Corona-Situation

Sprachförderprojekt „Deutschsommer“ in Offenbach: Lernspaß ohne Schullandheim

Ausnahmsweise im Klassenzimmer: Der Ausflug nach Bad Orb muss dieses Jahr entfallen.
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Ausnahmsweise im Klassenzimmer: Der Ausflug nach Bad Orb muss dieses Jahr entfallen.

Das städtische Sprachförderungsprojekt „Deutschsommer“ muss sich dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie neu erfinden.

Offenbach – Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren lädt die Stadt Grundschüler mit besonderem sprachlichen Förderbedarf für drei Wochen ins Schullandheim Wegscheide in Bad Orb ein, um dort auf spielerische Weise ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Um die Einhaltung der nötigen Hygieneregeln zu gewährleisten, muss die Reise diesmal entfallen. Das Projekt läuft stattdessen in der Eichendorffschule.„Es ist ein sehr schwieriger Deutschsommer“, räumt Projektleiter Jörg Muthorst ein. „Ganz viel muss neu konzipiert und organisiert werden.“ Es sei aber gelungen, das Projekt am Leben zu halten und in einem neuen Format zu starten. 24 Kinder können dieses Jahr teilnehmen, sechs weniger als bislang üblich. Sieben Pädagogen sind für ihre Betreuung zuständig.

Die vier Kleingruppen mit jeweils sechs Schülern sind aus Gründen des Corona-Schutzes in der Eichendorffschule auf zwei Stockwerke verteilt. „Im Schulhaus und auf dem Weg zur Toilette gilt Maskenpflicht.“ Auch im näheren Kontakt mit den Pädagogen sollen die Kinder schützenden Stoff tragen. „Im Klassenzimmer können sie aber ohne Mundschutz sein“, so Muthorst.

Dass durch den fehlenden Aufenthalt im Schullandheim ein Teil des Spaß-Faktors für die Kinder entfällt, ist den Initiatoren bewusst. „Normalerweise packen wir sie alle in einen Bus und fahren sie auf die Wegscheide“, sagt Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß. Aber auch in seiner derzeitigen Form ist der Deutschsommer für ihn „eines der besten Bildungsprojekte, die es überhaupt gibt“. Die Kinder sprachlich zu fördern, bringe ihnen sehr viel. „Manchmal ist sogar ein kleines Mathegenie dabei – und wenn das Kind dann die Textaufgabe nicht versteht, ist es im Nachteil“, erklärt der Schuldezernent.

Die 24 Jungen und Mädchen stammen aus den dritten Jahrgangsstufen unterschiedlicher Offenbacher Grundschulen und wurden von ihren Klassenlehrern für das Projekt vorgeschlagen. Dass sie auch ohne Schullandheim beim Lernen viel Spaß haben, dafür sorgt das Pädagogenteam auch an der Innenstadtschule. Muthorst: „Wir haben schon Ausflüge gemacht, jedoch in Kleinstgruppen – auf der Kinder- und Jugendfarm, im Wetterpark. Und wir haben den Klassiker beibehalten, den wir jeden Deutschsommer machen: Ein Workshop im Klingspormuseum, bei dem die Kinder selbst ein Buch gestalten und grundsätzlich erfahren, was ein Buch eigentlich ausmacht.“

Manches, was den Deutschsommer auszeichnet, kommt in der abgespeckten Version natürlich nicht mehr zum Tragen. „Impulse für die Persönlichkeitsentwicklung können wir so nur begrenzt geben“, so Muthorst. „Auf der Wegscheide geht einfach mehr – alleine schon die Anforderung, mehrere Nächte fern von Zuhause zu sein, ist für viele Kinder eine sportliche Herausforderung.“

Zu den Deutschsommer-Traditionen, die in diesem Jahr eine Änderung erfahren, gehört auch die gemeinsame Theateraufführung zum Abschluss. Um den Abstandsregeln Rechnung zu tragen, wird das Jugendbuch „Zelten mit Meerschwein“ von Mareike Krügel diesmal als Hörspiel mit begleitender Bildergeschichte umgesetzt.

Insgesamt 100  000 Euro kostet das Sprachförderprojekt, das ursprünglich die Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt entwickelt hat. 50 Prozent davon zahlt die Stadt, die andere Hälfte übernimmt die Frankfurter Erhard-Kunert-Stiftung. Keine ganz geringe Summe, aber laut Paul-Gerhard Weiß eine gut investierte, zeige das Projekt bei vielen Kindern doch eine deutlich bemerkbare positive Wirkung.

Von Marian Meidel

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