Die Sperrung kommt

Seitenstraßen am Wilhelmsplatz in Offenbach testweise ohne Durchgangsverkehr

Bald sind solche Szenen seltener zu sehen: An Markttagen werden die Seitenstraßen gesperrt. Foto: Meidel
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Bald sind solche Szenen seltener zu sehen: An Markttagen werden die Seitenstraßen gesperrt.

Das Tauziehen um die testweise Sperrung der Seitenstraßen am Wilhelmsplatz in Offenbach ist beendet: Die Stadtverordnetenversammlung hat am Donnerstag grünes Licht für die Pläne der Tansania-Koalition gegeben.

Offenbach – Somit werden die östliche und westliche Seitenstraße an den Markttagen von jeweils 8 bis 16 Uhr für den motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt. Ausnahmen bilden die Lieferfahrzeuge der Marktbeschicker und unmittelbare Anwohner. Laut Koalitionsantrag soll die Testphase „möglichst zeitnah“ beginnen und sich zunächst auf einen Zeitraum von drei Monaten beschränken.

Dem Beschluss vorausgegangen ist ein langwieriger Schlagabtausch zwischen der aus CDU, FDP, Grünen und Freien Wählern bestehenden Koalition und der oppositionellen SPD. Wie berichtet, sträuben sich die Sozialdemokraten gegen die Vorstellung, die Straßen genau zu Marktzeiten zu blockieren. „Dann also, wenn es den Marktbeschickern besonders weh tut und den Gastronomen am wenigsten hilft“, klagt SPD-Vorsitzender Christian Grünewald. „Ich verstehe, dass sich die Marktleute da angegriffen fühlen.“ Die Lösung, die Offenbach den größten Fortschritt bringe und die Interessen aller Betroffenen am besten berücksichtige, sei die generelle Sperrung außer zu Marktzeiten.

Ein diametraler Gegenentwurf also zu den Plänen der Koalition – und sogar ein Schwenk seitens der SPD selbst, die zunächst in einem eigenen Antrag die testweise Sperrung „für mindestens zwölf Monate“ gefordert hatte. Diesen Antrag ziehen die Sozialdemokraten gleich zu Beginn der Versammlung zurück. Ihr neues Ziel – die Sperrung an allen Tagen außer zu Marktzeiten – bringen sie in Form eines Änderungsantrages zu den Koalitionsplänen mit ein.

Woher der plötzliche Kurswechsel kommt? Grünewald: „Wir sind vor Ort gegangen und haben mit den Betroffenen geredet. Wir wissen, dass die meisten dort generell gegen jede Sperrung sind.“ Die SPD habe „auf Basis der von den betroffenen vorgetragenen Argumente die möglichst beste Variante der Sperrung erarbeitet.“ Sie reiche der Koalition somit die Hand, deren Antrag vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Die Koalitionäre reagieren darauf mit scharfer Kritik. FDP-Fraktionschef Dominik Schwagereit nennt das Verhalten der Sozialdemokraten „mutlos und opportunistisch“ und konstatiert: „Die SPD hat den Charaktertest am Wilhelmsplatz nicht bestanden.“ Auch CDU-Chef Roland Walter bringt sein Unverständnis zum Ausdruck. Er betont, dass es rund um den Wilhelmsplatz viele unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen gebe. „Da müssen solche rein politischen Interessen hinten anstehen.“

Der Änderungs-Antrag der SPD findet im Stadtparlament keine Mehrheit. Aber ganz ohne Bürgerbeteiligung soll schließlich auch die dreimonatige Testphase, die man beschlossen hat, nicht ablaufen. Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung sieht eine schriftliche Befragung von Marktbeschickern, lokalen Einzelhändlern, Anwohnern und Besuchern vor, und zwar jeweils vor Beginn, während und nach der Testphase. Die Ergebnisse sollen dann in die weiteren Überlegungen im Rathaus miteinbezogen werden.

Außerdem sollen im südlichen Bereich weitere Abstellmöglichkeiten für zirka 50 Fahrräder und einige Lastenräder geschaffen und geprüft werden, ob kurzfristig mobile Fahrradbügel für den Wilhelmsplatz angeschafft werden können. (VON MARIAN MEIDEL)

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