Versäumnisse

Corona-Tests: Sana-Klinikum ist nach anonymen Hinweisen von Mitarbeitern in Bedrängnis

Das Sana-Klinikum in Offenbach.
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Beschäftigte des Sana-Klinikums in Offenbach bemängeln den klinik-internen Umgang mit Corona.

Schwere Vorwürfe von Mitarbeitern des Sana-Klinikums in Offenbach: Sie werfen der Klinik-Leitung Versäumnisse im internen Umgang mit dem Coronavirus vor.

  • Anonyme Mitarbeiter machen dem Sana-Klinikum in Offenbach schwere Vorwürfe im Umgang mit Corona.
  • Symptomatische Mitarbeiter sollen ohne negative Tests weiterarbeiten.
  • Das Krankenhaus wehrt sich und behauptet, dass alle Maßnahmen im Sinne der Coronaauflagen stattfinden.

Offenbach - In Zeiten der Pandemie, in denen Krankenhäusern eine besonders wichtige Rolle zukommt, wiegen die Vorwürfe schwer: Mitarbeiter des Sana-Klinikums, die sich in Schreiben an unsere Zeitung gewandt und um Anonymität gebeten haben, werfen der Klinik-Leitung Versäumnis im internen Umgang mit Corona vor.

Schwere Vorwürfe gegen Krankenhaus in Offenbach – Sana-Klinikum soll Corona-Ausbrüche verschweigen

„Während andere Kliniken offen ihre Probleme mit den steigenden Infektionszahlen und Ausbrüchen in den Kliniken kommunizieren, schweigt sich unsere Klinik darüber aus, dass es in jüngster Zeit auf insgesamt sieben Stationen Corona-Ausbrüche gab und diese Stationen unter Quarantäne standen oder stehen“, heißt es. Trotzdem würden weiterhin Mitarbeiter nicht routinemäßig auf Corona getestet, angeblich reichten die Tests nicht aus.

Symptomatische Mitarbeiter würden ohne Testung nach Hause geschickt mit den Verweis an einen Hausarzt. Falls dieser überhaupt Tests durchführe, würden Tage bis zum Erhalt des Ergebnisses vergehen, während Kollegen, die Kontakt zum Mitarbeiter hätten, einfach weiterarbeiteten. „Intern kommuniziert werden diese Probleme kaum. Einfach weitermachen, auf dem Rücken von Patienten und Mitarbeitern.“

Offenbach: Sana-Klinikum weist Vorwürfe zurück – Ruhe bewahren und kein Öl ins Feuer gießen

Sana-Geschäftsführer Sascha John nimmt zunächst grundsätzlich zu den Vorwürfen Stellung: Wie in der gesamten Bevölkerung herrsche auch bei den Mitarbeitern des Klinikums angesichts der eskalierenden Lage, des neuerlichen Lockdowns und verschiedener Regeln eine große Unsicherheit. John: „Für uns ist es wichtig, die Patienten mit sehr viel Ruhe und Bedacht zu behandeln. Das hat uns bereits im Frühjahr ausgezeichnet und das versuchen wir nun wieder. Und das gelingt uns zur Zeit eigentlich relativ gut.“ Es gehe darum, Ruhe zu bewahren und nicht noch Öl ins Feuer zu gießen, so der Geschäftsführer mit Blick auf die Kritik.

Sana-Klinikum in Offenbach: Für Routinetest sind die Kapazitäten zu gering

John räumt zugleich ein, dass in den vergangenen Tagen auf verschiedenen Stationen Covid-Patienten aufgetaucht und behandelt worden seien, was in einem Krankenhaus der Maximalversorgung angesichts rasant steigender Corona-Fallzahlen vorkommen könne. „Wir haben schnell reagiert und alle Patienten zusammengezogen auf unserer separaten Covid-Station“, so John. Die anderen Stationen, es seien vier statt sieben gewesen, seien unter Quarantäne gestellt worden. Man habe daraufhin einen Aufnahmestopp verhängt, um das Covid-Geschehen im Haus zu kontrollieren und zu organisieren.

Was routinemäßige Tests der Klinik-Mitarbeiter angeht, die unter dem Gesichtspunkt der Fürsorgepflicht angezeigt wären, gibt der Geschäftsführer unumwunden zu: Das ist zur Zeit nicht möglich, weil dafür nicht ausreichend Testkapazitäten zu Verfügung stehen.“ Mitarbeiter würden getestet, wenn Kontakt mit einem covid-positiven Patienten bestanden habe oder sie in einem Bereich gearbeitet hätten, in dem positive Fälle aufgetreten seien.

Offenbach: Sana-Klinikum hält alle Auflagen des RKI ein

Unabhängig davon werde den Mitarbeitern auf den verschiedensten Kanälen mitgeteilt und erläutert, wie sie sich zu verhalten hätten und welche Schutzmaßnahmen notwendig seien. „Wir haben eine generelle Maskenpflicht, wir haben ein nahezu vollständiges Besuchsverbot verhängt und wir verhalten uns – das ist für uns der Maßstab – gemäß den Auflagen des Robert-Koch-Instituts.“

Zu diesen Vorgaben des RKI gehöre im Übrigen auch, dass Mitarbeiter, die Kontakt zu einem Covid-Patienten hatten und keine Symptome zeigen, zunächst mit FFP2-Maske weiterarbeiten könnten. „Nach fünf Tagen, so lange dauert die Inkubationszeit, wird dann gescreent, ob der Mitarbeiter auch positiv ist“, erläutert Sascha John das Prozedere. (Matthias Dahmer)

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