Letztmalig mit Granulat

Kunstrasenplatz in Bieber-Waldhof für 300 .000 Euro erneuert

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Der neu eröffnete Kunstrasenplatz in Bieber-Waldhof.

Die Freude ist groß bei den Sportlern der Germania Bieber: Ihr neuer Kunstrasenplatz am Sportgelände im Offenbacher Stadtteil Bieber-Waldhof wurde eröffnet. 

Offenbach – „Der vorige Platz war schon ziemlich fertig“, sagt Germania-Vorsitzender Andreas Neumann. Nahe des Elf-Meter-Punktes habe es etwa ein Loch gegeben, das immer wieder verklebt werden musste. „Es war zuletzt schon ein Sicherheitsrisiko, auf dem Platz zu spielen. “.

Damit ist nun Schluss, für 300. 000 Euro hat die Stadt den Sportplatz erneuern lassen. „Dass in Zeiten knapper Kassen eine Stadt für Sportvereine Geld in die Hand nimmt, ist nicht selbstverständlich“, sagt Germania-Geschäftsführer Klaus-Peter Keller. Zumal die Germania mit Kunstrasen ohnehin privilegiert ist, wie er sagt. 

Offenbach: Kunstrasenplatz in Bieber-Waldhof erneuert - Wenig Pflege notwendig

Denn bereits 1982 wurde an gleicher Stelle der erste Kunstrasenplatz der Stadt eröffnet, damals eine Sensation. „Da kamen Vereine und Sportler von überall her, um bei uns auf dem Platz mal zu trainieren“, erinnert sich Keller. 2001, zum 100-jährigen Bestehen der Germania, wurde der Platz zuletzt erneuert.

Die einstigen sportlichen wie gesundheitlichen Bedenken gegen Kunstrasen – der Ball würde zu schnell darüber gleiten und die Gelenke der Sportler zu stark belastet – sind längst verstummt. Über 5000 Kunstrasenplätze gibt es in Deutschland. Ihr Vorteil: Sie müssen weder gedüngt werden, noch müssen Schonzeiten für die Pflege eingehalten werden.

Kunstrasenplatz in Bieber-Waldhof: Kritik an Granulat - Gefahr durch Mikroplastik

Allerdings ist das Granulat, mit dem die Kunstrasenplätze verfüllt werden, seit geraumer Zeit in Verruf geraten. Denn das darin enthaltene Mikroplastik kann in das Grundwasser gelangen und letztlich in den menschlichen Organismus. Europaweit wird ein Verbot zur Verminderung der Gefahr durch Mikroplastik diskutiert. „Der Beschluss zur Erneuerung des Platzes ist im vergangenen Jahr gefallen, seitdem hat das Thema Mikroplastik eine neue Dynamik entfaltet“, sagt Manfred Ginder, Leiter des städtischen Sportmanagements. 

Eröffneten den Kunstrasenplatz: Germania-Geschäfstführer Klaus-Peter Keller, Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel und OB Felix Schwenke (von links).

Da die Planung für die Sanierung bereits weit vorangeschritten war, als ein mögliches EU-weites Verbot diskutiert wurde, habe sich die Stadt dazu entschlossen, den Platz noch mit dem Granulat zu verfüllen, sagt auch Oberbürgermeister und Sportdezernent Felix Schwenke. „Ich bin mir auch sehr sicher, dass wir, selbst wenn ein Verbot für das Granulat kommt, die bereits bestehenden Plätze noch ‘fertigspielen’ können und sie nicht sofort schließen müssen“, sagt Schwenke.

Kunstrasenplatz in Offenbach erneuert: Platz am Eichwaldweg kommt als nächstes

Fünf Kunstrasenplätze gibt es in Offenbach: Zwei im Sana-Sportpark, jeweils einen am Eichwaldweg, auf der Rosenhöhe und in Bieber, außerdem soll in Rumpenheim ein weiterer im kommenden Jahr angelegt werden. „Der neue in Rumpenheim und der Platz am Eichwaldweg, der als nächstes zu sanieren ist, werden dann aber nicht mehr mit Granulat verfüllt“, sagt Ginder, „der Platz in Bieber war seinerzeit nicht nur der erste Platz mit Granulat in der Stadt, er ist auch definitiv der letzte, der damit angelegt wird.“

Allerdings ist die Stadt noch auf der Suche nach Alternativen. „Kork wäre eine Option, aber der wird bei Starkregen schnell herausgewaschen“, sagt Ginder. Ende des Monats wird das Sportamt daher eine Exkursion nach Abtsteinach in den Odenwald unternehmen. Die dortige SG Unter-Abtsteinach besitzt nämlich einen neuangelegten Kunstrasenplatz, der ohne Füllmaterial auskommt und bundesweit Beachtung fand. Ginder hofft, dass das dortige Verfahren auch für Offenbach umsetzbar ist. „Wir möchten keine Experimente in Offenbach, sondern etwas, das sich bereits bewährt hat“, sagt er.

Bieber-Waldhof: Sieben Fußballmannschaften nutzen Kunstrasenplatz 

Für die Pflege des frisch sanierten Platzes der Germania will die Stadt auf eine pragmatische Lösung zurückgreifen: Sollte ein EU-Verbot für das Granulat kommen, so will Offenbach genug Granulat zuvor kaufen, um den Platz noch rund 18 Jahre betreiben zu können. Erst dann wäre eine erneute Sanierung wirtschaftlich rentabel.

Bei der Germania ist man aber auch trotz der Granulat-Frage froh über den Platz. „Die meiste Zeit im Jahr sind unsere beiden Plätze sieben Tage die Woche in Betrieb“, sagt Neumann. Sieben Fußballmannschaften und ein Cricket-Team des knapp 200 Mitglieder zählenden Vereins trainieren regelmäßig auf dem Gelände. Tendenz steigend, denn bekanntlich wird der Stadtteil durch die Neubaugebiete Bieber-Nord und Waldhof-West in den kommenden Jahren weiter wachsen. Für die Sportvereine bedeutet das neue Mitglieder.

„Wir erhoffen uns schon deutlich mehr neue Mitglieder“, sagt Keller. Besonders im Bereich der B- und C-Jugend möchte sich der Verein erweitern. Dann aber kämen die beiden bestehenden Plätze schon an ihre Kapazitätsgrenzen, mit der Stadt müsste gemeinsam nach zusätzlichen Plätzen gesucht werden. „Außerdem braucht es auch weitere Ehrenamtliche, die bereit sind, die Jugendlichen zu trainieren“, sagt Keller.

Von Frank Sommer

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