Bambus als Alternative

Offenbach sagt Kaffeebechern den Kampf an

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Stefan Fleck ist an seinem Stand am Wilhelmsplatz auf Pappe und Plastik angewiesen.

Offenbach -  Der schnelle Kaffee für unterwegs ist äußerst beliebt. Der Koffein-Kick zum Mitnehmen hat jedoch seinen Preis: Allein in Deutschland werden etwa 320.000 Einwegbecher weggeworfen – pro Stunde. Von Sarah Neder

Dank Spülmaschine Geschirr an Bord: Statt der Pappbecher will Luigi Nuzzo bald Mehrweg-Bambus auf dem Markt verkaufen.

Jetzt ruft Bürgermeister Peter Schneider zur Teilnahme an der Initiative „Becherbonus“ auf. Doch wie kommt das bei Verkäufern und Kunden an? Der Wachmacher fließt langsam ins Papp-Gefäß. Stefan Fleck, der an Markttagen feinen Kaffee auf dem Wilhelmsplatz verkauft, schäumt unterdessen Milch an dem Automaten auf. Für einen Espresso Macchiato, Cappuccino im Fingerhut sozusagen. Der Kunde genießt in drei Zügen, dann fliegt das Becherchen in den Eimer. Bei Fleck gibt es Kaffee nur in Pappe oder Plastik. „Mein Konzept ist nicht auf Mehrweg ausgelegt“, schildert der Barista, dessen zur mobilen Cafébar umfunktionierter Dreirad-Kastenwagen weder Spülmaschine noch fließendes Wasser hat. Einige Besucher brächten zwar eigene Thermo-Tassen mit, aber lange nicht die Mehrheit. Kaffee ohne Pappbecher? „Das würde für mich das Aus bedeuten“, sagt Fleck.

Nicht verbieten, aber den Verkauf solcher Wegwerfbehälter reduzieren, will nun die Stadt Offenbach. Im Zuge der Initiative „Becherbonus“ des hessischen Umweltministeriums appelliert Bürgermeister Peter Schneider an Cafés, Bäckereien, Tankstellen und andere Geschäfte, die Heißgetränke für unterwegs verkaufen, umweltfreundliche Alternativen zum Pappbecher anzubieten.

Luigi Nuzzo, der ebenfalls italienische Kaffee-Spezialitäten auf dem Wochenmarkt verkauft, hat da schon eine Idee: Mehrweg-Behälter aus Bambus. „Wir führen schon Gespräche mit einer Firma“, verrät er. Noch am Überlegen sei er jedoch, wie man die umweltfreundliche Alternative vermarktet. „Vielleicht gibt’s den Becher zum ersten Kaffee umsonst, oder wir führen ein Pfandsystem ein“, zieht er in Erwägung. Skeptisch sieht das Mitbewerber Stefan Fleck. Er glaubt nicht daran, dass jeder Kunde brav seine Bambus-Tasse mitbringen wird. „Der Müll ist nachher der gleiche“, glaubt er.

Kaffee und Tee in einem: Der spritzige Koffein-Kick Cascara

Umweltdezernent Schneider ist sich indes sicher: „Wenn sich auch die Anbieter in unserer Stadt daran beteiligen, verringern wir nicht nur die Anzahl produzierter Einwegbecher, sondern auch den Müll auf unseren Straßen und Plätzen.“ Aber was sagen Kunden zur Initiative? Wir haben in der Innenstadt nachgefragt: Ein Mann, der mit dampfendem Einweg-Gefäß einem Backshop an der Frankfurter Straße steht, will der Pappe treu bleiben. Sie mache das Leben für jeden einfacher, ist er überzeugt: „Ich muss nichts wieder reinbringen, und die da drinnen müssen nichts spülen“, erklärt er. Einmal-Becher seien zudem viel hygienischer, meint er. Seine Stehtischnachbarin outet sich hingegen als Umweltbewusste: „Ab und zu bringe ich meine eigene Tasse mit ins Café und lasse auffüllen.“

So etwas müsse belohnt werden, findet Grünen-Politiker Schneider: „Kunden, die einen eigenen Mehrwegbecher mitbringen, könnte wie vom Umweltministerium vorgeschlagen etwa zehn Cent Preisnachlass gewährt werden.“

Schwarz und stark: Perfekter Kaffee ist Geschmackssache

Im Gegenzug würden die Händler von der Politik öffentlichkeitswirksam unterstützt. Erste Zusagen und positive Rückmeldungen gebe es bereits, heißt es in einer städtischen Pressemitteilung zur Initiative „Becherbonus“. Falls freiwillige Initiativen nicht zum gewünschten Erfolg beitrügen, könnte der Gesetzgeber auch rechtliche Regelungen einführen wie ein Pfand oder die Erhebung einer Abgabe auf Einwegbecher.

Doch zunächst solle das Umdenken auf freiwilliger Basis passieren, meint Hessens Umweltministerin Priska Hinz. Aufklärung sei ein erster Schritt, um Müll zu vermeiden: „Die meisten Bürger wollen sich umweltfreundlich verhalten, sind sich des Ausmaßes der Umweltproblematik von Coffee-to-go-Bechern aber nicht unbedingt bewusst.“ Es sei daher aber umso wichtiger, den Gebrauch von Mehrweg attraktiver zu machen. Die Teilnahme an der Initiative „Becherbonus“ wird auf der Internetseite http://hessen-nachhaltig.de/de/becherbonus.html veröffentlicht. Unternehmen, die mitmachen wollen, wenden sich per Mail an Pressestelle@Umwelt.Hessen.de.

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