Sicherheitscheck

Neues Testzentrum für Batterien

Offenbach - Ob groß oder klein: Batterien für Elektroautos, Laptops oder Pedelecs sind nicht ganz ungefährlich. Ein Brand gehört zu den am meisten gefürchteten Risiken. Ein neues Batterie-Testzentrum in Offenbach will da jetzt helfen.

Es qualmt, und der Laptop ist hin. Die Ursache ist klein, aber riskant für den Nutzer: ein Kurzschluss in den Batteriezellen. Im schlimmsten Fall setzt der Mix aus Strom und Hitze den tragbaren Computer in Brand. In Offenbach werden seit heute Batterien auf Sicherheit geprüft. In einem neuen Zentrum werden Energiespender zwischen 40 Gramm und 400 Kilogramm unter die Lupe genommen - sie sind groß genug, um einen Lastwagen anzutreiben.

Im Fokus der Experten des VDE-Prüfinstituts stehen Geräte vom Laptop-Akku über Batterien für Elektrofahrzeuge. Zum Beispiel Pedelecs, Boote und Tauchscooter, Autos und Lastwagen. Unabhängig von der Größe bergen die Batterien ähnliche Risiken. „Neben der Brandgefahr sind es giftige Stoffe, die dann freigesetzt werden können“, erläutert der Leiter des Kompetenzzentrums, Heiko Sattler.

Auftraggeber sind internationale Batteriehersteller

Er betrachtet und bewertet zusammen mit etwa 20 Kollegen das Gefahrenpotenzial. Auch, indem in einer speziell gesicherten Halle künstliche Brände auslöst werden. Auftraggeber sind internationale Batteriehersteller. Sie lassen ihre Produkte checken, bevor sie auf den Markt kommen. Denn große Rückrufaktionen, zum Beispiel wegen Überhitzungsgefahr bei Laptops, kosten Geld und Image.

Bei Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos geht es auch um Klimatauglichkeit. Das Zentrum simuliert bei Temperaturen zwischen minus 70 Grad und plus 180 Grad Celsius unter anderem Bedingungen wie in den Tropen oder der Arktis. Der Testkandidat erfüllt internationale Transportvorgaben erst, wenn er einen schnellen Temperaturwechsel um 110 Grad verkraftet. Außerdem wird das winterliche Kaltstartverhalten von Hybridautos kontrolliert. Auf dem Vibrationstisch werden Batterien bis zu 400 Kilogramm und 1,20 Meter Größe gerüttelt und geschüttelt. Knackpunkt hier: die Kurzschlussgefahr.

Tests an Autobatterien stecken in den Anfängen

Im Fallturm ahmen die Fachleute das Aufprallverhalten bei Unfällen nach. Der Sturz einer Batterie aus zehn Metern Höhe auf ein liegendes Rohr entspricht der Kollision eines Autos mit einem Laternenpfahl. Den 50-Stundenkilometer-Crash sollte die Batterie möglichst unbeschadet überstehen. Die Tests an Autobatterien stecken, wie die Elektromobilität, in Deutschland in den Anfängen. Deshalb will das sieben Millionen Euro teure Kompetenzzentrum sich mit dem Prüfen vom stationären Speichern für Solarstrom ein weiteres Geschäftsfeld erschließen.

Heiko Sattler schwärmt von einem Zukunftsmarkt, "größer als im Bereich Automotiv". Der Ingenieur sieht schon tausende Speicher in Privathäusern stehen, sobald der Strom vom Dach aufgrund gekürzter Photovoltaik-Zuschüsse nicht mehr ins öffentliche Netz fließt, sondern zum Eigenverbrauch in Keller oder Garage gespeichert wird. Brände, die sich selbst mit Sauerstoff versorgen und nicht erstickt werden können, gehören auch bei den Solarspeichern zu den Risiken.

dpa

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