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Sanierung oder Abriss? Zukunft der Trauerhalle umstritten

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Von: Matthias Dahmer

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Sanierung oder Abriss? Die Trauerhalle am Neuen Friedhof sorgt derzeit für Diskussionsstoff. Neben finanziellen Argumenten weisen die Abrissgegner auf das vom Offenbacher Künstler Bernd Rosenheim gestaltete Portal hin, das erhalten werden müsse. Fotos: maidment
Sanierung oder Abriss? Die Trauerhalle am Neuen Friedhof sorgt derzeit für Diskussionsstoff. Neben finanziellen Argumenten weisen die Abrissgegner auf das vom Offenbacher Künstler Bernd Rosenheim gestaltete Portal hin, das erhalten werden müsse. © maidment

Der geplante Abriss und Neubau der Trauerhalle am Neuen Friedhof entwickelt sich zum Politikum.

Offenbach – Das Vorhaben, das bislang einer breiten Öffentlichkeit noch nicht vorgestellt wurde, stößt wie berichtet bei der SPD aus finanziellen und künstlerischen Erwägungen auf Ablehnung und auch Leserbriefe in unserer Zeitung hatten die Trauerhalle bereits zum Gegenstand. Jetzt hat sich zudem der renommierte Offenbacher Künstler Bernd Rosenheim in einem offenen Brief an den Magistrat gewandt. Darin droht er unter anderem mit gerichtlichen Schritten, sollte die Trauerhalle, die von ihm mitgestaltet wurde, abgerissen werden. Die Stadt hüllt sich zu den Plänen derweil in Schweigen. Die Trauerhalle sei derzeit noch ein internes Thema, weshalb man dazu keine Stellungnahme abgeben werde, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung.

Das Projekt Trauerhalle wird kommenden Mittwoch in der ESO-Betriebskommission behandelt, ob die Pläne am Tag darauf neben einem ablehnenden Antrag der SPD schon in der Stadtverordnetenversammlung Thema sein werden, ist unklar.

Projekt Trauerhalle in Offenbach

Dabei ist das Vorhaben längst keine Verschlusssache mehr. Die ESO-Spitze hatte die Pläne für das „Trauerzentrum Neuer Friedhof“ bereits Mitte Mai im SPD-Arbeitskreis Umwelt, Planen, Bauen vorgestellt. Danach sieht das Konzept Abriss und Neubau der Trauerhalle vor, während das angrenzende Krematorium und die Sozialräume saniert werden sollen. Die Friedhofsverwaltung zieht in die Räumlichkeiten der Trauerhalle. Zugleich laufen planerische Vorbereitungen für die Erweiterung des Krematoriums.

Angestrebt wird eine Trennung der Funktionsbereiche Trauern und Krematorium, sowie eine barrierefreie Neugestaltung des Außenbereichs. Während der Bauphase sollen Trauerfeiern in einem Zelt stattfinden.

Will gerichtlich gegen einen Abriss vorgehen: Bernd Rosenheim.
Will gerichtlich gegen einen Abriss vorgehen: Bernd Rosenheim. © bg

Die Gesamtinvestition wird auf 4,6 Millionen Euro beziffert, 2,9 Millionen davon entfallen auf die neue Trauerhalle, 1,3 Millionen auf die Sanierung des Krematoriums, 400.000 Euro soll die Herrichtung der Außenanlage kosten. Das Projekt wird sich auf die Gebühren auswirken. Die Kosten für die Benutzung der Trauerhalle (30 Minuten) steigen laut den Berechnungen von derzeit 194 auf etwa 250 Euro, wobei dieser Betrag nur gehalten werden kann, weil das Krematorium in den vergangenen Jahren regelmäßig einen Überschuss von durchschnittlich 360.000 Euro erwirtschaftet hat und aus dieser Rücklage die Gebühr bezuschusst werden soll. Ohne den Zuschuss würde die Benutzungsgebühr auf 380 Euro steigen und sich damit nahezu verdoppeln. Um die Gesamtinvestition von 4,6 Millionen Euro stemmen zu könne, soll ein Kredit über vier Millionen Euro aufgenommen werden. Der Zeitplan sieht vor, dass im August die Baugenehmigung beantragt wird, Baubeginn soll im Frühjahr des nächsten Jahres sein.

Schlag ins Gesicht des Steuerzahlers

Bernd Rosenheim sieht unterdessen eines seiner Werke bedroht. Der international anerkannte 87-jährige Offenbacher Künstler, der unter anderem die Flamme vor dem Rathaus gestaltet hat, findet in einem offenen Brief an den Magistrat deutliche Worte zu dem Vorhaben: Bei der bekannten Finanzlage der Stadt sei dies ein Schlag ins Gesicht des Steuerzahlers. Es handele sich bei der Trauerhalle um eine nichtalltägliche Architektur eines Sakralbaus, der allein schon erhaltenswert sei. „Damit verbunden ist ein von mir plastisch gestaltetes Portal im Zusammenhang mit einem Fries farbiger Glasfenster. Es ist eines meiner Hauptwerke auf dem Gebiet der Glasmalerei“, schreibt Rosenheim.

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© maidment

Das Werk sei urheberrechtlich geschützt, sollte eine Entscheidung für den Abriss erfolgen, werde er gerichtlich dagegen vorgehen, kündigt der Künstler an. Neben dem verantwortungslosen Umgang mit Steuergeldern verdeutliche der Vorgang das kulturelle Niveau der Planer und Befürworter der Aktion. Rosenheim: „Sie scheuen sich nicht, ohne Bedenken kulturellen Besitz der Stadt aus praktischen Erwägungen zu vernichten.“

Rosenheim bedauert, dass er sich leider nicht zum ersten Mal mit der Verwaltung seiner Heimatstadt auf diese Weise auseinandersetzen müsse.

VON MATTHIAS DAHMER

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