf ihre Kosten, da auf mehreren Breitbildschirmen – wenngleich bei leise gestelltem Ton – bewegte Bilder aus den Stadien von Rio de Janeiro und Fortaleza laufen und Eindrücke vom jeweiligen Geschehen liefern.

Die Reihe „Live & Draußen“ bringt drei Formationen auf die Bühne, die in Offenbach durchaus gewisse Bekanntheit besitzen. Den Auftakt macht Purple Rising, vor kurzem noch bei der Kieler Woche aufgetreten. Böse Zungen mutmaßen, die fünf Musiker hätten die nächste dunkle Wolkenfront, die sich über Offenbachs Himmel zusammenzieht, von der Förde mitgebracht. Andreas König, Dominik Stotzem, Alexx Stahl, Stefan Deissler und Reik Muhs trotzen dem Regen und stellen legendäre Hits von Deep Purple in den Mittelpunkt ihres Repertoires, fügen Klassikern wie „Black Night“ und „Smoke on the water“ wunderschöne Balladen sowie live selten dargebotene Titel hinzu.

The Gypsys und Keith Sanders

The Gypsys, die am 18. Juli in Neu-Isenburg beim Open Doors Festival auftreten wollen, haben als Special Guest Keith Sanders mitgebracht und präsentieren Hits aus mehreren Jahrzehnten. Mit vier verschiedenen Frontstimmen und beeindruckender Virtuosität an den Instrumenten halten sie den Stimmungspegel hoch für die Roxx Busters. Sie haben schon einmal das Offenbacher Publikum begeistert und können auch diesmal überzeugen. Frank Rohlers, Hagen Grohe, Tobias Schmitz, Rainer Peters und Ralph Winter lassen Erinnerungen an die beiden produktivsten Jahrzehnte der Rock- und Popmusik aufleben. Und so feiern die 70er- und 80er-Jahre eine musikalische Wiedergeburt.

Gänzlich andere Klangfarben setzen die beiden zur „Afrikanisch-Karibischen Nacht“ verpflichteten Bands. Riddim Posse knüpfen an ihren umjubelten Auftritt aus dem vorigen Sommer an und verströmen mit Reggae und Calypso überschäumende Lebensfreude. Rhythmus, der ins Blut geht, garantiert der Soca-Stil, der durch schnelle Beats überzeugt und geprägt ist von Einflüssen aus Soul, Funk und indischen Instrumenten, die sich Anfang der 70er-Jahre in Trinidad und Tobago herausgebildet haben. Leadsänger Wayne Dallaway muss folglich nicht lange bitten, so dass es zu den heißen Tunes von „Lady Promoter“, „I don’t mind“ und „Dollarwine“ Tanzfreudige nicht länger auf den Bänken hält. Auch die Erfolgssongs eines Bob Marley dürfen an diesem Abend nicht fehlen.

Offenbach rockt im Büsingpark

Offenbach rockt im Büsingpark

Im multikulturellen Frankfurt hat sich mit Cashma Hoody eine Band geformt, die dem Reggae experimentell huldigt und ihm einen rockigen Anstrich verleiht. Obwohl schon über 20 Jahre bestehend, ist die sechsköpfige Formation bisher nicht in Offenbach aufgetreten. „Eigentlich unverständlich“, so Organisator Doll. „Jetzt endlich hat ihr Auftritt aber in den Terminkalender gepasst.“ Aus dem Offenbacher Nordend kommend, macht die Tanzgruppe African Voice mit verschwörerischen Stammesriten auf sich aufmerksam und fegt durch die lichten Reihen. Doch es scheint, als sei bei der Geistervertreibung irgendetwas daneben gegangen. Denn kurz darauf setzt erneut ein Regenschauer ein, was einen Besucher über die vermeintlich heiße Karibik-Nacht spötteln lässt: „Immerhin der Himmel schwitzt.“

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