GBM setzt Trinkwasserverordnung in Schulen um

Warum Hausmeister täglich spülen müssen

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Unterschiedliche Legionellen-Vorsorge: In Offenbach lassen die Hausmeister bislang täglich das Wasser laufen, andernorts sind die Kinder zum Händewaschen angehalten.

Offenbach - Das Tätigkeitsprofil von Offenbachs Schulhausmeistern ist seit geraumer Zeit um eine verantwortungsvolle Aufgabe erweitert. Von Thomas Kirstein 

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Unterschätzte Belastung

Seit dem vergangenen Jahr sind die Mitarbeiter des städtischen Gebäudemanagements (GBM) angewiesen, einmal täglich in jedem Klassenraum den Wasserhahn eine Zeitlang aufzudrehen. „Das Spülen verhindert eine zu starke Erwärmung des Wassers, das noch in den Leitungen und Hähnen steht und somit ein begünstigtes Klima für die Bakterienverbreitung darstellt“, erläutert Kerstin Reimann von der Stadtwerke-Unternehmenskommunikation. Was die Betroffenen selbst von diesem zusätzlichen Auftrag halten, war nicht zu erfahren. „Derzeit sind die Hausmeister stark ins Tagesgeschäft der Schulen eingebunden“, lehnt die GBM freundlich die Bitte um Vermittlung eines Gesprächs ab.

Informelle Nachfragen an Schulen des Landkreises ergeben, dass dort keine ganz so große Angst vor einem Legionellen begünstigten Stau in den Wasserleitungen herrscht. Offenbar wird es dort als ausreichend erachtet, wenn sich wenigstens ein Teil der Kinder einmal am Schultag die Hände wäscht. Außerhalb Offenbachs setzt man auf Lehrer und Betreuer, die ihre Schützlinge zu einer hygienisch und bakteriologisch sinnvollen Handlung anhalten können. Getrunken wird aus den Wasserhähnen sowieso kaum.

Spülungen sollen schrittweise abgesetzt werden

In der Stadt hingegen hat die seit 3. Januar 2013 geltende Trinkwasserverordnung „in vorsorgender Betreiberpflicht“ unter anderem eine Anweisung an die Hausmeister zur Folge. Der Gesetzgeber empfiehlt eine Spülung spätestens alle 72 Stunden. „Im Sinne eines bestmöglichen Schutzes, etwa vor Legionellen“ hat die GBM dieses Intervall auf 24 Stunden herabgesetzt. Hinzu kommt eine jährliche „Beprobung“ des Trinkwassers. Werden Bakterien nachgewiesen, wird der Ursprungsherd ermittelt und dort umgebaut.

Inzwischen reifte bei der GBM die Erkenntnis, dass die täglichen Spülungen vielleicht zuviel des Guten sein könnten. In Absprache mit dem Gesundheitsamt wurde beschlossen, sie schrittweise abzusetzen. Begonnen wird an zehn Schulen, bis Ende des Jahres sollen alle Hausmeister von der Pflicht entbunden sein. Die GBM überlegt auch, die Schul-Waschbecken mit programmierbaren automatischen Spülvorrichtungen auszustatten.

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