Auf Tuchfühlung mit dem Ego

Schauspieler Jan Schuba präsentiert „Allein in der Sauna“ im t-raum

Bereit für die Vorstellung: Der Bademantel bleibt nicht lange an, wenn Schuba als „Kalle König“ die Zuschauer an seinem Seelenleben teilhaben lässt.   
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Bereit für die Vorstellung: Der Bademantel bleibt nicht lange an, wenn Schuba als „Kalle König“ die Zuschauer an seinem Seelenleben teilhaben lässt.

Eine Holzwand, ein Hocker, eine Liege. Mehr braucht Jan Schuba im t-raum in der Wilhelmstraße nicht, um die Zuschauer in der Komödie von Frank Pinkus in das Seelenleben von „Kalle König“ zu entführen.

Offenbach – König ist Rechtsanwalt für Prominente, verheiratet und hat zwei Kinder. Und doch hadert er mit seinem Leben: Die ersten Anzeichen des Alters stürzen ihn in eine Krise, beruflich wünscht er sich, im Rampenlicht zu stehen und im Eheleben ist die Leidenschaft längst der Routine gewichen. Als er sich unversehens ohne Kumpel Torsten allein in der Sauna wiederfindet, kommt er ins Grübeln: Was macht den „typischen Mann“ aus? Denn als solchen hatte ihn doch seine Frau am Telefon gerade noch bezeichnet...

Schuba nimmt die Zuschauer mit auf die Reise in Kalles Gefühlswelt – dass das Stück rund 100 Minuten dauert, fällt nicht auf, so kurzweilig hat der Wahl-Offenbacher es eingerichtet. Dabei ist die Grundidee von Autor Frank Pinkus auch bei der Uraufführung 2005 nicht neu, das Beziehungswirrwarr zwischen Männern und Frauen ist schon hundertfach auf die Bühne gebracht worden. Pinkus’ Kniff aber: Da das Stück in einer Sauna spielt, entblättert sich der Protagonist nicht nur äußerlich, sondern auch sein Innenleben.

Zuschauer kichern, lachen oder kommentieren

Nicht nur die intime Größe des t-raums sorgt dafür, dass Schuba als Kalle mit dem Publikum in Dialog tritt, die Zuschauer kichern, lachen oder kommentieren jede Situation. So vertraut sind Kalles Erkenntnisse, so urkomisch die Situationen, derer er sich erinnert.

Schuba kostet die Möglichkeiten des Textes aus, gibt den Zuschauern Zucker, wenn er eine resolute Krankenschwester oder einen hochnäsigen Professor nachahmt, aber gleichzeitig erliegt er nicht der Versuchung zu übertreiben. Und wenn der Text ins Zotige abzurutschen droht, kommt ohnehin ein Tiefschlag: am Freitag erstickte das brüllende Lachen schnell ob der letzten Wendung.

„Der Humor des Stücks gefällt mir einfach gut“, sagt Schuba. Als er im vergangenen Jahr als Künstler auf einer Kreuzfahrt engagiert war (Schuba berichtete darüber in der Offenbach-Post), hat er Gefallen an Soloprogrammen gefunden. Die Herausforderung, allein die Zuschauer zu begeistern, habe ihn gereizt. Auf der Suche nach einem Soloprogramm stieß er auf „Allein in der Sauna“ und war begeistert. In Mainz feierte er im Januar damit Premiere, dass Sarah Baumann ihn damit in den t-taum eingeladen hat, freut ihn.

Nächste Herausforderung wartet

Wer Schuba in dem Ein-Personen-Stück erleben möchte, muss sich jedoch gedulden: erst für das kommende Jahr sind weitere Aufführungen geplant. „Jetzt gehe ich erst einmal an das Neue Theater Hannover und inszeniere dort die Boulevardkomödie ‘Funny Money’ von Ray Cooney“, sagt Schuba. Drei Monate bleibt der 41-Jährige dafür in der niedersächsischen Landeshauptstadt, da er nicht nur Regie führt, sondern auch eine kleine Rolle übernimmt. „Ich freue mich schon sehr darauf, auch wenn es eine große Herausforderung wird: In drei Monaten werde ich 100-mal in dem Stück auf der Bühne stehen.“

VON FRANK SOMMER

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