Mutiger S-Bahn-Engel

Offenbach - Nach der tödlichen Attacke auf einen 50-Jährigen in München sorgt jetzt in Offenbach ein Fall von Zivilcourage für Aufsehen. Ein Mann stellte sich am Samstag am S-Bahnhof Offenbach-Ost schützend vor ein Mädchen, das offenbar brutal von fünf Jugendlichen attackiert wurde. Von Peter Schulte-Holtey

Nach Angaben der Polizei wartete die 15-Jährige gegen 21 Uhr am S-Bahnhof auf den Zug, als sie offenbar von den jungen Männern angepöbelt und geschlagen wurde. Dabei erlitt sie Blessuren im Gesicht und am Hals. Auch als das Mädchen am Boden lag, sollen die Jugendlichen noch auf ihren Kopf eingetreten haben.

Ein 36-jähriger Passant eilte zur Hilfe und beschützte das Opfer der Attacke bei der S-Bahn-Fahrt nach Mühlheim vor weiteren Angriffen. Auch die verdächtigen Jugendlichen verließen dort die Bahn. „Die alarmierte Polizei konnte die Schläger allerdings noch nicht dingfest machen“, hieß es am Montag bei der Polizei. Deshalb bat sie um Hinweise unter den Rufnummern 069/8098-1234 oder auch 06108/60000.

Eingreifen sei doch selbstverständlich

Der 36-Jährige betont, dass das Eingreifen für ihn selbstverständlich gewesen sei: „Es kann doch jedem passieren - auch Mitgliedern der eigenen Familie, dass sie angegriffen werden. Auch deswegen finde ich es wichtig, dass man versucht, mit den eigenen Mitteln zu helfen.“ Auch die tödliche Prügelattacke in München habe ihn nicht abgehalten, betont der mutige „Schutzengel“: „Die Vorgehensweise ist wichtig. Man muss gegenüber den Schlägern bestimmt auftreten, ein bisschen lauter werden und Stopp rufen. Klar, ich war im ersten Augenblick schockiert, aber man darf in dieser Situation nicht zögerlich sein.“

Lesen Sie hierzu auch unseren Kommentar: „Vorbildliches Handeln.“

Fassungslos ist er über die Teilnahmslosigkeit vieler Menschen auf dem Bahnsteig: „Viele guckten weg. Nur ein Mitarbeiter der Bahn hat noch eingegriffen.“ Lob kommt von der Opferschutzorganisation Weißer Ring. Sie macht darauf aufmerksam, dass Zivilcourage viele Facetten habe. „Wenn man die eigene Gefahr bei einem direkten Eingriff als zu groß einschätzt, kann man doch versteckt die Polizei per Handy informieren“, rät der Landesvorsitzende Horst Cerny.

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Und man könne auch aus sicherer Distanz lautstark die Täter ansprechen. Ein Bahnsprecher weist darauf hin, dass man inzwischen in zwei Drittel aller S-Bahnen in Rhein-Main über einen Notrufknopf den Zugführer alarmieren könne. Zudem stehe an einigen Bahnhöfen eine Notrufsäule.

Rubriklistenbild: © dpa

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