Interkultureller Austausch im Religionsunterricht

Schüler als gutes Beispiel für Integrationsarbeit

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Teil der „Integrationsmaschine Offenbach“: Die Initiatoren des konfessionsübergreifenden Religionsunterrichts an der Theodor-Heuss-Schule und ihre Schüler. Was Nathan der Weise im Theater schafft, bringt auch das Projekt der Theodor-Heuss-Schule zustande: Austausch von drei Weltreligionen. Dafür gibt es den Integrationspreis der Stadt Offenbach.

Offenbach - Die Schüler der Theodor-Heuss-Schule gehen als gutes Beispiel für Integrationsarbeit voran. Zwar unterscheidet sie Sprache und Herkunft, doch sie besuchen denselben Religionsunterricht. Von Sarah Neder 

„Ich bin Muna, meine Eltern kommen aus Jordanien. “ Die Schülerin wiederholt den Satz in einer fremden Sprache. „Das war Jordanisch. “ „Ich bin Christina und komme aus Chile.“ Auch dieses Mädchen wiederholt die Wörter in ihrer Muttersprache. „Das war Spanisch." „Ich bin Tim, komme aus der Schwalm, und das war Deutsch." Was an den Einstieg der „Sendung mit der Maus“ erinnert, ist ein Stück, das 15 Schüler eigens für die Verleihung des 14. Integrationspreises der Stadt Offenbach an die Theodor-Heuss-Schule einstudiert haben. Im Plenarsaal des Rathauses demonstrieren sie, was alle unterscheidet: Sprache, Herkunft, Religion. Manche tragen traditionelle Gewänder, andere kommen im Anzug.

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Was die Schüler eint, ist der konfessionsübergreifende Religionsunterricht, den Pfarrerin Carolin Simon-Winter, Islam-Lehrerin Gonca Aydin, Ethik-Lehrerin Pia Blume und der katholische Religionslehrer Burkhard Rosskothen 2006 an der Theodor-Heuss-Schule ins Leben gerufen haben. Dort treffen Christen, Muslime, Juden und Atheisten aufeinander, um Meinungen auszutauschen, Gemeinsamkeiten zu erkennen und voneinander zu lernen. Das Projekt „Verschiedenheit achten – Gemeinschaft stärken“ gewann nach geheimer Abstimmung der Jury den mit 1 000 Euro dotierten Integrationspreis der Stadt. „Integration ist ein Prozess, in dem sich Menschen aufeinander zu bewegen müssen. Das haben unsere Schüler geschafft“, zeigt sich Preisträgerin Simon-Winter gerührt vom Erfolg des Unterrichts. Die Schüler seien förmlich aus ihren Schubladen herausgekrochen.

Unterstützung von außen

Neben der Bereitschaft der Schüler sei allerdings auch die Unterstützung der Schulleitung und der Vertreter der einzelnen Glaubensgemeinschaften für das Gelingen verantwortlich. Erst dadurch, so Simon-Winter, konnten die Strukturen für einen qualifizierten Dialog zwischen Religionen und Kulturen geschaffen werden.

Auch die Schüler zeigen sich begeistert von dem Schulprojekt: Viele haben Vorurteile abgebaut, können einander seitdem besser verstehen. Andere schätzen den friedlichen Umgang miteinander. So hat ein Mädchen aus Palästina nach dem Besuch in der Synagoge ein „positives Bild“ vom Judentum. Ein Junge aus dem Irak ist stolz, in einer solch toleranten Atmosphäre lernen zu dürfen – in seiner Heimat sei das nicht möglich.

Wie ein roter Faden zieht sich das Interkulturelle durch die Preisverleihung: So eröffnet der Schüler Deniz Özkan am Steinway-Flügel den Abend mit Mozarts Sonate Nr. 5. Weitere Schüler brachten sich mit türkischem A-Cappella-Gesang oder mit einem selbstverfassten Rap über die Gleichberechtigung aller Menschen ein.

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Die Verleihung des Preises übernimmt Stadtrat und Integrationsdezernent Felix Schwenke. Er lobt das Projekt als „vorbildliches Beispiel für die Integrationsarbeit“. Religion separiere nicht, sondern werde als Verbindungselement wahrgenommen. Das Projekt sei Teil der beeindruckenden Integrationsmaschine Offenbach. Auch Schulamtsdirektor Manfred Holtze würdigt dieIntegrationsleistung der Offenbacher Schule: Interkulturelle Vielfalt werde dort nicht nur erlebt, sondern gelebt. Passend zum Anlass richten die Jüdische Gemeinde und die Mevlana-Moschee im Anschluss an den offiziellen Teil ein Büffet aus.

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