Der Sprachvielfalt getrotzt

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Los geht’s: Die Jugendlichen haben auf dem internationalen Jugendaustausch auf der Rosenhöhe sichtlich viel Spaß.

Offenbach - Jeder ist ein aktiver Teil des Orts, an dem er lebt - auch wenn man nicht unbedingt das Gefühl hat, sich zu beteiligen. Dieses Bewusstsein möchte der Internationale Jugendaustausch vermitteln, der derzeit in Offenbach stattfindet. Von Angela Friedrich

„Es ist toll hier im Camp mit den vielen Sprachen, die gesprochen werden, und den unterschiedlichen Kulturen, die aufeinander treffen“, sagt die 16-jährige Louise aus der Nähe von Nantes an der französischen Atlantikküste. Sie war schon im vorigen Jahr bei einem internationalen Jugendcamp in ihrer Heimatstadt dabei. „Ich möchte jetzt jedes Jahr mitmachen“, erzählt sie. „Man lernt viele neue Länder kennen, ich bin vorher noch nie in Deutschland gewesen. “.

Das Offenbacher Jugendamt veranstaltet diese Woche den Internationalen Austausch in der eigenen Stadt. Das Angebot gibt es aber in fast jedem Jahr, der Austragungsort rotiert immer unter den kooperierenden Partnerstädten. „Dieses Jahr sind Jugendliche aus Frankreich, Spanien, Marokko und Malta bei uns zu Besuch“, sagt Barbara Leissing, Leiterin der Jugendamtseinrichtung im Offenbacher Süden. Zusammen mit den sieben Jugendlichen aus Offenbach sind es rund 40 Teilnehmer im Alter von 15 bis 21 Jahren. Finanziert wird das Camp hauptsächlich mit Mitteln des Jugendamts und durch die EU-Förderung „Jugend in Aktion“. Die Jugendlichen selbst zahlen nur einen Beitrag für Unterkunft und Verpflegung im Gästehaus auf der Rosenhöhe.

„Unsere Stadt“ lautet das Motto

Im großen Saal sitzen die Jugendliche in kleinen Gruppen zusammen und diskutieren. „Unsere Stadt“ ist das Motto des aktuellen Austausches, und in mehreren Workshops können sich die Teilnehmer kreativ zu diesem Thema austoben: Theater und Pantomime werden angeboten, eine Gruppe dreht einen Film über die Woche. Auch Musik wird gemacht, einige Jungs haben Gitarren und Trommeln dabei und spielen schon einmal „Stairway To Heaven“ von Led Zeppelin. „Ich bin in der Gruppe für den Bühnenbau“, erzählt die 15-jährige Samira aus Offenbach. Sie freut sich auf den Workshop, da sie gerne handwerklich arbeitet. Wie die meisten hat sie über ein Jugendzentrum von dem Austausch erfahren und sich zusammen mit einer Freundin angemeldet. „Das ist gut gegen Ferien-Langeweile!“, sagt sie. Zudem kann Samira ihr Marokkanisch auffrischen - ihr Vater ist aus Marokko. „Die Nationalitäten sind auch innerhalb der Arbeitsgruppen ganz gemischt, da kann man alle Sprachen sehr gut lernen.“ Hauptsächlich wird Englisch gesprochen, viele können noch Spanisch und Französisch. Und zur Not gibt es immer jemanden, der gerne dolmetscht.

Sich der Verantwortung in der Gesellschaft bewusst werden

Um die Ergebnisse vorzustellen und die Woche entspannt ausklingen zu lassen, ist am Montag, 18. Juli, ab 18 Uhr ein bunter Abend im Jugend- und Kulturzentrum an der Sandgasse 26 geplant. Gern gesehen ist jeder, der kommen und vielleicht im nächsten Jahr dabei sein möchte.

„Wir haben hier eine tolle Gruppe“, freut sich Barbara Leissing. Es herrsche überhaupt keine Skepsis gegenüber den anderen - im Gegenteil: „Schon am ersten Abend wurde hier gemeinsam gespielt und musiziert.“ Sie hofft, dass sich die Gruppendynamik weiter so positiv entwickelt und jeder etwas von der Woche mitnimmt. „Die Jugendlichen sollen sich ihrer Verantwortung in der Gesellschaft bewusst werden“, sagt Leissing. „Jeder von uns prägt seine Stadt. Offenbach mit seinen vielen unterschiedlichen Kulturen ist dafür ein sehr gutes Beispiel.“ Auf Ausflügen soll diesem Einfluss der Kulturen auf den Grund gegangen werden. Gemeinsam wird eine marokkanische Moschee besichtigt, der Wochenmarkt besucht und es gibt einen Ausflug nach Frankfurt. „Unsere ausländischen Gäste sollen aber auch die deutsche Natur kennenlernen, darum fahren wir auf den Vogelsberg“, sagt Mitorganisatorin Miriam Clench.

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