Stellenabbau

Sana-Klinikum streicht Stellen bei Servicetochter: Krankenhauskonzern bezieht Stellung

Auch im Sana-Klinikum in Offenbach werden Stellen abgebaut.
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Auch im Sana-Klinikum in Offenbach werden Stellen abgebaut.

Das Sana-Klinikum in Offenbach bestätigt Pläne für den Stellenabbau. Allerdings ist die Zahl der Betroffenen korrigiert worden.

Update vom Donnerstag, 06.05.2021, 16.35 Uhr: Der Betriebsratsvorsitzende des Sana-Klinikums hatte die Offenbacher Maifeierlaune etwas verdorben. Holger Renke offenbarte den Teilnehmern der Kundgebung zum 1. Mai auf dem Wilhelmsplatz, dass der Krankenhauskonzern einen Stellenabbau vorhabe. 80 bis 90 Kräfte einer Servicetochter sollten allein in Offenbach gehen, gab Renke an. Sana bestätigte auf Anfrage der Offenbach Post die Pläne, nannte aber die Zahl von 58,21 Vollkräften und letztlich 66 Betroffenen.

Diese sind angestellt bei der Sana DGS pro.service GmbH, die bisher Reinigung, Service und krankenhausinterne Logistikdienstleistungen in den Häusern des Konzerns erledigt. Die Firma sei aber in „ihrer aktuellen Struktur (...) nicht mehr ausreichend auf die gegenwärtigen Herausforderungen hin ausgerichtet“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Deshalb werde der „Service- und Logistikbereich der Sana DGS pro.service GmbH im Rahmen der Reorganisation der konzernweiten Service- und Logistikaktivitäten zum 31. Dezember geschlossen“. 

Sana Klinikum Offenbach: 66 Mitarbeiter von Stellenabbau betroffen

Wie DGS-Geschäftsführer Klaus Wiendl erläutert, sind davon konkret betroffen Hol- und Bringedienst, Patientenbegleitdienst, Information/Pforte, Stationshilfsdienst, Wäscheservice und Archiv. Sämtliche entsprechenden Arbeitsplätze sollen bis spätestens Jahresende abgebaut sein. Ausgenommen davon ist die Krankenhausreinigung, die bei Sana DGS verbleibt. Klaus Wiendl erklärt, neue Anforderungen verlangten „in der Zukunft eine deutlich höhere fachliche Führung und auch Prozessbegleitung sowie -überwachung“.

Auch bei den anderen Aufgaben will der Konzern auf „fachliche Spezialisierung“ setzen. Sana-Sprecher Pascal Nebling: „Zur Umsetzung dieser Qualitätsoffensive prüfen wir auch externe Angebote und Problemlösungen zur Realisierung dieser jeweiligen Service- und Logistikorientierung.“ In der über 40-jährigen Geschichte habe das Unternehmen „aber auch stets sehr gut mit den diversen konzerninternen Anbietern gestalten“ können. Das lässt offen, ob Aufgaben vergeben oder von Töchtern erfüllt werden. Der DSG-Gesamtbetriebsrat wurde am 16. April informiert. Verhandelt wird über Interessenausgleich und Sozialplan. Bei der Offenbacher Maifeier hatte Holger Renke zum allgemeinen Protest gegen den Stellenabbau im Sana-Klinikum aufgerufen.

Schlechte Nachrichten für das Sana-Klinikum in Offenbach

Erstmeldung vom Montag, 03.05.2021, 21.18 Uhr: Offenbach - Unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“ hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu seiner traditionellen 1. Mai Kundgebung aufgerufen. Doch vieles war anders als in den Jahren zuvor. Kein Grill, kein Getränkeverkauf und auch keine Infostände waren wegen der Corona-Pandemie auf dem Wilhelmsplatz erlaubt. Die IG Metall hatte Sitzwürfel aus Pappe aufgestellt, um die nötigen Abstände einzuhalten. Vor dieser Kulisse gab es schlechte Nachrichten zum Mai-Fest.

Die hatte Holger Renke, der Betriebsratsvorsitzende des Sana-Klinikums in Offenbach, im Gepäck. Eigentlich habe er sich lange auf seine Rede zum 1. Mai vorbereitet, aber als er diese Nachricht bekam, habe er sein Manuskript weggeworfen, um frei zu reden: Am Montag habe der Gesamtbetriebsrat erfahren, dass der Klinikkonzern deutschlandweit bei seiner Tochtergesellschaft DGS Pro Services rund 1000 Stellen abbauen wolle.

Offenbach: Stellenabbau im Sana-Klinikum – Betriebsrat ruft zu Protesten auf

In Offenbach könnte das 80 bis 90 Mitarbeiter betreffen, die beispielsweise am Empfang oder im Patientenbegleitservice arbeiteten. Das, so kritisierte Renke, obwohl die Mitarbeiter trotz ihrer schweren Arbeit noch nicht einmal den Corona-Bonus bekommen hätten. Renke rief die Teilnehmer auf, mit Protesten der Geschäftsführung klar zu machen, was sie davon halten: „So heftig, dass dort Rechner und Faxgeräte glühen.“

Dass auch bei Jugendlichen große Verunsicherung herrsche, berichteten Adrijan Lawrentjew und Cyrill Löb von GKN Driveline. Auszubildende würden kaum noch übernommen, und wenn, dann nur mit einem halbjährigen Zeitvertrag, der mehrfach verlängert werde.

1. Mai Kundgebung der DGB in Offenbach – „Solidarität ist Zukunft“

Vor der abschließenden Kundgebung hatten sich um 11 Uhr rund 200 Teilnehmer am Gewerkschaftshaus in der Berliner Straße in Bewegung gesetzt. Dem Aufruf der Gewerkschaften folgten auch Vertreter von Parteien und Verbänden.

Als der Demonstrationszug in die Bieberer Straße einbog, stimmte Sänger Ernst Schwarz die ersten Besucher mit bekannten Arbeiterliedern auf die Veranstaltung ein. Hinter dem Banner mit der Aufschrift „Solidarität ist Zukunft“ schritt die DGB-Vorsitzende im Kreis Offenbach, Brigitte Bach-Grass, voran. Durch die vorgeschriebenen Abstandsregeln zog sich der Demonstrationszug beträchtlich in die Länge, und es dauert einige Zeit, bis auch die letzten den Wilhelmsplatz erreichten. und die Vorsitzende die Kundgebung eröffnen konnte.

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Offenbach: Corona-Situation für Arbeitnehmer – „Krise trifft die sozial Schwächeren“

„Die Corona-Krise zeigt uns wie ein Brennglas, wo Handlungsbedarf besteht“, sagte Bach-Grass. Als Beispiele nannte sie die Situation von geringfügig Beschäftigten und Solo-Selbstständigen, aber auch den Rückfall in alte Rollenklischees. Denn meistens seien es Frauen, die auf ihren Job verzichteten, um sich um die Kinder zu kümmern, so Bach-Grass.

Oberbürgermeister Felix Schwenke bestätigte das: „Corona hat uns alle beschäftigt, aber es zeigt sich, die Krise trifft die sozial Schwächeren härter als die Bessergestellten.“ Das gelte sowohl international, wie man an Indien sehe, aber auch lokal. Wer in beengten Wohnverhältnissen lebe infiziere sich schneller. Trotz aller Düsternis gebe es aber auch positive Nachrichten, nämlich die Ansiedlung des Unternehmens Samson in Offenbach. Nicht unerwähnt ließ der Sozialdemokrat, dass es sich dabei um ein tarifgebundenes Unternehmen handelt.

Ohne Infostände, Würstchen und Getränke löste sich die Kundgebung hernach recht schnell auf, nicht aber bevor Musiker Ernst Schwarz noch einmal das gemeinsame Singen der Internationale angestoßen hatte. (Peter Klein/Thomas Kirstein)

Erst im Januar 2021 wurde bekannt, dass das Sana-Klinikum Offenbach Zulagen für Mitarbeitende streicht.

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