Sommerfest des Jugendzentrums Falkenheim

„Treffpunkt ist hier“

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Theaterpädagoge Andreas Funk tritt als Clown auf und demonstriert den Kindern, wie Jonglieren funktioniert.

Offenbach - Mit einem Sommerfest feierte das Jugendzentrum Falkenheim an der Neusalzer Straße sein 50-jähriges Bestehen. Vieles hat sich geändert. Eine wichtige Anlaufstelle aber ist es geblieben. Von Stefan Mangold 

Vieles hat sich seit 1991 geändert, blickt Barbara Leissing auf ihre Anfänge im Jugendzentrum Falkenheim an der Neusalzer Straße 35 zurück. Damals sei wichtig gewesen, wer aus welchem Stadtviertel stamme. Die Lauterborner meinten, mit denen aus der Innenstadt nicht gut Kirschen essen zu können, umgekehrt galt das ebenso. Ein Denken, das heute keine Rolle mehr spielt. „Es ist ruhiger geworden, weniger hart“, betont die Leiterin des Jugend- und des Kinderzentrums. Die Häuser liegen an derselben Straße. Die Sozialarbeiterin ist froh, dass keinem Stadtkämmerer in den vergangenen Jahren der Gedanke kam, die Gelder im Jugendbereich zu kürzen. „Jeder weiß, dass der Abbau präventiver Sozialarbeit am Ende teurer käme.“

Am Samstag feiert das Kinder- und das Jugendzentrum das 50-jährige Bestehen des Falkenheims, das die SPD-nahe sozialistische Jugend „Die Falken“ 1964 baute. Der Theaterpädagoge Andreas Funk tritt als Clown auf und demonstriert, wie Jonglieren funktioniert. Ein Mann, der sich als „Service-Klaus“ vorstellt, organisiert das Büchsenwerfen und wundert sich längst nicht mehr, dass vor allem erwachsene Männer schmeißen, bis es endlich scheppert. Auf der aufgeblasenen Rennbahn versuchen die Kinder trotz des Gummibandes, das sie festhält, möglichst weit zu gelangen. Im ersten Stock hält Heike Heininger-Sommer den Tanzkurs, den sie freitags in der Mädchengruppe anbietet.

Auch Ehemalige schauen vorbei

In den 70er-Jahren übernahm das Stadtjugendamt die Trägerschaft des Falkenheims. Beim Sommerfest schauen nicht nur Kinder vorbei, die dort ohnehin ständig erscheinen, sondern auch etliche Ehemalige, deren eigener Nachwuchs heute regelmäßig das Jugendzentrum besucht. Bürgermeister Peter Schneider, Dezernent für Jugend und Erziehung, sieht darin ein Zeichen für die Kontinuität der Arbeit im Falkenheim.

Vor einer Wand mit Fotos aus vergangenen Tagen stehen Eileen Becker und Per Becker. Die beiden tragen nur zufällig den gleichen Nachnamen und verbrachten dort zu unterschiedlichen Zeiten viele Stunden ihrer Jugend. Selbstverständlich gab es früher noch keinen Computerraum. Ansonsten sei vieles gleich geblieben. „Damals gab es in der Disko aber noch Bier“, erinnert sich der 47-Jährige. Und weit weniger konkurrierende Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. „Wir kamen immer, auch wenn geschlossen war“, so Eileen. „Treffpunkt war hier“.

„Viel fleißiger als früher“

Die heute 36-Jährige wuchs ein paar Meter weiter auf, im Hochhaus Neusalzer Straße 77. Die Immobilie, deren Image sich gewandelt hat, galt seinerzeit nicht unbedingt als gediegene Adresse. Eileen erlebte, wie Leute den Fahrstuhl als Toilette benutzten, Müll und Fernseher vom Balkon warfen. Eileen Becker kennt auch Deniz Urkapu. „Wir wohnten auf demselben Stockwerk“, sagt sie. Der 32-jährige Deniz betreut als Honorarkraft im Jugendzentrum die Hip-Hop-Gruppe, an der er früher selbst teilnahm. Die Jugend von heute nimmt Deniz, der dienstags von 14 bis 22 Uhr seine Kurse anbietet, als wesentlich engagierter wahr: „Die sind viel fleißiger als wir früher“.

Der Tag endet mit der Übertragung des WM-Spiels zwischen Deutschland und Ghana und der Erkenntnis, dass ein Remis als Sinnbild für den Alltag steht: Nicht perfekt, doch es lässt sich damit leben.

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