„Fünf Jahre Geisterfahrt“

SPD stimmt sich in ESO-Sportfabrik auf Kommunalwahlkampf ein

Altes und neues Spitzen-Trio: Vorsitzender Christian Grünewald (Mitte) mit seines Vize Nadine Gersberg und Philipp Türmer. Bestätigt wurden auch die Kassierer Maurice Skowronek und Maria Böttcher, die Schriftführer Susanne Jörn und André Veit sowie die Beisitzer Naime Demirezen, Heike Habermann, Holger Hinkel, Zacharias Leis, Alptug Taskin, Gabriele Türmer und Helena Wolf. Neu im Vorstand sind Mehmet Eroglu, Hibba Kauser, Thomas Last, Sonja Sauler, Kurt Vollmer und Ingo Wernig.
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Altes und neues Spitzen-Trio: Vorsitzender Christian Grünewald (Mitte) mit seines Vize Nadine Gersberg und Philipp Türmer. Bestätigt wurden auch die Kassierer Maurice Skowronek und Maria Böttcher, die Schriftführer Susanne Jörn und André Veit sowie die Beisitzer Naime Demirezen, Heike Habermann, Holger Hinkel, Zacharias Leis, Alptug Taskin, Gabriele Türmer und Helena Wolf. Neu im Vorstand sind Mehmet Eroglu, Hibba Kauser, Thomas Last, Sonja Sauler, Kurt Vollmer und Ingo Wernig.

Das erste Mal, dass eine sozialdemokratische Einladung in die ESO-Sportfabrik der TSG Bürgel erging, war ein inzwischen fast vergessener Hoffnungsträger der Partei der Anlass.

Offenbach – Der Würseler Martin Schulz hatte nicht in der Stadthalle auftreten dürfen, weil deren Statuten Politveranstaltungen nicht zulassen. Nun verbannt Corona die Genossen aus dem gewohnten Hainbachtal in den Stadtteil, weil Unterbezirksgeschäftsführer Marius Statescu und seine Helfer in der dortigen Halle die Tische für die Parteitagsdelegierten mit ausreichenden Abständen aufstellen können.

Am meisten gefeiert wird an diesem Samstag jedoch kein Parteimitglied. Der stärkste Applaus gilt Christine Sparr, der engagierten Chefin der Offenbacher Tafel, die sich sehr emotional als Gastrednerin für die Unterstützung der Jusos bedankt – die haben nicht nur eine stolze Spendensumme für die Hilfsorganisation zusammengebracht, sondern arbeiten inzwischen auch regelmäßig bei der Warenausgabe an Bedürftige mit. Christine Sparrs Initiative bedeute mehr als die Verteilung von Lebensmitteln, sie fange Menschen auf, sagt der stellvertretende Unterbezirksvorsitzende Philipp Türmer.

In den regulären Redebeiträgen der von Stadtverordnetenvorsteher geleiteten Versammlung nehmen großen Themen wie Rechtsextremismus und Rassismus ebenso breiten Raum ein wie die Lokalen. Die stärkste, aber dennoch in die Opposition verbannte Partei der Stadtverordnetenversammlung läutet mit diesem Parteitag auch bereits den Wahlkampf für die Kommunalwahl am 14. März 2021 ein.

Der regierenden Tansania-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern verweigern die Sozialdemokraten das Versetzungszeugnis; dass in der Stadt überhaupt etwas läuft, messen sie praktisch allein dem von ihnen gestellten Oberbürgermeister Felix Schwenke als Verdienst zu. „Unser OB versucht, aus dieser Truppe das Beste zu machen“, sagt etwa Parteivorsitzender Christian Grünewald. Tansania-Versagen macht er aus beim verzögerten Neubau der Fröbelschule, bei der Finanzierung der Mobilität, bei der Förderung sozialen Wohnraums, beim späten und zögerlichen Eingreifen bei der verwahrlosenden Roland-Passage.

Sein Stellvertreter Philipp Türmer packt die Keule aus. Nur dem SPD-OB, der ein mittelmäßiges Team mitziehe, sei es zu verdanken, dass Offenbach keine verlorenen fünf Jahre zu beklagen habe. „Fünf Jahre Geisterfahrt von Tansania sind genug!“, ruft er den 61 Delegierten zu.

Einen „bildungs- und gesellschaftspolitischen Skandal“ zulasten der Schwächsten wittert Beisitzerin Heike Habermann bei der von mehrfach behinderten Kindern besuchten Fröbelschule. Die hätte nach Tansania-Vorstellung von der GBO eigentlich schneller als auf konventionellem Weg errichtet werden sollen; der Zeitplan sei aber nicht zu halten, die gegenteilige Versicherung des CDU-Kämmerers „frech“ und „Augenwischerei“. Fraktionschef Martin Wilhelm wirft der Mehrheit vor, sie verschleppe wichtige Projekte; Tansania sei damit beschäftigt, gemeinsame Nenner zu finden und höre, natürlich im Gegensatz zu den Genossen, nicht den Menschen zu.

Etwa beim Wilhelmsplatz, wo die Genossen Marktbeschickern, Händlern und Wirten ihre Ohren liehen und sich daraufhin neu hinsichtlich der seitlichen Straßen positioniert haben.

Eine abendliche Sperrung sei besser als eine zu Marktzeiten – während dieser müssten Kunden ihre Einkäufe einsammeln können, sagt Vorsitzender Grünewald: „Das bedeutet 144 statt nur dreimal acht Stunden in der Woche autofrei.“

OB Schwenke regt erneut eine fundierte Umfrage an und verwahrt sich gegen den Tansania-Vorwurf, er wolle die Testphase verzögern. Die praktische Umsetzung der Sperrung sei allein Aufgabe von Ordnungs- und Verkehrs-Dezernent – und da gebe es beispielsweise wegen der Beschilderung und der anschließenden Kontrollen noch viele offene Fragen hinsichtlich einer erfolgreichen Abriegelung und der Zufahrt zum Parkplatz. „An mir scheitert das Projekt nicht“, versichert der OB, aber, und da zitiert er den Refrain eines örtlichen Fastnachtsprotokollers: „Wilhelmsplatz sperre, des is richtig, nur könne muss mer’s, des is wichtig.“

Einzig der Delegierte Harry Ness hält dagegen. Man habe wohl die Menschen aus dem Blick verloren, die auf dem Wilhelmsplatz einkauften oder einkehrten, nehme stattdessen etwa auf einen Weinhandel Rücksicht.

Die Aussprache nach den Rechenschaftsberichten leitet zu den Vorstandswahlen über. Gegenkandidaturen gibt es keine. Die höchste Zustimmung erfährt Vorsitzender Christian Grünewald mit 57 von 61 Stimmen, die Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg erhält als Stellvertreterin 48 Ja-Stimmen, Vize Philipp Türmer deren 41. VON THOMAS KIRSTEIN

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