Verstärkerlinien für Schüler

Diskussion um überfüllte Schulbusse in Offenbach: Abstand halten kaum möglich

Sowohl im Bus als auch an der Haltestelle tragen die Schüler ihre Masken.
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Sowohl im Bus als auch an der Haltestelle tragen die Schüler ihre Masken.

Neben stöhnend vorgetragenen Ausrufen wie „Ich hasse Mathe!“ und „Wir werden sterben!“ kann auch mal eine Diskussion über Masken im Unterricht vernehmen, wer morgens in einem der Verstärkerbussen für Schüler in Offenbach unterwegs ist.

Offenbach – Auch zu diesem Thema können die jungen Leute recht dramatisch werden und behaupten: „Im Unterricht keine Maske tragen: Die wollten uns umbringen!“ Aber nicht nur das Klassenzimmer gilt bei vielen Schülern – und besonders auch bei deren Eltern – als Risikofaktor. Besonders die tägliche Fahrt mit dem Schulbus wird häufig verdächtigt, ein zu hohes Ansteckungspotenzial zu bergen. Die Fahrzeuge seien zu voll, Abstand könne nicht eingehalten werden, die Infektionsgefahr sei zu hoch.

Busse in Offenbach: Es soll auch Rücksicht auf Schüler genommen werden

Das sind die Hauptkritikpunkte. Die vielfältig engagierte Offenbacherin Inge Falb-Siemon etwa zeigt sich darüber entsetzt, wie voll ein Bus der Linie 106 an einem Werktag gegen 13.30 Uhr gewesen sei, als sie von der Haltestelle „Buchhügelallee“ Richtung Innenstadt fahren wollte. Sie schätzt, dass in Offenbach täglich mindestens 5 000 Kinder und Jugendliche zwei Mal am Tag die öffentlichen Verkehrsmittel nutzten. Wie sie fordern auch andere Offenbacher eine bessere Verteilung auf mehr Busse und zu unterschiedlichen Zeiten. Es sollte nicht nur auf die ältere Generation Rücksicht genommen werden, sondern auch auf die Kinder und Jugendlichen, fordert die 81-jährige Inge Falb-Siemon.

Aber wie voll sind die Busse denn wirklich zu den Stoßzeiten? Zwischen 7 und 7.30 Uhr seien die meisten Schüler unterwegs, heißt es seitens der Offenbacher Verkehrsbetriebe.

Verstärkerlinien für Schüler in Offenbach: Busse trotzdem alle überfüllt

In dieser Morgenstunde stehen, wie zu erwarten, Schülertrauben am Busbahnhof und am Hauptbahnhof. Die Busse, die vorbeifahren, sind mal voller, mal leerer. Die sogenannten Verstärkerlinien, die die Stadtwerke morgens und nach der Schule zusätzlich für die Schüler einsetzen, werden dabei stärker genutzt als der normale Linienverkehr. Trotzdem sind auch manche der regulären Fahrzeuge an diesem Schultag bis zum letzten Stehplatz prall gefüllt.

Die Linie V1 fährt von der Markwaldstraße in Bieber bis zur Rosenhöhe. Auf dem Weg liegen insgesamt sechs Schulen. Zuerst werden Schüler an der Geschwister-Scholl-Schule in Bieber und der Waldschule in Tempelsee abgesetzt. Am Hauptbahnhof erreicht der Bus seine höchste Auslastung an diesem Tag. Alle Sitzplätze sind belegt, besonders in den Bereichen der Türen knäulen sich die Schüler. Im Gang beugen sich die Stehenden zu ihren sitzenden Kameraden hinunter, um mit ihnen zu plaudern. Allerdings ist die Fahrt in voller Besetzung nur kurz: Nach zwei Minuten wird die Tulpenhofstraße, nach zwei weiteren Minuten die Haltestelle „Klinikum Offenbach West“ erreicht. Dort steigen zusammen ungefähr zwei Drittel der Schüler aus. Die meisten werden die nahe gelegene Leibnizschule besuchen. Nun bietet der Ziehharmonika-Bus mehr als genug Platz für die Übriggebliebenen. Es steigen auch nur noch wenige Schüler dazu. Nach der Haltestelle „Anne-Frank-Schule“ ist der Bus leer.

Auch vor Corona waren Schulbusse prall gefüllt mit Schülern - Alternative: Fahrrad fahren

Die letzten Stationen bis zur Rosenhöhe hat Jens Klein den Bus für sich. Der Busfahrer hat einen ganz normalen Morgen erlebt. Seit 1992 ist er im Beruf und fährt – außer in den Ferien – auf dieser Linie. Viel verändert habe sich für ihn durch die Corona-Pandemie nicht: „Es gibt jetzt eine Plexiglasscheibe an meiner Fahrerkabine, sonst ist alles gleich. Ich fühle mich immer wohl in meinem Bus.“

Für ihn ist klar, dass es im Bus nicht möglich ist, Abstand zu halten. Deswegen bestehe die Maskenpflicht, an die sich die Schüler hielten. Dass der Bus voll ist, liegt für ihn im Sinn seiner Fahrt: „Die Verstärkerlinien sind dazu da, Schüler aufzunehmen und die anderen Linien zu entlasten. Dann wird es eben voller.“ Er registriert aber auch, dass die Busse vor Corona noch mehr Schüler gleichzeitig transportiert hätten. „Da standen sie dicht zusammengedrängt bis vorne zu meiner Kabine“, sagt Klein.

Wenn trotz Regelbetrieb weniger Schüler mit dem Bus zur Schule fahren, könnte vermutet werden, dass die Elterntaxen öfter zum Einsatz kommen. Solange jedes Elternteil nur eigene Sprösslinge chauffiert, ist das Infektionsrisiko mit Sicherheit geringer als im Bus. Doch wenn – vielleicht aus gut gemeinten Umweltschutz-Gründen – sich alle Kinder aus der Nachbarschaft in ein Auto quetschten, sähe das schon anders aus. Vielleicht fahren die Kinder aber auch Fahrrad und schützen sich damit doppelt: Sie meiden große, enge Gruppen und stärken ihre Gesundheit durch Bewegung. (Von Theresa Ricke)

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