Teure Sanierung

Sanierung von Kitas kostet eine Million Euro mehr: „Preise gehen durch die Decke“

Die Kosten für Neubau und Sanierung zweier Kitas in Offenbach steigen enorm - der Grund ist ein einstiger Pfusch am Bau.
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Die Kosten für Neubau und Sanierung zweier Kitas in Offenbach steigen enorm - der Grund ist ein einstiger Pfusch am Bau.

Die Kosten für Neubau und Sanierung zweier Kitas in Offenbach steigen enorm - der Grund ist ein einstiger Pfusch am Bau.

Offenbach – Bereits im Dezember kündigte sich an, was das Stadtparlament - wenn auch in reduzierter Besetzung - nun genehmigen muss: Die Kosten für Neubau und Sanierung zweier Kitas steigen. Bei der Kita 16 (Johannes-Morhart-Straße), die seit 2019 aufwendig saniert wird, erhöhen sich die Kosten um 500. 000 Euro auf etwa 3 Millionen Euro. Grund ist einstiger Pfusch am Bau, wie Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) bestätigt.

„Die Abdichtung des Gebäudes im Sockelbereich weist erhebliche Mängel auf, aber das war vorher nicht zu erkennen“, sagt er. Erst als im Zuge der Sanierungsarbeiten die Fassade entfernt wurde, fiel das auf. „Das ist ein Fehler aus einer anderen Zeit - und natürlich nach Jahrzehnten jenseits jeglicher Gewährleistung.“

Immerhin: Für ein anderes Problem zeichnet sich inzwischen eine Lösung ab. Denn im Dezember fürchtete man noch durch die wesentlich umfangreicheren Bauarbeiten eine so große Verzögerung, dass die Bundesförderung hätte kippen können. Die Kita-Sanierung wird nämlich aus dem ersten Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) bezuschusst und dieses schreibt vor, dass alle Arbeiten bis spätestens Ende 2020 erledigt sein müssen. „Wir haben als Stadt sofort Gespräche mit den Förderstellen geführt, um eine Verlängerung zu bekommen“, sagt Weiß. Allerdings zeichne sich nun ohnehin eine für sämtliche Kommunen vorteilhafte Entwicklung ab: „Nach jetzigem Stand sollen sowohl KIP 1 und 2 um jeweils ein Jahr verlängert werden, das wäre für uns sehr günstig.“

Teurer fällt auch der Neubau der Kita 3 (Rödernstraße) aus: Laut Stadt erhöhen sich die Kosten um 470 000 Euro auf 6,7 Millionen Euro. „Dafür ist die Verteuerung in der Bauwirtschaft verantwortlich, die Preise sind durch die Decke gegangen“, so Weiß. Zwar werde bei allen Bauprojekten die Preisliste stets auf den aktuellen Stand gebracht, doch durch den Bauboom in der Rhein-Main-Region steigen die Preise immer weiter. „Das treibt uns die Tränen in die Augen“.

Ob durch die Corona-Krise der Bauboom und damit auch die stetige Preissteigerung - bei sämtlichen Bauprojekten der Stadt ist es zu teils erheblichen Mehrkosten gekommen - gebremst werde, dazu möchte der Stadtrat keine Prognose wagen. Allerdings versuche das Bauamt, das Beste aus der derzeitigen Lage zu machen: Da sämtliche Kitas und Schulen geschlossen sind, prüft die Stadt, welche Reparatur- oder Bauprojekte vorgezogen werden können. „Die großen Projekte an Edith-Stein-, Mathilden- und demnächst Geschwister-Scholl-Schule laufen ohnehin weiter und kommen gut voran“, sagt Weiß, „aber wir schauen natürlich, ob sich nicht kleinere Projekte vorziehen lassen.“

So nutze das Gebäudemanagement (GBM) die unterrichts- und betreuungsfreie Zeit, um etwa Reparaturen und Reinigungsarbeiten vorzunehmen, die sonst nur in den Abendstunden oder gar in der Ferienzeit möglich wären. „Für solche Arbeiten stehen uns jährlich zwei Millionen Euro zur Verfügung.“ So werden etwa in der Kita 14 der Gruppenraum renoviert und in der Kita 18 Setzrisse ausgebessert, am Altbau der Leibnizschule sollen die geplanten Malerarbeiten vorgezogen werden und in mehreren Schulen stehen umfassende Grund- und Glasreinigungen an. An der Schillerschule kann zudem das Dach repariert werden, während an Schiller- und Eichendorffschule der Boden in einigen Räumen erneuert wird. An 17 Gebäuden sind vorgezogene Arbeiten bisher geplant, weitere Gebäude werden aktuell untersucht.

Außerdem will die Stadt prüfen, ob auch für die Sommer- oder Herbstferien vorgesehene Arbeiten zumindest durch Vorbereitungsarbeiten zu beschleunigen sind. Weiß: „Es stehen an der Wilhelm-, der Uhland- und der Grundschule Bieber etwa Schallschutzarbeiten an, um den Nachhall zu minimieren. Wir versuchen natürlich, diese vorzuziehen. Aber das hängt auch von der Auftragslage bei den zuständigen Firmen ab.“ Ob die Unternehmen so rasch die seit Monaten geplanten Arbeiten vorziehen können, ist unklar. Aber wenn es in einigen Fällen doch gelingen würde, so hätte die Corona-Krise zumindest für Kita- und Schulbauten ein klein wenig Gutes gebracht.

VON FRANK SOMMER

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