Studenten nach Offenbach

Deutliche Aufwertung

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So lässt’s sich studieren: In zwei getrennten Häusern ist an der Arthur-Zitscher-Straße künftig Platz für 21 Hochschüler.

Offenbach - Etwa 2800 Studenten wohnen in Offenbach. Für den Oberbürgermeister steht fest: Viel zu wenig. Nun entstehen weitere Wohnungen für Hochschüler. Die GBO will privaten Vermietern Mut machen, diesem Beispiel zu folgen. Von Martin Kuhn

„Wunderbares Wetter, wunderschöner Anlass“, schwärmt der Verwaltungschef. Tja, der gestrige Vormittag hat was, zumal für die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO). Sie baut erstmals für studentische Wohngemeinschaften.

21 Studenten sollen dereinst einziehen in Vorder- und Hinterhaus der Arthur-Zitscher-Straße 6. Die Fertigstellung des 1,7-Millionen-Euro-Projekts (inklusive Grundstückserwerb) ist für Ende Juni 2013 vorgesehen – also rechtzeitig vor Beginn des Wintersemesters.

Mathildenviertel wird Studentenviertel

Es ist sicher eine Lieblingsbeschäftigung aller Politiker: Spatenstechen. Der symbolische Akt steht gemeinhin für einen Neubau, in Offenbach sogar für einen Strukturwandel. Das Mathildenviertel auf dem Weg zum Studentenviertel, so ist die Pressemitteilung zum Termin überschrieben. Braucht’s da nicht etwas mehr, ist das nicht zu weit gegriffen? „Nein“, wehren alle Verantwortlichen ab. Der Anfang sei gemacht: „Das Mathildenviertel hat eine deutliche Aufwertung hinsichtlich der Bewohner- und Angebotsstruktur erfahren.“ Es werde immer mehr zum Standort junger Kreativer und Gründer; nun brauche es den sprichwörtlich langen Atem.

Den hat bekanntlich Horst Schneider, der von dem „zähen Geschäft“ berichtet, Offenbach als Standort in der Rhein-Main-Region zu etablieren. Der Oberbürgermeister ist jedenfalls sicher: „Inzwischen sind wir angekommen am Wohnungsmarkt.“ Und jede neue Wohnung, jedes neue Haus bedeute ein Stück Strukturwandel. Er nennt als Beispiel die großen Wohnbauprojekte Luisenhof, Hafen „und in diesem Jahrzehnt noch Bieber-Nord“. Da fragt die CDU-Stadtverordnete Christel Reichenbach, in Bieber fest verwurzelt, später ungläubig nach: „Hat er eben Jahrhundert gesagt?“

Aber zurück in die weitere Innenstadt: Der Neubau für studentische Wohngemeinschaften an der Arthur-Zitscher-Straße umfasst zwei Gebäude. Im Hinterhaus entstehen auf zwei Etagen drei Maisonette-Wohnungen zu je 78 Quadratmetern mit je drei Zimmern, einer Wohnküche mit Loggia, Duschbad und zusätzlichem WC. Darüber hinaus befinden sich im Erdgeschoss des Hinterhauses zukünftig Auto- und Fahrradstellplätze sowie Technikräume.

Mieter brauchen nur noch Bett, Schrank und Tisch

Im Vorderhaus baut die GBO auf drei Geschossen vier Wohnungen mit je 72 Quadratmetern Wohnfläche. Jede der Wohnungen wird mit drei Zimmern, Wohnküche, Duschbad und zusätzlichem WC ausgestattet. Darüber hinaus erhält jeder Wohnraum Zugang zum Balkon. Überdies sind die Wohngemeinschaften mit einer Einbauküche mit Elektroherd, Kühlschrank und Mikrowelle versehen. Obligatorisch ist ein Internetzugang. GBO-Chef Winfried Männche wirbt bereits: „Die Studenten müssen nur noch Bett, Schrank und Schreibtisch mitbringen.“

Das hört sich gut an, ist jedoch an eine Einschränkung geknüpft: Da das Bauprojekt vom Land mit 590 000 Euro und von der Stadt mit 300 000 Euro gefördert wird, dürfen lediglich Bafög-Bezieher einziehen; vorzugsweise von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, wo derzeit annähernd 600 Studenten eingeschrieben sind. Geplant ist, dass die HfG künftig Mieter vorschlägt.

Der Mietzins für den Neubau an der Arthur-Zitscher-Straße liegt bei etwa 300 Euro, inklusive der Nebenkosten. Weiteres Bonbon: Die GBO verzichtet auf eine Kaution. Zum Vergleich: Ein Student zahlt in Frankfurt pro Monat durchschnittlich 328 Euro Miete.

Unterm Strich ist der Mietzins auf dieser Mainseite geringer, rechnen die verantwortlichen Offenbacher vor. Zudem locken sie mit einer gut getakteten S-Bahn-Verbindung in die Universitätsstadt: „Das geht schneller als aus so manchem Frankfurter Stadtteil.“ Es muss sich dort nur noch rumsprechen...

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