Stadthalle

33. Sammelsurium: Fein komponiertes Angebot lockt tausende Neugierige

Handwerk, Kunst und Mode waren am Wochenende beim Sammelsurium in der Stadthalle zu bestaunen. Foto: Mangold
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Handwerk, Kunst und Mode waren am Wochenende beim Sammelsurium in der Stadthalle zu bestaunen.

Am Wochenende strömten tausende Besucher zum 33. Sammelsurium-Markt für Mode, Kunst und Handwerk in der Stadthalle Offenbach.Wer zum Sammelsurium in der Stadthalle einen Stand ergattert, kann sich glücklich schätzen. Am Wochenende strömten tausende Besucher zum 33. Markt für Mode, Kunst und Handwerk.

Ursula Merbach hob 1986 das „Offenbacher Sammelsurium“ aus der Taufe. Die ersten Male stellten die Künstler im Lauterborner Jugendzentrum aus. Dann reichte der Platz nicht mehr aus. Merbach wich mit ihrem Markt in die Ludwig-Dern-Schule aus. „Als die Leitung in der Zeitung von 2000 Besuchern las, fürchtete man um den Boden der Schule“, erzählt die 83-jährige, wie es 1999 schließlich dazu kam, in die Stadthalle umzuziehen.

Vor drei Jahren übergab Ursula Merbach ihrem Sohn Dennis die Organisation. Der bekennt schmunzelnd: „Das feine Gefühl meiner Mutter muss ich mir noch erarbeiten“. Der 55-Jährige spricht von der Anordnung der 165 Stände, der Antwort auf die Frage: Wer passt neben wen? Zudem wollen mehr Aussteller nach Offenbach, als in und um die Stadthalle Platz fänden. Merbach spricht von wöchentlich vier Bewerbern, die hier ausstellen wollen. Man achte darauf, nicht immer dieselben einzuladen.

Zu den Stammgästen unter den Ausstellern gehört indes der Dichter Ingo Cesaro. Wer sich für Literatur interessiert, kann sich nicht nur an die Inhalt erinnern, sondern auch, wie ein bestimmtes Buch beim Lesen in der Hand lag, wie sich das Cover farblich gestaltete. Jahre nach der Lektüre sieht das innere Auge etwa noch die roten Tupfer der Bände der Suhrkamp-Ausgabe von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Der in Kronau lebende Cesaro schafft Form und Inhalt aus seinem Guss. Für seine Gedichte schneidet der 78-jährige die Bücher selbst.

Zum ersten Mal nimmt der Bildhauer Wilhelm Hardt teil. Der Kurator der Rumpenheimer Kunsttage kann hier natürlich nicht seine großen Installationen ausstellen. Dafür aber kleine Skulpturen aus Eichenholz, eine Hinterlassenschaft der Dachstuhlrenovierung der Schlosskirche. Ein Exemplar aus Metall lässt ein Trio auf einem Käsekuchen erkennen. „Wenn Kerle Käsekuchen klauen, versuchen sie, schnell abzuhauen“, lauten dazu passende Zeilen mit dem Titel „Ertappt“. Umher läuft auch Ingrid Wagner. Für ihren Mann sei es zu ihrem Geburtstag eine Qual, sich et was einfallen zu lassen, sagt sie. Deshalb erlöste sie ihn schon vor Jahren und sucht sich seitdem beim Sammelsurium in seinem Namen etwas aus.

Zum Erfolgskonzept der Familie Merbach gehört, nur Leute einzuladen, die von ihrem Schaffen zumindest teilweise leben können. „Bastelarbeiten lassen wir zu“, betont Dennis Merbach. Dass Schneiderei eine Kunst sein kann, beweist Noona Freudenberg. Sie als „Modemacherin“ zu bezeichnen, träfe nicht den Punkt. Ihre Frauenkleider wirken wie Architektur, die sich an den Bögen des Jugendstils orientiert.

VON STEFAN MANGOLD

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