Corona-Krise

Besuchsbeschränkungen in Sana-Klinikum Offenbach: Auswirkungen auf Patienten

Im Sana-Klinikum ist der Besuch momentan stark eingeschränkt.
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Im Sana-Klinikum ist der Besuch momentan stark eingeschränkt.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist der Zugang zum Sana-Klinikum streng reglementiert, Besucher dürfen nur in klar definierten Ausnahmefällen die Stationen betreten. Für den überwiegenden Teil der Patienten bedeutet das, auf den Besuch von Angehörigen verzichten zu müssen.

Offenbach - Wer mitten im Leben steht und geistig fit ist, dürfte die aktuellen Einschränkungen noch relativ reibungslos ertragen sein. Doch was ist mit Menschen, die älter sind oder geistig verwirrt? Hier kann das Besuchsverbot im Sana äußerst problematisch sein, wie uns ein Leser schildert.

Sana in Offenbach: Besuche in Klinik durch Corona werden zum Problem

Andreas Lukas (Name von der Redaktion geändert) musste seinen 81-jährigen Vater wegen eines Fußleidens in das Krankenhaus bringen. Schon beim Eingang der Notaufnahme sagte man ihm, dass er seinen Vater, der unter einer leichten Demenz leidet, nicht in die Behandlungsräume begleiten dürfe. Dass er seinen Vater allein in der Notaufnahme zurücklassen musste, habe ihn belastet, schildert er. Beim Personal hinterließ er seine Rufnummer mit der Bitte, ihm mitzuteilen, auf welche Station sein Vater verlegt werde. Sieben Stunden später, so berichtet er, „nach dem x-ten Anruf, den ich gemacht hatte“, erfuhr er, auf welcher Station sein Vater liegt.

Da sein Vater mit einem Mobiltelefon nicht umgehen kann, wollte Andreas Lukas wissen, ob der Patient ein Festnetz-Telefon auf seinem Zimmer habe. Dafür, so erfuhr er, hätte sein Vater jedoch Geld bei sich haben müssen. Am nächsten Tag wurde Lukas beim Sicherheitspersonal am Klinik-Eingang vorstellig und durfte am Automaten eine Telefonkarte erwerben - der alte Herr wäre dazu aufgrund seines Zustandes selbst nicht in der Lage. Die Karte hinterlegte er dann beim Sicherheitsdienst, der nach eigener Angabe diese auf die Station bringt.

Allerdings überforderte den unter Verwirrung leidenden Herrn die Einrichtung des Telefons mittels Karte, das Guthaben wurde dabei jedoch aufgebraucht. Beim nächsten Versuch hinterließ Andreas Lukas Geld beim Sicherheitsdienst, versehen mit der Bitte, dass jemand auf der Station für seinen Vater das Telefon einrichte. Das klappte nach einigen Rückfragen dann auch, und so konnten er und seine Mutter den Vater nach Tagen endlich per Telefon erreichen und mit ihm sprechen. Da sein Vater länger im Krankenhaus bleiben musste, war das Prozedere für frische Kleidung ähnlich: Die wurde am Eingang hinterlegt und auf die Station geleitet. Dem Pflegepersonal, betont Lukas, mache er keine Vorwürfe. Aber: „Die Klinik-Leitung muss sich die Frage gefallen lassen, ob man so mit unserer älteren Generation umgehen kann.“

Schon für Menschen, die geistig fit sind, kann die Isolation problematisch sein – für Menschen, die sich nicht mehr richtig orientieren können und dann in ungewohnter Umgebung über Wochen auf die vertrauten Gesichter der Angehörigen verzichten müssten, sei es jedoch höchst schwierig.

Generelles Besuchsverbot in Sana-Klinikum in Offenbach

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilt das Sana-Klinikum mit, dass „aufgrund des aktuellen Besuchsgeschehens (...) bis voraussichtlich 30. September ein generelles Besuchsverbot für alle Patienten“ gelte. Ausnahmen gelten für minderjährige Kinder, Palliativpatienten oder für Neugeborene. Weitere Ausnahmen vom Besuchsverbot sind laut dem Ärtzlichen Direktor Prof. Norbert Rilinger nur in medizinisch begründeten, besonderen Fällen möglich. Ansonsten verweist er auf die von Lukas geschilderte Methode, den Patienten am Eingang zwischen 11 und 16 Uhr Dinge des täglichen Lebens zu hinterlegen, die anschließend auf Station gebracht würden.

Diese Beschränkung habe man sich auferlegen müssen, da die Klinik als „Level-I-Klinik im Versorgungsgebiet Hessen“ zähle, sagt Rilinger. Nur durch ein striktes Besuchsverbot könnten besonders gefährdete Patienten geschützt und gleichzeitig die Arbeit des Krankenhauses für die Bevölkerung gewährleistet werden. Auf die besondere Situation von älteren oder verwirrten Patienten, die über Wochen – im Fall des Vaters von Andreas Lukas waren es drei Wochen – ohne direkten Kontakt zu Angehörigen sind, geht das Klinikum jedoch nicht ein.

Ähnlich strikt wie das Sana-Klinikum gehen auch das Ketteler-Krankenhaus und die Frankfurter Universitätsklinik vor, auch dort sind sämtliche Besuche untersagt. Anders das Klinikum Hanau: In den ersten sechs Tagen des Aufenthalts sind insgesamt zwei Besuche von maximal zwei Personen gestattet. Im Krankenhaus Langen besteht kein generelles Besuchsverbot, pro Tag darf jeder Patient für maximal eine Stunde von einer Person besucht werden (Von Frank Sommer)

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