Am Ende eine Einbahnstraße

Die Sorgen der Bewohner im Senefelder-Quartier

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Über die Gustav-Adolf-Straße ist der Innenhof des Quartiers zu erreichen. Auf dem einstigen Parkplatz für Roländer ist eine Wohnbebauung vorgesehen.

Offenbach - Der Oberbürgermeister war angetan: So viel Lob für Verwaltung und stadtnahe Dienstleister ist er bei seinen Ortsterminen nicht gewohnt. Es sind die üblichen Probleme, die auch die Menschen im Senefelder-Quartier bewegen: Verkehr, Müll, Hundedreck. Von Martin Kuhn

Bei dem Termin blickt Horst Schneider zudem weit voraus: Neben einer weiteren Wohnbebauung gibt’s eine neue Einbahnstraße. „Sie können stolz sein. Sie vertreten rund 12.500 Menschen“, begrüßte der Verwaltungschef die Anwesenden. Ein Handschlag für jeden einzelnen wäre drin gewesen, zumal sich der Ärger im Senefelder-Quartier und auf der Rosenhöhe offenbar in Grenzen hält. Oder man sich mit den Entwicklungen arrangiert. Kein Thema war in der Reihe „OB vor Ort“ etwa der Fluglärm, der mit Eröffnung der Nordwestbahn dort entscheidend zugenommen hat. So gab’s an diesem Abend für die Verwaltung und stadteigene Betriebe wie ESO ungewöhnlich viel Lob, das Horst Schneider sicher gern weitergibt. „Vielleicht liegt’s ja an den schönen Räumlichkeiten“, mutmaßt Schneider. Gewöhnlich in Gemeindesälen oder Vereinsheimen anberaumt, schenkt er den Bürgern diesmal im Laden Artefakt sein Gehör. Inhaber Jürgen Blümmel nutzt das für etwas Werbung in eigener Sache und den lokalen Einzelhandel: „Wir haben mit unseren Kollegen ein schwieriges Standing. Aber wir sind nicht im Internet, wir sind hier im Stadtteil – ganz bewusst.“ Zumindest die Anwesenden honorieren das.

Zu den Problemen, die sich von Stadtteil zu Stadtteil nur in Nuancen ändern: Es wird viel zu schnell gefahren, gerade in Tempo-30-Zonen, gerade rund um Schulen. „Blitzen sie doch mal; da könnten sie die Stadtkasse locker füllen“, schlägt ein Teilnehmer vor. Das teilt Peter Weigand, der mit Jürgen Weil den Oberbürgermeister begleitet, nicht so. „Wir messen nach Bürgersprechstunden und entsprechenden Beschwerden gern nach. Aber bislang gab’s da noch keine Auffälligkeiten“, sagt der Ordnungsamtsleiter, der diesen Job seit gut 25 Jahren macht. Allerdings mit einer Einschränkung: Das Offenbacher Ordnungsamt verfügt lediglich über drei Messwagen „bei gefühlt 2000 Standorten, wo wir kontrollieren sollen“. Peter Weigand sagt an diesem Abend den Bewohnern aber zu, einen Wagen mit sogenanntem Seitenradar dort zu parken. Der registriert über 24 Stunden sämtliche Geschwindigkeiten – ohne Blitz, ohne Knöllchen.

Einmal beim Thema, nutzt ein Anwohner aus der Gutenbergstraße die Anwesenheit des OB. Er beklagt Schleichverkehr, der gerade morgens den Starkenburgring umfährt und durch die enge Straße kurvt. Sein Vorschlag zur Beruhigung: Eine Einbahnregelung. Dass er damit bislang nicht zum Zug kam, belegt er mit einem stattlichen Schriftwechsel. „Das kann doch nicht in ihren Interesse sein“, versucht er Schneider auf seine Seite zu ziehen. Das greift nicht: „Sie waren sicher unzufrieden mit den Antworten“, stellt er sich vor seine Mitarbeiter. Und angesichts der regen Korrespondenz: „Wir sind eben höflich...“

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Eine Frau wechselt von der Fahrbahn auf die Gehwege. „Es ist sicher schwierig, die Infrastruktur angesichts leerer Stadtkasse wieder hinzubekommen; aber tun Sie etwas gegen die Stolperfallen“, bittet sie. Dazu schlägt sie ein Gesamtkonzept für die Stadt vor. „Allein das kostet uns einen sechsstelligen Betrag“, lehnt Schneider dieses Ansinnen ab. Ein Zahl zum Vergleich: Gut 30 Millionen Euro kann die Stadt pro Jahr investieren, wovon drei Viertel in Kitas und Schulen fließen. Da bleibt kaum etwas für andere Maßnahmen. Die gravierenden Schäden werden durch den ESO beseitigt. „Melden Sie das zeitnah“, fordert er die Bürger auf, die im Gegenzug bestätigen: „Dann wird’s in der Regel schnell gemacht.“

Immerhin: Rund ums ehemalige Roland-Areal wird der Gehweg erneuert. Auch ansonsten tut sich dort einiges. Auf dem einstigen Mitarbeiter-Parkplatz an der Gustav-Adolf-Straße (bis in den Innenhof gelegen) sollen weitere Wohnungen entstehen - wohl mit Lückenschluss. Und zur Verkehrsberuhigung gibt es am Ende eine Einbahnregelung von der Senefelder- zur Waldstraße.

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