Offenbach setzt sich hin

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Die 45 „Little Alberts“ stehen bis 20. Oktober auf dem Wilhelmsplatz. Dann überwintern sie bis zur nächsten Sitz-Saison im KOMM.

Offenbach - Little Albert ist knallrot, 70 Zentimeter breit und wasserfest. Er besteht aus schlagfestem Kunststoff und macht einen sehr pflegeleichten Eindruck. Nein, Little Albert ist weder Badespielzeug noch poppiger Sanitärartikel. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Er ist schlicht und ergreifend ein Outdoor-Sessel. Und er bereichert seit Samstag mit 44 exakt gleich aussehenden Kollegen den Offenbacher Aliceplatz.

Um ihn auf angemessenem Untergrund zu platzieren, wurde ein ebenfalls roter, 45 Meter langer Teppich ausgerollt und festgeklebt. Der ist durchlässig und somit bei Regenwetter keine Schlittschuhbahn, auf der sich Passanten die Knochen brechen könnten. Denn die haben wie geplant Teppich und Sessel sofort nach Aufbau in Beschlag genommen – was Stadtplanerin Marion Rüber schlicht begeistert: „Viele Passanten haben beim Auspacken geholfen. Wir sind mit dem Ergebnis überaus zufrieden.“

Die Idee, dem Platz mehr Atmosphäre zu verpassen, wurde vor einem halben Jahr in einer Arbeitsgruppe geboren. Zu ihr gehörten Mitglieder der „Aktiven Innenstadt“, des „Karree“ (INGE-Gruppe), der Industrie- und Handelskammer, der Lokalen Agenda 21 und der unter Stadtkonzern-Regie laufenden Verschönerungsaktion „Besser leben in Offenbach“. Zusammen mit Stadtgestalterin Hanne Münster-Voswinkel haben sie sich zum Ziel gesetzt, die Aufenthaltsqualität des Aliceplatzes zu verbessern. Der Architektursommer bot nun den passenden Anlass für die Aktion. 10 000 Euro mussten dafür locker gemacht werden, die Summe wurde komplett aus Spendengeldern finanziert.

Nachts werden die Stühle angekettet

Der Teppich wird nach einiger Zeit wieder entfernt, die Sessel sollen bis zum 20. Oktober stehen bleiben, überwintern dann im KOMM und werden 2012 wieder aufgestellt. Nachts werden die Little Alberts – das ist der auf ihre Verpackung gedruckte Modell-Name – sicherheitshalber angekettet, tagsüber können sie je nach Kommunikationsbedürfnis zusammen oder auseinander gestellt werden, wie man gerade möchte. Auch wenn den Passanten die Aktion noch ein wenig spanisch vorkommt („Findet hier eine Veranstaltung statt?“, „Und was machen Sie mit den Dingern nachts?“), hält sie das nicht davon ab, sich niederzulassen.

Es ist aber auch sehr verlockend, unter den wunderbaren schattigen Platanen bei herrlichstem Wetter wie ein echter Star auf dem roten Teppich Platz zu nehmen. Stadtkämmerer Michael Beseler weiht die Lounge mit einer kleinen Rede ein, in der er die Bürger über die Hintergründe der Aktion aufklärt und gleichzeitig zum pfleglichen Umgang mit dem Mobiliar auffordert: „Wenn die Sessel außerhalb des Platzes angetroffen werden, sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten – nicht, dass die Beine bekommen!“

Eine gute Gelegenheit, ein paar Worte über die Geschichte des Platzes zu verlieren, ist die Aktion auch. In der Frischluft-Lounge mit dem lebensfrohen Charakter soll dem Bürger ein „Gefühl für die einzigartige Atmosphäre dieses wichtigen historischen Stadtraums gegeben werden“.

Zur Feier des Tages werden dem bunt gemischten Völkchen auch noch Getränke serviert. Hierzu wurde eigens der Göttinger Unterhaltungskünstler Hannes Lülf als Comedy-Kellner Cornelius engagiert. Seinen wichtigsten Auftrag erfüllt er innerhalb weniger Minuten: Die Leute erstmal zum Sitzen animieren.

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