Waldschwimmbad

Zäher Weg zur Bad-Vorlage

Steinerne Schwimmhistorie: Eingefügt in die schmucklosen Neubaufassaden der nördlichen Herrnstraße erinnert das Portal des 1887 errichteten alten Stadtbads an Zeiten, als die Großstadt Offenbach noch zwei Schwimmhallen besaß. Die andere, das Parkbad, wurde zum Hotelfoyer.
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Steinerne Schwimmhistorie: Eingefügt in die schmucklosen Neubaufassaden der nördlichen Herrnstraße erinnert das Portal des 1887 errichteten alten Stadtbads an Zeiten, als die Großstadt Offenbach noch zwei Schwimmhallen besaß. Die andere, das Parkbad, wurde zum Hotelfoyer.

Vom Entschluss bis zum Beschluss waren viele Bahnen zu ziehen – Langstrecke statt Sprint. Immerhin wird das Waldschwimmbad ordentlich saniert.

Offenbach – Aber drei Jahre und zwei Monate, nachdem die Erkenntnis gereift war, dass sich im Waldschwimmbad mehr als Flickwerk tun muss, können die Stadtverordneten die umfassende Sanierung auf den Startblock stellen.

Die Basis ist gelegt, dass die Stadt Offenbach die ihr einzig verbliebene ganzjährig nutzbare Schwimmgelegenheit fit für die Zukunft macht. Wie gestern berichtet, hat der Magistrat einen Plan verabschiedet, wie das vom Ersten offenbacher Schwimmclub (EOSC) betriebene Bad auf der Rosenhöhe in einen angemessenen Zustand gebracht werden kann: Um die zehn Millionen Euro wären, einschließlich vier erhoffter Landesmillionen, zu investieren. Dafür gäbe nicht nur eine neue Traglufthalle für den Winterbetrieb des 50-Meter-, sondern auch eine fürs 25--Meter-Becken, das zudem für Nichtschwimmer ausgelegt würde; im Idealfall werden zudem marode Umkleide- und Technikgebäude saniert.

In erster Linie gehe es um die Sicherung des Schulschwimmens, betont Oberbürgermeister und Sportdezernent Felix Schwenke gestern. Während einer Pressekonferenz skizziert er auch die zähe Genese der Magistratsvorlage und erläuterte deren Details. Zu diesen gehört die ausdrückliche Einschränkung, zunächst müsse ermittelt werden, ob nicht doch der Neubau eines echten Hallenbad auch unter Berücksichtigung der künftigen Betriebskosten die wirtschaftlichere Lösung wäre. Der OB kann sich das jedoch kaum vorstellen.

Sehr optimistisch gibt er sich bei den zu erwartenden Zuschüssen: Signale aus Wiesbaden – der zuständige Abteilungsleiter im Ministerium habe angesichts der prekären Lage auf der Rosenhöhe fast der Schlag getroffen – machen berechtigte Hoffnung auf eine nennenswerte Partizipation Offenbachs am hessischen Schwimmbadinvestitionsprogramm (SWIM).

Sportamtsleiter Manfred Ginder erläutert die gemeinsamen Pläne von Stadt und EOSC fürs Schwimmbad auf der Rosenhöhe.

Um in dessen Genuss zu kommen, ist es auch höchste Zeit geworden, dass die schon länger vorbereitete Vorlage mit einer von vier diskutierten Varianten den parlamentarischen Segen erhalten soll. Schon vor mindestens drei Jahren war absehbar, dass es die alte Traglufthalle nicht mehr lange machen würde. Am 8. Dezember 2016 beschloss die Stadtverordnetenversammlung eine Machbarkeitsstudie zur Beschaffung von einer oder zwei neuen Hallen. Nun konnte die städtische Sportverwaltung das nicht allein bewerkstelligen, sondern wollte sich auswärtigen Sachverstands bedienen. „Frankfurts Bäderverwaltung war naheliegend“, erzählt der OB. Aber die Nachbarn kriegen die zunächst versprochene Unterstützung dann doch nicht hin, sind selbst ausgelastet mit dem Neubau zweier Schwimmbäder. Auch die Offenbacher Bauverwaltung muss „die weiße Fahne hissen“ (OB Schwenke).

Was ist mit der Stadtwerke-Tochter Offenbacher Projektgesellschaft (OPG)? Die hat bereits das Großprojekt Fröbelschule am Bein. Die nächste Idee bei der Suche nach Hilfe erweist sich als Griff ins Klo: Die zurate gezogene Deutsche Gesellschaft für das Badewesen überinterpretiert ihren Auftrag, ihr Gutachten zwingt die Stadt, erst einmal die komplette Schließung des Waldschwimmbads zu verhindern. „Ein enormer Zeitverlust“, resümiert der OB; weil auch noch eine alte Baugenehmigung zunächst nicht aufzufinden ist, vergehen „zum Verdruss aller Beteiligter rund zwei Jahre“.

Letztlich muss doch die OPG ran. Aber die leidet längst auch unter dem angespannten Bau-Arbeitsmarkt. Mehrere Fachleute, die mit dem Schwimmbad betraut sind, werden abgeworben. Das bedeutet neuerliche Verzögerungen, Beratungsbedarf der Tansania-Koalition trägt dann auch nicht zur Beschleunigung bei.

Nun macht Oberbürgermeister Felix Schwenke deutlich, dass noch einiges Wasser durch die Filteranlagen auf der Rosenhöhe fließen wird, bis der erste Winterbetrieb unter neuen Luftblasen stattfinden wird. In diesem Jahr werde die alte Kunststoffhaut auf jeden Fall noch einmal ihren Dienst verrichten müssen. „Und vielleicht auch noch den Winter drauf“, will der OB nichts ausschließen.
VON THOMAS KIRSTEIN

Dass Offenbach in der Vergangenheit in Sachen Badekultur Vorreiter war, dürfte angesichts der eher bescheidenen Gegenwart nur wenigen bewusst sein. Doch die desolate Schwimmbad-Situation soll sich nun ändern.

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