Bei der Sparkasse keine Angst vor Tunnelräubern

In Offenbach kein Rififi

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Dieses Loch bohrten die Berliner Gangster in die Tresorwand der Volksbank Steglitz. Dahinter ist der fachmännisch abgestützte Tunnel zu sehen. -

Offenbach - Seit Jules Dassins gleichnamigem Kriminalfilm von 1955 ist „Rififi“ ein Synonym für den spektakulären Bankraub, bei dem sich die Gangster durch eine Decke oder den Fußboden ihrer Beute nähern. Von Thomas Kirstein

Kein Wunder, dass Sparkassen-Sprecher Manfred Bernjus gleich darauf kommt, als er zum Tunnel-Coup in Berlin-Steglitz befragt wird: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Rififi bei uns möglich wäre. “.

Nicht in der 1999 eingeweihten Sparkassen-Hauptstelle an der Berliner Straße, auch nicht in den anderen Filialen, in denen die „Bank der Offenbacher“ diesen Schließfächer anbietet. Die Wände sollen ausreichend dick sein, die Betonkonstruktionen über beste Stahlarmierung verfügen. Auch bietet sich in der Nähe keines Offenbacher Standorts ein Ausgangsort an, von dem aus kriminelle Maulwürfe ungestört zu graben anfangen könnten – in Berlin konnten sich die Tresorknacker unbehelligt von einer Tiefgarage aus 45 Meter durch den Untergrund buddeln.

"Außerordentlich stabile Tresorwände"

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Details über Offenbacher Gegebenheiten mag Bernjus nicht verraten. Offenbachs Sparkassen-Hauptstelle verfüge aber über eine „außerordentlich stabile Tresorwand, einen dicken Koloss mit hoher Widerstandskraft“.

Nach einem Bericht der Berliner Zeitung nutzten die Gauner einen gestohlenen, mit Diamanten besetzten Kernbohrer, mit dem fast erschütterungsfrei Beton, Estrich oder Ziegel durchgesägt werden können. Alarm wurde ausgelöst, der Wachschutz soll aber nicht im Gebäude kontrolliert haben, wo die Tunnelgangster noch zugange waren.

7000 Schließfächer mit einer Grundfläche von etwa DIN-A4 und unterschiedlicher Höhe hält die Sparkasse Offenbach an neun Standorten vor. Ein Drittel davon ist belegt. Ab 25 Euro plus Mehrwertsteuer pro Jahr ist eins zu mieten. Sprecher Bernjus beschreibt unterschiedliche Systeme für den Zugang für die Kunden: In der Hauptstelle ist die modernste Anlage installiert. Der Inhaber des Schließfachs sitzt allein in einem kleinen Raum, tippt dort seinen Code ein und bekommt das Fach von einem Roboter gebracht.

Tunnelräuber in Offenbach "keine Chance"

Ein zweites System der Sparkasse erlaubt ebenfalls die autarke Bedienung über eine Karte und einen Sicherheitscode. Den konventionellen Zugang, wie er aus vielen Filmen bekannt ist, gibt es auch noch, beispielsweise in der Filiale Bürgel: Zum Öffnen sind zwei Schlüssel nötig, einen hat der Kunde, den anderen ein Bankangestellter. „Bei allen Anlagen ist gewährleistet, dass kein ungebetener Dritter beim Zugang dabei ist“, versichert Manfred Bernjus.

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In Berlin gehen die betroffenen 300 Volksbank-Kunden wohl leer aus, wenn denn dem Geldinstitut kein Verschulden – etwa bezüglich der Wachleute – nachgewiesen werden kann. Bei der Sparkasse ist für den als völlig unwahrscheinlich betrachteten Fall ein Versicherungsschutz enthalten. Bis zu 11 000 Euro ist das für ein Schließfach beitragsfrei, was darüber hinaus geht, muss extra versichert werden, wobei die Sparkasse bei der Vermittlung hilft. Bares ist aber auf keinen Fall abgedeckt, macht Manfred Bernjus klar. Die im Fach versteckte größere Summe Schwarzgeld könnte also nicht angegeben werden. Der deponierte Familienschmuck sollte hingegen gut dokumentiert sein.

„Wir wissen nicht, was im Schließfach drin ist“, betont Bernjus. Die Kunden müssten mit Belegen oder eidesstattlichen Versicherungen glaubhaft machen, was sie ihrem Fach anvertraut hatten. Aber bei dem Offenbacher Institut haben Tunnelräuber ja gar keine Chance.

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