Von Badeschiffen, Mainbädern und dem einst modernsten Hallenbad

Der Traum vom kühlen Nass - ein Blick in die Schwimmbad-Historie

Üppig verziert und hochmodern zu seiner Zeit: Das alte Offenbacher Stadtbad an der Herrnstraße. Fotos: Stadtarchiv
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Üppig verziert und hochmodern zu seiner Zeit: Das alte Offenbacher Stadtbad an der Herrnstraße. Fotos: Stadtarchiv

Es gibt Themen, die tauchen in schöner Regelmäßigkeit auf. So auch der jüngst von der FDP vorgetragene Vorschlag, in Offenbach am Main ein Badeschiff zu installieren, um so den Mangel an Schwimmmöglichkeiten in der Stadt zu beheben. 

  • Schwimmen in Offenbach: FDP möchte ein Badeschiff am Main installieren
  • Blick zurück: Offenbach hatte einst das modernste Schwimmbad Deutschlands
  • Offenbach VS Frankfurt: Der Traum vom ersten Schwimmbad 

Offenbach – Schließlich gibt es seit Schließung der städtischen Bäder nur noch das Waldbad auf der Rosenhöhe und den meist wegen problematischer Wasserqualität gesperrten Schultheisweiher.

Da kommt die Idee eines „schwimmenden Schwimmbades“ auf dem Main sicher gelegen – und doch erscheint diese mit Blick in die Offenbacher Badehistorie wie bittere Ironie, schließlich gab es einst in der Stadt einmal das modernste Hallenbad Deutschlands und man war froh, nicht mehr auf Behelfsbäder im Main angewiesen zu sein.

Offenbach: Die Historie der Main-Schwimmbäder 

Aber der Reihe nach: 1781 eröffnete der Schiffer Johannes Groß auf einer Sandbank im Main, ungefähr auf Höhe der heutigen Speyerstraße, die erste Badeanstalt zum Schwimmen im Fluss. Bis 1850 folgten weitere, etwa die Badeanstalten Neumeyer, Mohr oder Oehler. Bis in die 1950er Jahre gab es auf der Offenbacher Mainseite 16 Badeanstalten. Bei Offenbacher Männern beliebt war auch das 1904 eröffnete Militärbad am Fechenheimer Ufer. Von Badeschiffen in Offenbach ist jedoch im Gegensatz zu Frankfurt nichts in den Quellen des Stadtarchivs zu finden – bei der großen Anzahl an Badeanstalten wäre auch schwerlich ein geeigneter Platz am Mainufer zu finden gewesen.

Im Main wurde seit 1781 gebadet: Hier ein Bild der Badeanstalt Klein von 1880.

Frankfurt folgt Offenbach auf dem Fuße: Erstes Schwimmbad 1799

Zwar gab es auch in Frankfurt Flussbadeanstalten (an Main und Nidda bis Mitte der 1920er Jahre waren es 17 an der Zahl), doch richtig beachtet wurde das Schwimmen erst 1799, als der Arzt Johann Gottfried Kohl an der Mainlust, in Höhe des heutigen Nizza, ein luxuriöses, 27 Meter langes Badeschiff, das an einen griechisch-römischen Tempelbau erinnerte, eröffnete.

Hüben wie drüben wurde in den Anfangsjahren das Schwimmen noch von Teilen der Bevölkerung argwöhnisch beobachtet, so hatte etwa Goethe das Baden als „Verrücktheit“ bezeichnet – schließlich war das Wasser in den Städten verunreinigt, schon zum Trinken musste es abgekocht werden.

Offenbach: Mangelnde Hygiene im Schwimmbad 

Ob Badeschiff oder Flussbad, beides kann bestenfalls als Provisorium bezeichnet werden. In alten Berichten finden sich nämlich immer wieder Hinweise auf „schlammige“ Flussbäder, oder dass es mit der Hygiene haperte. Kein Wunder, dass da der Wunsch nach einem Hallenbad aufkam. Und da hatte das gerade einmal 33 000 Einwohner zählende Offenbach die Nase vorn: 1885 gründete sich der „Verein Offenbacher Stadtbad“ und sammelte Geld für einen entsprechenden Bau.

Für 100 Mark konnten Bürger dem Verein beitreten – und tatsächlich sammelte der Verein rasch 75 000 Mark und konnte ein Grundstück an der Herrnstraße Ecke Kirchgasse erwerben. Stadt und Baugesellschaft stifteten jeweils 20 000 Mark und bereits im September 1886 konnte mit dem Rohbau nach Plänen von Stadtbaumeister Friedrich Raupp begonnen werden, im Frühjahr 1887 waren die Arbeiten beendet.

Offenbach: Schwimmbad war einst modernste Einrichtung

Das Bad galt als modernste Einrichtung seiner Art im Deutschen Reich, denn es verfügte über fließend warmes Wasser. Neben dem 7,50 mal 15 Meter großen und zwei Meter tiefen Schwimmbecken, gab es 16 einzelne Warmbäder, ein heißes Luft- und ein Dampfbad, außerdem Reinigungs- und Brauseräume. Das große Schwimmbecken zierte an einer Seite ein Gemälde einer Flusslandschaft, aus dem plastisch ein Brunnen in Form eines Baumes hervortrat.

Wie stolz die Bürger auf ihr Bad waren, zeigt allein das zur Eröffnung von Schwimmbad Leiter Ludwig Rinderspacher herausgegebene Büchlein „Das Offenbacher Stadt-Bad“, von dem ein Exemplar im Stadtarchiv lagert. Noch vier Jahre nach Eröffnung lobte das „Illustrierte Bade-Blatt“ das Offenbacher Schwimmbad. Das benachbarte Frankfurt konnte übrigens erst 1896 ein eigenes Hallenbad eröffnen.

Schwimmbad in Offenbach: Einstige Pracht ist verblasst

Außer dem steinernen Portal in der Herrnstraße erinnert heute nichts mehr an die einstige Pracht. Während in Darmstadt etwa das 1909 errichtete Jugendstilbad unter Denkmalschutz steht und eine vielbewunderte Attraktion ist, hat Offenbach sein Stadtbad bekanntlich im Winter 1992 abgerissen. Denkmalschutzwürdig wäre das Gebäude nicht, hieß es damals trotz zahlreicher Bürgerproteste aus dem Rathaus.

Zurück zur Gegenwart: An Badegelegenheiten mangelt es Offenbach, da verwundert es wenig, dass plötzlich längst überholte Ideen wie Badeschiffe zitiert werden. Allerdings wurde schon in früheren Jahren von der Stadt dieser Vorschlag geprüft und verworfen. Und es sei daran erinnert, dass im benachbarten Frankfurt schon seit annähernd 20 Jahren immer wieder zwei Investoren mit dem Vorschlag, ein Badeschiff am Schaumainkai zu installieren, hausieren gehen – und ebenso regelmäßig wird diese Idee vom dortigen Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung wegen Undurchführbarkeit abgelehnt.

Was bleibt, ist eben der Traum vom Schwimmen.

VON FRANK SOMMER

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