Baden im Weiher

Sanierung des Schultheisweihers in Offenbach: Vorübergehendes Badeverbot gilt

Der Ausbau des Grundwasser-Messnetzes wurde rings um den Schultheisweiher vorgenommen.
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Der Ausbau des Grundwasser-Messnetzes wurde rings um den Schultheisweiher vorgenommen.

Am „Schultheis“ schreiten die Arbeiten seit Beginn des Jahres gut voran. Der Badebetrieb ist aber erst wieder im nächsten Jahr möglich.

  • Sanierung am „Schultheis“ schreitet weiter voran
  • Badebetrieb ist im Schultheisweiher in Offenbach erst wieder 2021 möglich
  • See in Offenbach bleibt 2020 gesperrt

Offenbach – Selbst auf der Internet-Seite des Hessischen Amtes für Naturschutz ist der Hinweis nicht zu übersehen. „Baden im Schultheisweiher nicht möglich“ lautet der Hinweis an auswärtige Erholungssuchende. Ja, warum eigentlich der See gesperrt sei, fragen die Linken. Dort zu schwimmen, wäre doch ein „wichtiger Zugewinn an Lebensfreude in diesen schwierigen Zeiten“, spielt der Stadtverordnete Peter Schnell auf die Corona-bedingte Ausnahmesituation im Sommer 2020 an.

Schultheisweiher in Offenbach: Sanierung in vollem Gange

Aufhänger für seine Frage ist der Umstand, dass die Stadtverordneten für dieses Jahr Geld zur Verfügung gestellt haben, um die Sanierung des Schultheisweihers endgültig voranzubringen. Nach diversen Versuchen der natürlichen Gesundung (unter anderem Befischung, Wasserpflanzen, Krebs- und Aal-Besatz) soll nun eine Phosphat-Eliminations-Anlage den See im Naturschutzgebiet retten. „Leider lässt sich von den Arbeiten noch nichts erkennen, für das Baden ist er aber nach wie vor nicht geöffnet“, kritisiert Schnell angesichts steigender Temperaturen und Frustration begeisterter Schwimmer, die an Land bleiben müssen.

Zur Erinnerung: Für bis zu 600 000 Euro („überschlägige Kostenschätzung“) soll eine Anlage am Schultheisweiher aufgestellt werden. Und Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach betont, dass durchaus etwas passiert: „Wir sind im Zeitplan! Die Anschaffung einer solchen Anlage ist vorbereitet, Standort und Festlegungen zur Zuwegung sind ermittelt. Aktuell bereiten wir die Ausschreibung vor.“ Danach erfolge eine „behördenübergreifende Abstimmung des Leistungsverzeichnisses“ bezüglich der Genehmigungsfähigkeit. Bedeutet: Regierungspräsidium Darmstadt und Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie müssen grünes Licht geben.

Schultheisweiher in Offenbach: Arbeiten schreiten gut voran

Am „Schultheis“ selbst schreiten die Arbeiten seit Beginn des Jahres nach ihren Worten gut voran. „Dabei achten wir darauf, dass die Arbeiten nicht von der Öffentlichkeit bemerkt oder durch sie beeinträchtigt werden. Ganz lässt sich dies dennoch nicht vermeiden. Einige befinden sich in unmittelbarer Gewässernähe, andere ein Stück in der Umgebung, bei manchen erfolgt ein Eingriff ins Wasser, bei anderen nicht“, sagt Hollerbach.

Um den See langfristig zu stabilisieren und vor allem den Sauerstoffgehalt zu erhöhen, ist ein dickes Bündel geschnürt: Mittlerweile ist der Ausbau des Grundwasser-Messnetzes umgesetzt, zehn neue Messstellen gebaut, deren Lage ist nicht öffentlich. Dieses Messnetz wird zur Ermittlung der sogenannten Frachten (etwa Phosphat), die dem Schultheisweiher unterirdisch zufließen und zur Eingrenzung des Einflussbereiches, benötigt. Im nächsten Schritt werden die Messstellen mit GPRS-Loggern ausgestattet und das Grundwasser wird dann regelmäßig auf verschiedene Parameter untersucht. Hollerbach: „Das ist ein aufwendiger Prozess vor Ort und eine Programmvernetzung digital im Büro.“ Ziel: So kann die Nährstoffbelastung im Grundwasser näher bestimmt werden, was dann Auswirkungen auf den Umfang der Phosphat-Eliminations-Anlage und deren Betriebskosten für die Wasseraufbereitung hat.

Schultheisweiher in Offenbach: Mehrere Schritte der Sanierung noch nicht abgeschlossen

An einem Uferabschnitt wurde zudem ein Teil des Schilfgürtels zur Gänsevergrämung angelegt, der noch wachsen muss. Die nächsten Schritte: weitere Befischung, Neuaufbau der Bootsanlagestelle/Feuerwehrrampe und einer Messstelle im See, vorbereitende Baumfällungen am Standort der Eliminierungs-Anlage – selbstverständlich nach der Vogelbrutzeit.

Und das Badeverbot 2020? „Ist letztlich eine Maßnahme für die langfristige Verbesserung der Seewasserqualität“, betont die Amtsleiterin. Die Stadt informiere durch das Aufsichtspersonal alle Besucher des Naturschutzgebietes und bitte darum, das Verbot des Badens auch einzuhalten und die Beschilderung mit den Verhaltensregeln zu Corona zu beachten. Ob der See überhaupt zugänglich wäre - was in den vergangenen Jahren durchgängig kaum der Fall gewesen ist - lässt Heike Hollerbach offen. Aktuell befindet sich der Schultheisweiher in der „Warnstufe“ für den Gehalt mit Cyanobakterien (Umgangssprachlich: Blaualgen) – bis zu 15 Mikro-Gramm pro Liter (µg/l). Bei einem Wert größer als 75 µg/l wird das Baden verboten. VON MARTIN KUHN

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