Toys‘R‘Us-Gebäude zentrales Projekt

Gestaltungsbeirat soll Offenbachs Architektur attraktiver machen

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So kennt der Offenbacher den Beton-Klotz: Für Stadtrat Paul-Gerhard Weiß ist es eine Stelle, an der Offenbach in den 1970er Jahren baulich traumatisiert worden ist. Heute erkennt man eine Chance zur Stadtreparatur – mit fachlicher Begleitung des Gestaltungsbeirates.

Offenbach gilt weithin nicht unbedingt als die schönste Stadt Deutschlands. Ein Fachbeirat soll helfen, das zu ändern. Bei Bauprojekten beurteilen sie die Architektur. So etwa beim Toys‘R‘Us-Gebäude.

Offenbach - Über Architektur lässt sich trefflich streiten. Für den Laien gibt’s vermutlich lediglich zwei subjektive Sichtweisen: schön und hässlich. Für Außenstehende ist es sich erst recht fraglich, was ein Gestaltungsbeirat, der im Wortsinn eine rein beratende Funktion hat, für Offenbach bewirken soll? Antwort: Einen zweiten, ungetrübten, aber fachlichen Blick auf Bauentwürfe und -vorhaben, um im Vorfeld Fehler zu vermeiden oder Verbesserungen im Detail erreichen. Eines der ersten Projekte, das sich das Fachgremium betrachtet, steht an zentraler Stelle: das Toys‘R‘Us-Gebäude an Berliner Straße / Ecke Marktplatz.

Offenbach: Fachleute sollen Stadtgestaltung voranbringen

Um es deutlich zu machen: Aufgabe des Beirates ist es nicht, die Arbeit der Architekten-Büros zu übernehmen. Sein Urteil „im frühen Stadium einer Planung ist hilfreich“, urteilt Stadtrat Paul-Gerhard Weiß nach drei Sitzungen, die unter Corona-Bedingungen zuletzt virtuell stattfand. Allerdings beurteilen sie das alles nicht anhand von Plänen oder Bildern. „Wir haben uns auch dieses Gebäude bei einem ersten, weit gefassten Stadtrundgang angesehen“, betont der Frankfurter Architekt Ruben Lang.

Für Bauamts- und Stadtplanungsamtsleiter Simon Valerius liegt ein Vorteil des Beirates darin, „dass alle eine Sprache sprechen, die gleichen fachlichen Hintergründe haben“. Grundlegend wird die Planung positiv bewertet, das Aufbrechen der Gesamtlänge gelobt, die geplante Klinker-Fassade als sehr wertig begrüßt. Dass punktuelle Hinweise für den Ersatz des bisherigen dominanten Betonkörper durchaus dankend angenommen werden, wundert die Beteiligten nicht. „Es liegt doch im Eigen-Interesse des Investors, dass ein solches Projekt später am Markt funktioniert.“

Expertise externer Fachleute

Die Stadtverordneten haben im vergangenen Jahr die Einrichtung eines Gestaltungsbeirates beschlossen. Damit soll die Expertise externer Fachleute in die Stadtgestaltung einfließen. Das Fachgremium soll vor allem bei großen, stadtbildprägenden Bauvorhaben im Hochbau, bei der Verkehrsplanung, der Freiraumplanung oder auch der konzeptionellen Planung für die Gesamtstadt eingebunden werden. Die Stadt verspricht sich davon die bauliche und gestalterische Qualität von Bauvorhaben zu erhöhen. Zudem sollen die Bauherren bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützt und das Bewusstsein für Baukultur in der Öffentlichkeit gefördert werden. Dem Beirat gehören an: die Stadtplanerin Regina Stottrop (Köln), die Landschaftsarchitektin Rebekka Junge (Bochum) sowie die Architekten Martin Haas (Stuttgart), Thorsten Kock (Stuttgart) und Ruben Lang (Frankfurt).

Offenbach: Bei der Neuplanung des Toys‘R‘Us-Gebäudes sind Nuancen entscheidend

Es geht teils um Nuancen, die für den Außenstehenden schlüssig sind. Hier etwa die Frage: Wie belebt man die Erdgeschosse der beiden Baukörper, die die alte Achse Sandgasse / Salzgässchen wieder entstehen lassen und einen kleinen Platz entstehen lassen? „Das muss genau gewählt werden – Restaurants, Cafés...“ Das würde ungesehen jeder Offenbacher unterschreiben. Ob die westliche, dreigegliederte Fassade jedoch eine deutlichere Varianz benötigt, würde ratlose Blicke zurücklassen.

Auch eine vom Beirat vorgeschlagene Überarbeitung der Grundrisse im Sockel des Wohn-Hochhauses dürfte allenfalls künftige Mieter interessieren. Es verdeutlich indes die Funktion des Gestaltungsbeirates: ein zweiter Blick, ein fachliche Frage, Sensibilität wecken, Fehler vermeiden, Punkte ansprechen, die sich in den weiteren verfahren als problematisch erweisen könnten.

Die bisherige Planung der Westseite (ohne Hochhaus): Hier wünscht sich der Beirat ein kräftigeres Fassaden-Raster. Visualisierung: p

Offenbach: Gestaltungsbeirat beeinflusst Kita- und Schulneubau

Es hört sich etwas nach kommunaler Gängelung von privaten Bauherren an, trifft allerdings ebenso städtische Planungen. „Das haben wir uns ganz bewusst selbst auferlegt“, betont Paul-Gerhard Weiß. Ein Beispiel dafür? Gerne: So hat sich der Gestaltungsbeirat die Unterlagen zur Erweiterung der Bachschule um einen Grundschulzweig und den parallelen Neubau einer Kita in der Friedensstraße näher angesehen. Erkenntnisse der externen Blicke: Möglicherweise zwei Gebäude für die Grundschüler, für die Kindertagesstätte eine selbstbewusstere Außen-Aussage.

Die nächste öffentliche Sitzung des Gestaltungsbeirates ist am 6. November vorgesehen – falls es die Corona-Regeln zulassen. Auf der städtischen Homepage ist unter anderem das Protokoll der jüngsten Sitzung hinterlegt. (Von Martin Kuhn)

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