Teure Anschaffung

Keine Chance für Raben: Offenbach schafft krähensichere Abfalleimer an

Schauen mit den neuen Abfalleimern in die Röhre: Die Krähen kommen nicht mehr an den Müll heran.
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Schauen mit den neuen Abfalleimern in die Röhre: Die Krähen kommen nicht mehr an den Müll heran.

Bei diesen Abfalleimern haben Rabenvögel keine Chance mehr: Die Stadt Offenbach hat ihre Abfalleimer krähensicher gemacht.

Offenbach – Tauben werden schon viele Jahrzehnte als Plage wahrgenommen, vor allem in Großstädten. Doch auch andere Vögel sorgen für Unmut: Dass gerade Schwimmbadbesucher Nil- und Kanadagänsen ob ihrer Hinterlassenschaften nicht wohl gesonnen sind, ist bekannt. Und auch Krähen rücken seit einigen Jahren vermehrt ins Ziel des für die Sauberkeit zuständigen Stadtservices.

Denn die zu den Rabenvögeln zählenden Tiere sind äußerst intelligent und lernfähig – und schauten sich beim Menschen ab, wie und wo sie leicht an Futter kommen. In Offenbach fielen Krähen besonders im Bereich entlang des Hainbachs zuletzt negativ auf: Die Vögel plünderten die dort aufgestellten Mülleimer auf der Suche nach Nahrungsresten. Die vielen Essensverpackungen eines nahe gelegenen Schnellrestaurants waren ihre bevorzugte Beute. Die Folge: Nach dem Raubzug durch die Mülleimer lagen überall die Verpackungen herum (wir berichteten).

Krähensichere Mülleimer in Offenbach: Tiere sind geschützt

Doch wie dem begegnen? Während bei Nil- oder Kanadagänsen gern der Abschuss der invasiven Art diskutiert wird, steht das bei den streng geschützten Krähen nicht zur Debatte. Die Stadtwerke Offenbach haben sich deshalb für eine Design-Lösung entschieden: Da das Problem längst in anderen Kommunen bekannt ist, haben inzwischen Hersteller von Abfallbehältern darauf entsprechend reagiert und krähensichere Behältnisse entworfen.

Vier der neuen Abfalleimer wurden entlang des Hainbachs zwischen dem neuen Polizeipräsidiumsgelände und der Stadthalle installiert, knapp 300 Euro kostet jedes Behältnis. Als krähensicher gelten diese deshalb, da die Öffnungen zum Einwurf wesentlich kleiner sind, die Tiere somit nicht durchpassen sollten. Auf Plastik in Form von Müllbeuteln wird zudem verzichtet, die Mülleimer haben außerdem ein weitaus größeres Fassungsvermögen als die bisher installierten Behältnisse. Hamburgerverpackung oder Pizzakartons sind somit tief in den Mülleimern versteckt und für die Vögel erst dann sichtbar, wenn der Behälter fast voll ist.

Offenbach: Krähensichere Mülleimer - Tiere gelangen nicht an die Überreste

Doch selbst wenn der Abfalleimer voll ist, dürfte es für die Tiere schwierig werden, an die begehrten Überreste zu gelangen: Die Oberfläche der Behälter ist glatt und abgerundet, sodass die Vögel dort keinen halt finden. Die Industrie hat damit wohl auf ein Problem der ersten Generation der krähensicheren Behälter reagiert: In einigen Städten soll es nämlich Tieren trotz der kleineren Öffnung gelungen sein, ins Innere der Mülleimer zu gelangen – doch konnten sie nicht mehr entkommen und verendeten darin. Durch die abgerundeten Deckel soll somit verhindert werden, dass Tiere überhaupt ins Innere gelangen.

Wie im Hainbachtal zu beobachten, fällt den Tieren die Neuerung auf: Mehrere Krähen warten an ihren bisherigen Plätzen vergeblich darauf, an den Müll zu gelangen. Um die Stadthalle stehen jedoch noch die alten, teils stark überfüllten Mülleimer samt Dreck drumherum. Ob irgendwann ein Behälter entwickelt wird, der dafür sorgt, dass auch Zweibeiner den Müll fachgerecht entsorgen und die Umwelt nicht mit ihrem Dreck belasten, das ist ungewiss... (Von Frank Sommer)

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