Lob und Kritik für testweise Verkehrsberuhigung

„Warum ausgerechnet jetzt?“: Offenbacher Wirte äußern Unverständnis über Wilhelmsplatz-Sperrung

Die Gastronomie ist ein wichtiger Bestandteil des Wilhelmsplatzes in Offenbach.
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Die Gastronomie ist ein wichtiger Bestandteil des Wilhelmsplatzes in Offenbach.

Der Wilhelmsplatz in Offenbach soll zeitweise für den Verkehr gesperrt werden. Die Meinungen darüber gehen bei den Wirten auseinander.

Offenbach – Die testweise Sperrung der östlichen und westlichen Seitenstraßen des Wilhelmsplatzes in Offenbach rückt näher. Von Mitte August bis November soll es dort an Markttagen für den Verkehr kein Durchkommen geben. Aus den Reihen der Marktbeschicker sind diesbezüglich bereits kritische Stimmen laut geworden. Aber wie sehen es die Gastronomen am Wilhelmsplatz? Wir haben mit einigen Wirten geredet und sie nach ihrer Meinung gefragt.

Sperrung am Wilhelmsplatz in Offenbach: „Grundkonzept sinnvoll“

„Das Grundkonzept finde ich total sinnvoll“, sagt Marcel Gruß vom Caffè Marcello. „Aber ich bin ohnehin Befürworter einer relativ extremen Position. Ich möchte am liebsten gar keine Autos in der Innenstadt.“ Dennoch gelte es auch die Interessen der Händler zu wahren. „Ich glaube zwar nicht, dass sie dadurch Einbußen hätten, aber ich bin auch kein Marktbeschicker und kann das vielleicht nicht so beurteilen.“

Sollten die Wochenmarkt-Profis in Offenbach tatsächlich finanziell unter einer Sperrung der Seitenstraßen leiden, täte das in Gruß’ Augen dem Wilhelmsplatz allgemein nicht gut. „Das Thema ist sehr vielschichtig“, resümiert er. Gut findet der Café-Betreiber aber die Vorstellung, auf den Seitenstraßen im Fall einer längeren Sperrung mobile Spielmöglichkeiten für Kinder einzurichten, die den Wilhelmsplatz noch familienfreundlicher machen könnten und schnell entfernbar wären, etwa wenn im Notfall eine Rettungsgasse gebildet werden müsste.

Für Gruß besonders wichtig: „Parkmöglichkeiten muss es einfach geben.“ Derzeit bestehe oft genug das Problem, dass am Ende eines Markttages „irgendein Lustiger“ in der Einfahrt parke und die Beschicker dann nicht mehr rauskämen.

Wilhelmsplatz in Offenbach: „Das Beste wäre, wenn die Sperrung nicht vollzogen wird“

Markthaus-Wirt Eric Münch sieht das Thema Sperrung grundsätzlich skeptisch. „Die bestmögliche Variante wäre für mich, wenn die Testphase eine Testphase bliebe und die Sperrung nicht vollzogen wird.“ An Markttagen sei es vielleicht noch nachvollziehbar. „Aber auch da muss man gucken: Es gibt viele Gehbehinderte, die ihre Einkäufe mit dem Auto holen fahren. Oder ältere Herren, die kurz ihre Frau zum Essenholen absetzen und solange eine Runde drehen.“ Das sei mit einer konsequenten Sperrung der Seitenstraßen alles nicht mehr möglich. „Wir sind der Meinung, dass man hier mobil erreichbar bleiben soll“, so Münch.

Raser und sogenannte Autoposer sind auch ihm ein Dorn im Auge. „Als der Wilhelmsplatz damals umgebaut wurde, haben wir schon gesagt: Baut verkehrsberuhigende Schwellen oder Poller ein, damit hier nicht mehr durchgeheizt werden kann.“

Ein weiterer Aspekt weckt allerdings Erik Münchs Unmut: „Was wir uns schon die ganze Zeit fragen: Warum ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt? Wir sind alle von Corona gebeutelt, unsere Umsätze sind dramatisch eingebrochen.“

Sperrung am Wilhelmsplatz in Offenbach: „Warum ausgerechnet jetzt?“

Darüber ärgert sich auch Stefan Klemisch, Wirt der Brasserie Beau d’Eau und Inhaber des Lokals Zum Stern. „Diese Pläne liegen seit 20 Jahren im Rathaus in der Schublade“, sagt er. „Warum macht man das nicht im Jahr 2021, sondern ausgerechnet während einer Pandemie?“ Prinzipiell kann Klemisch sich vorstellen, dass eine Verkehrsberuhigung für die örtliche Gastronomie einen positiven Effekt haben könnte.

Dennoch will er eine Sperrung nicht unter allen Umständen befürworten. In seinen Augen gehen Wochenmarkt, Gastronomie und Einzelhandel am Wilhelmsplatz eine Art Symbiose miteinander ein – nur gemeinsam machen sie den Ort in Offenbach zu einer kleinen Oase. „Wenn für irgendeinen der Beteiligten am Standort durch die Sperrung ein Nachteil entsteht, dann sind wir solidarisch mit ihm und sagen: Dann lassen wir’s halt.“

Von der Geschäftsführung der Lokale Fleischeslust, Morleos und Tafelspitz & Söhne war aktuell keine Stellungnahme zu erhalten. (Von Marian Meidel)

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