Schulentwicklungsplan abgesegnet

Moderate Bevorzugung

Offenbach - Der Magistrat hat den Schulentwicklungsplan abgesegnet. Er beinhaltet viele prognostizierte Zahlen und Unwägbarkeiten. Dennoch gibt’s eine neue Ausrichtung: Die Ernst-Reuter-Schule in Rumpenheim möchte Integrierte Gesamtschule werden. Von Martin Kuhn 

Nach sechs Fortschreibungen liegt eine neue Fassung vor. Auf 77 Seiten mit teils kleinteiligen Rechnungen listet der Schulentwicklungsplan 2013 auf, wie die Offenbacher Schülerzahlen dereinst aussehen könnten. In der Grammatik heißt das Futur I, also: Es ist eine Vermutung für die Zukunft. Stadtrat Dr. Felix Schwenke spricht gar von „Unwägbarkeiten auf die Zukunft“. Dennoch setzt der Magistrat mit dem Werk Prioritäten.

Eine könnte zumindest für politische Diskussionen sorgen: Die Ernst-Reuter-Schule möchte sich zur Integrierten Gesamtschule (IGS) entwickeln; es wäre die vierte in Offenbach. Nach Worten Schwenkes reagiert man auf einen Vorstoß aus Rumpenheim und werde den entsprechenden Antrag beim Hessischen Kultusministerium stellen. Allerdings knüpft die Stadt das an Bedingungen, etwa „dass die Schülerzahlen / Elternwünsche dauerhaft eine Nachfrage zeigen, die das Angebot übersteigt“.

Das ist wohl mühelos erfüllbar. So berichtet Thomas Löhr, Leiter des Stadtschulamtes, dass im kommenden Schuljahr nicht alle Elternwünsche zu erfüllen sind – wieder einmal. Erneut müssen ungefähr 80 Jungen und Mädchen einen anderen Bildungsweg einschlagen. Die aktulle Aufnahmekapazität - 15 IGS-Klassen an Schiller-, Edith-Stein- und Geschwister-Scholl-Schule - reicht nicht aus; mindestens vier Klassen fehlen.

„Bürgeler und Rumpenheimer vermissen genau dieses Schulangebot“

In Rumpenheim jedenfalls kommt die positive Kunde gut an. „Und ob wir uns freuen...“, sagt Schulleiterin Sabine Henning. Vor gut einem Jahr ist das Thema behutsam angedacht worden, bis zum „ausformulierten Antrag“ sei es ein langer Weg gewesen, dem aber alle Schulgremien von der Gesamtkonferenz bis zur Schülervertretung nahezu einstimmig folgten. Laut Henning hat die Schule dabei Anregungen von außen aufgegriffen: „Bürgeler und Rumpenheimer vermissen genau dieses Schulangebot in der Nähe ihres Wohnortes als passenden Anschluss nach der Grundschule.“

Ein Blick auf den Stadtplan und die Standorte der drei bisherigen Integrierten Gesamtschulen lässt einen diese Einschätzung teilen. Gekoppelt ist das Vorhaben mit der kommunalen Maßgabe, „das Raumthema in den bestehenden Gebäuden zu lösen“, sagt Löhr gestern vor Journalisten. Das überrascht das Rumpenheimer Kollegium nicht: „Das wissen und schaffen wir. Unsere Schule ist gut gebaut und in Schuss.“

Hintergrund: Im gut 300 Millionen Euro schweren Sanierungsprogramm hält die Ernst-Reuter-Schule, der letzte Neubau in rein kommunaler Hand, beharrlich die rote Laterne. Das soll sich selbst mit der Umwandlung zur IGS nicht ändern. Das führt zwangsläufig zu den anderen Prioritäten des Entwicklungsplanes.

Schulanfänger 2013 in Offenbach

Schulanfänger 2013 in Offenbach

Ganz oben auf der Liste steht der Bau der Hafenschule ab März 2015. Begründet wird das damit, „dass die Schülerzahlen im mittelfristigen Planungszeitraum von fünf Jahren nicht nennenswert zurückgehen“. Die Ämter erwarten Grundschuljahrgänge, „die auf hohem Niveau verharren“. So plant die Goetheschule im angrenzenden Nordend fürs kommende Schuljahr acht-, ein Jahr später bereits neunzügig. Auch in der restlichen Innenstadt ist eine „moderate Bevorzugung“ (Schwenke) wohl unausweichlich. Mit Sanierung und Erweiterung sind Schulen an der Reihe, „die sowohl mit einer hohen sozialstrukturellen Belastung zu kämpfen haben als auch in absehbarer Zeit zusätzliche Kinder aus neuen Baugebieten aufnehmen müssen“.

Das Planwerk nennt Goethe-, Mathilden- und Eichendorffschule, die dazu zählenden Bauprojekte sind beispielsweise Hafeninsel, Karree 17 und Luisenhof. Die Erweiterung der Raumkapazitäten um einen Zug betreffen außerdem Humboldt-, Wilhelm- und Friedrich-Ebert-Schule. Die Kosten dafür sind nicht im Schulbausanierungsprogramm enthalten und müssten zusätzlich finanziert werden. Das summiert sich sicher auf einige zusätzliche Millionen? „Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“, so Stadtrat Schwenke, „da die Projekte zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht planerisch umgesetzt sind.“ Dennoch wird"s politisch spannend, wie das angesichts eines hoch defizitären Haushalts und strenger Auflagen des Regierungspräsidiums funktionieren soll.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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