Teilabriss in der Lortzingstraße für dieses Jahr geplant

Schwesternwohnheime werden abgerissen

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Aus und vorbei: Die beiden Schwesternwohnhäuser an der Lortzingstraße fallen – allerdings ohne Abrissbirne. Unter Staubschutz wird bald wochentags von 7 bis 18 Uhr Beton abgetragen. Die Abfuhr erfolgt mit etwa 1600 Lkw-Fahrten allein vom Starkenburgring aus.

Offenbach - Es ist ein neues Kapitel in der jüngeren Klinik-Geschichte. Nach dem Neubau 2010 und dem Verkauf 2013 folgt nun ein erster Teilabriss. Bis Ende des Jahres fallen die beiden Schwesternwohnheime an der Lortzingstraße. Von Martin Kuhn 

Was auf die elfstöckigen Gebäude folgt, lässt Sana-Geschäftsführer Sascha John vor Anwohnern allerdings offen. Gut 30 Offenbacher wollen vernehmen, was ihr großer Nachbar plant. Die Neugier ist gepaart mit etwas Skepsis und allerhand Kritik – bereits vor dem ersten Baggerbiss. Zu einigen Punkten gibt der Geschäftsführer Auskunft, bei anderen verweist er auf die Verantwortlichen der Stadt, die an diesem Abend jedoch nicht geladen sind. Da geht es in erster Linie um die verkehrliche Andienung des Klinikums und das Versprechen, die Behelfsausfahrt am südlichen Ende des Areals (schräg gegenüber der Beethovenschule) wieder aufzulösen. Auch diese Kröte müssen die Anlieger schlucken: Daraus wird wohl in absehbarer Zeit nichts.

Greifbarer ist das Ende der Schwesternheime. Sie gehören zu Beginn der 1970er Jahre zum Rundumpaket für das Krankenhauspersonal: 324 möblierte Ein-Zimmer-Appartements mit Kleinküchen und Nasszellen, denen jeweils ein drei Quadratmeter großer Balkon vorgelagert ist. Was seinerzeit als modern dem Zeitgeist entsprach („In jedem Appartement ist Telefonanschluss vorgesehen“, Festschrift zur Klinik-Eröffnung), ist als Gebäude zumindest einigen Anwesenden heute ein Dorn im Auge: „Endlich kommen die hässlichen Dinger weg.“ Das zeichnet sich vor vier Jahren ab, als Bauaufsicht und Feuerwehr in einem Gutachten „brandschutz- und sicherheitstechnische Mängel“ feststellen. Die Beseitigung wäre, bei gleichzeitig verordnetem Leerstand der Ebenen 8 bis 11, zu aufwändig gewesen. Die weiteren Auflagen der Stadt sehen in der Folge eine zeitliche gestaffelte Entmietung vor. Geblieben sind bis heute an Klingelfeldern und Briefkästen die Namen der letzten Mieter, die mittlerweile ausgezogen sind.

Derzeit erinnern nur die Klingelschilder an die einstige Nutzung. Die Mieter sind längst ausgezogen.

Nun nimmt Sana etwa drei Millionen Euro in die Hand, um dieWohnheime abzureißen. „So behutsam wie möglich“, verspricht John. Das geschieht auch mit Blick aufs eigene Haus; der Klinikbau mit teils sensiblen Stationen und Geräten (Notaufnahme, Strahlentherapie) ist der nächstgelegene Nachbar. Die oberen Etagen werden  mittels Turmdrehkran und Schneideverfahren abgetragen, weiter unten sind „Longfrontbagger“ gefragt, am Ende lockern Mikrosprengungen die Bodenplatten. So sollen Lärm, Staub und Erschütterungen auf ein Mindestmaß reduziert werden. Die Anwesenden sind skeptisch. Dass es dem Geschäftsführer damit jedoch ernst ist, belegt er mit einer Kündigung. Eine Firma, deren Mitarbeiter Material aus dem dritten Stock direkt in Abfallcontainer entrümpelten, ist nicht mehr beschäftigt: „Das war so nicht vereinbart.“

Ein weiteres Angebot: Zehn Anliegern (entlang Lortzing- und Brinkstraße) hat Sana angeboten, per Sachverständigenbüro den Zustand ihrer Häuser zu dokumentieren, um mögliche Regressforderungen zu belegen. „Und wenn ich den Gutachter nicht ins Haus lasse?“, fragt ein Mann. „Müssen Sie nicht; es ist lediglich ein Angebot“, betont John. Der zeitliche Ablauf: Wenn die Wohnheime quasi wieder Rohbauten sind, beginnt der Abbruch – zunächst an der Lortzingstraße 3, ab Anfang April folgt die Nummer 5. Im Februar fällen Arbeiter zudem 14 Bäume, dafür ist eine Ausgleichspflanzung vereinbart. Und was folgt? So richtig will der Geschäftsführer nicht raus damit, was einige der Zuhörer so nicht glauben wollen: „Es gibt noch keine konkreten Pläne.“

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Nach der „Arrondierung“ des Geländes ist die Fläche gleichwohl für eine künftige Erweiterung des Klinikums vorgesehen. Ein wie auch immer aussehender Neubau könnte an dieser Stelle etwa die Zentral-Apotheke aufnehmen, die aktuell noch im ansonsten leerstehenden (bis aufs Fundbüro), 14-stöckigen Bettenhaus angesiedelt ist. Das ist laut John der mitentscheidende Punkt, warum der eigentlich längst vollzogene Abriss des 180. 000-Kubikmeter-Kolosses noch nicht geschehen ist.

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