Ein verkleidetes Denkmal

Das wird wohl nicht jedem schmecken... Architekt Gerhard Plath jedenfalls ist entsetzt, was die Planung für Rumpenheim vorsieht.

Rumpenheim - Das Land hat vor Jahren den Maindeich saniert. Jetzt folgt die Stadt. Während eine Deich-Absenkung das Isenburger Schloss sichtbarer macht, verschwindet das Rumpenheimer Ortsbild hinter einer Spundwand. Gerhard Plath ist entsetzt. Von Martin Kuhn

.„Das soll alles weg. “ Mit geradezu greifbarem Respekt vor der handwerklichen Kunst der Vorfahren fährt Gerhard Plath, der an der Neugasse steht, mit der flachen Hand über den Sandstein der dortigen Deichpforte.

Der Architekt ist nach dem Erörterungstermin zur geplanten Maindeich-Sanierung fleißig gewesen. Er hat nicht allein an das Landesamt für Denkmalpflege, den Oberbürgermeister und die örtliche Bürgerinitiative geschrieben, sondern sich mit Zollstock, Digitalkamera und Papier aufgemacht nach Rumpenheim, um zentimetergenau jede Deichpforte zu vermessen und ein Datenblatt zu erstellen – damit wenigstens das der Nachwelt überliefert werden kann.

Kostspielige Versetzung der Fahrwege und Elektrik

Es spricht wohl auch eine gehörige Portion Frust mit, wenn Plath nach dem Studium der Planungsunterlagen zur Deichsanierung in Rumpenheim sagt: „Das ist doch nur Sandstein-Tapeziererei.“ Das ist für ihn das, was bleibt, wenn die bisherigen Schutzmauern hinter verkleideten Spundwänden verschwinden. „Wenn hier mal ein Auto dagegen schrammt“, sagt Plath und klopft auf den Sandstein, „passiert nichts – zumindest der Wand. Die spätere Verkleidung platzt weg.“

Ortstermin im Jahr 2011: Die sogenannte Deichverteidigung ist in Rumpenheim teils nur über privaten Grund möglich.

Es ist für ihn eine von vielen Ungereimtheiten, die das Projekt aus seiner Sicht erheblich teurer machen, als es die notorisch klamme Stadtkasse hergibt. Weiteres Beispiel: Die Spundwand, 70 Zentimeter vor der alten Mauer in den Boden getrieben, bedinge auch eine kostspielige Versetzung der Fahrwege und Elektrik.

Dabei hat der Regierungspräsident als übergeordneter Kassenhüter bei der Erörterung gesagt, dass eine Deich- Absenkung, wie sie Oberbürgermeister Horst Schneider am Isenburger Schloss favorisiert, nur durch Einsparung an anderer Stelle zu finanzieren sei. Da käme doch eine Kostenersparnis in Rumpenheim gerade recht... „So gesehen würde das passen“, sinniert Plath, dem schon die Erhaltung von Teilen des alten Bürgeler Hochwasserschutzes ein Anliegen gewesen ist. Er ist dort, sozusagen direkt vor seiner Haustür, bekanntlich gescheitert.

Keinerlei Verständnis für ingenieurtechnische Argumente

Für Rumpenheim sieht der Bauingenieur mit Faible für Historisches und Spezialist für baukonstruktive Erkenntnisse weitaus bessere Chancen. Gerhard Plath: „Die aktuelle Planung verstößt gegen § 2, Abs. 2, Nr. 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes.“ Als schutzwürdig gelten demnach „Straßen-, Platz- und Ortsbilder einschließlich der mit ihnen verbundenen Pflanzen, Frei- und Wasserflächen, an deren Erhaltung aus künstlerischen oder geschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht.“ In der Denkmaltopografie der Stadt (Seite 429) sei der alte Rumpenheimer Ortskern als eine solche Gesamtanlage ausgewiesen. In ihrer detaillierten Ausbildung sei die mainseitige Mauerfront mit ihren Pforten auch für die Wasserbautechnik ein frühes Beispiel des Hochwasserschutzes am Main.

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Plath ist erbost: „Ich habe keinerlei Verständnis für ingenieurtechnische Argumente, wenn unter dem ,Schiffchen’ eine vier Meter hohe Wand „wasserfest“ gemacht werden kann und im Gegensatz dazu die weit niedrigeren Wände bis zur Neugasse hinter einer Spundwand verschwinden.“ Und was ist mit der Maßgabe des Landes, das stets bekundet: Oberstes Ziel ist Herstellung eines durchgehenden Hochwasserschutzes entsprechend den heutigen Anforderungen bezüglich Standsicherheit und Höhe. Wenn gesagt werde, „dass Argumente des Hochwasserschutzes schwer wiegen, darf eine solche Erklärung nicht von der Unteren Denkmalpflege kommen“, erbost sich Plath. Autsch. Das hat gesessen.

Die Einwendungen werden gesammelt

Die Offenbacher Stadtverwaltung ist da naturgemäß zurückhaltender und verweist auf den Verfahrensweg. Hans-Joachim Bier-Kruse, Leiter Verkehrsplanung und Stadtgestaltung: „Zum Erörterungstermin wurden alle Einwendungen vorgebracht.“ Plaths Bedenken, die dieser engagiert vorgetragen habe, sind bei ihm und seinen Kollegen angekommen. Die Einwendungen werden gesammelt und dem Regierungspräsidenten zur Stellungnahme vorgelegt. Letztlich beschließe der RP, was die Stadt für den Hochwasserschutz machen muss und in welchen Abschnitten technisch nachzuarbeiten ist. Mit einer Entscheidung rechnet Bier-Kruse bis zum August.

Und Plaths Kampf für den Denkmalschutz? Nach Abwägung aller Aspekte ist die Willensbildung von Öffentlichkeit und Politik wohl beendet und mündet in eine Spundwand.

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