„Da wurde nichts versäumt“

Stadt lehnt Fahrradstreifen auf Sprendlinger Landstraße ab

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Die Deckensanierung der Sprendlinger Landstraße erfolgte stadtauswärts lediglich auf einem Abschnitt von etwa 350 Meter Länge. In diesem Fall hätte die Markierung eines Fahrradstreifens lediglich zu einer „Insellösung“ geführt, die von der Stadt nicht weiter verfolgt wurde.

Offenbach - Es ist selten genug, dass die Stadt oder eine ihrer Tochter-Gesellschaften Geld in die Sanierung der teils maroden Verkehrswege steckt. Falls es dann doch geschieht, ist das Ergebnis auch nicht allen recht. Von Martin Kuhn 

Aktuell kritisiert der ADFC die Fahrbahn-Ausbesserung in der Sprendlinger Landstraße. Der lokale Interessen-Verband vermisst auf dem neuen Belag separate Radfahrstreifen. Der Stadtbaurat sieht das anders: „Da wurde nichts versäumt.“
Was die Firmen auf der viel befahrenen Nord-Süd-Achse eingebaut haben, erzürnt den ADFC. Nicht der Belag als solches oder die ohnehin fehlende Markierung. Nein. Die lokale Gruppe vermisst einen getrennten Radfahrstreifen, der ihrer Meinung nach im Zuge der Arbeiten hätte eingebaut werden müssen. „Fast ein Schildbürgerstreich“, urteilt der ADFC, zumal Offenbach wie viele Städte auf dem Weg sei, „sich um eine Verbesserung der Urbanität seiner Innenstädte zu bemühen, indem sie mehr Sicherheit für Radfahrer schaffen, um Autoverkehr zu reduzieren.“

Dass dabei nicht immer „gerade Wege“ genutzt werden, zeige das Beispiel Sprendlinger Landstraße. Der Vorwurf: Es sei versäumt worden, die vierspurige Straße mit Radfahrstreifen zu versehen. „Und das obwohl ein Beschluss der Stadtverordneten seit 2007 genau dieses fordert“, heißt es in einer Mitteilung des Verkehrsclubs. Bei dieser „groben Auslassung“ einer geplanten Sicherheitsmaßnahme zweifelt der ADFC am Willen der Verwaltung, „inwieweit sie den Sinn der Beschlüsse ihrer politischen Gremien versteht und umzusetzen bereit ist“.

Dass mit dem geplanten Projekt Fahrradstraßen parallel auf der Schumannstraße (100 Meter Luftlinie entfernt) eine „Piste“ den Radlern Priorität gewähren soll, ändert nichts an der ADFC-Position. Sprecher Wolfgang Christian sagt: „Die Radfahrstreifen auf der Sprendlinger Landstraße – und auch auf den anderen Ausfallstraßen in Offenbach – werden für den Zielverkehr benötigt. Die Arbeitsplätze und die Geschäfte in der Sprendlinger Landstraße sind ohne diese Radfahrstreifen nicht gefahrlos zu erreichen.“ Ein Radfahrstreifen und eine parallele Fahrradstraße würden sich ergänzen: „Beide sind notwendig, um den Radverkehrsanteil in der Stadt zu erhöhen.“

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„Es ist nicht alles so einfach, wie es manchem erscheint. Seitens der Verkehrsplanung wurde nichts versäumt, sondern bewusst und sachlich begründet gehandelt“, sagt hingegen Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. Die Förderung des Radverkehrs durch Schaffung besserer Bedingungen werde mit Nachdruck vorangetrieben – selbstverständlich innerhalb der finanziellen und personellen Möglichkeiten. Der FDP-Politiker nennt die Freigabe von Einbahnstraßen für Radfahrer, Lückenschlüsse und Netzergänzungen (etwa in der Parkstraße). Des Weiteren wurden im Zuge sogenannter Mitgehmaßnahmen der Lückenschluss Marien-/Bismarckstraße sowie der Angebotsstreifen in der Bismarckstraße (zwischen Kaiser- und Rathenaustraße) und der Buchhügelallee (süd-östlich des Spessartrings) umgesetzt. Man bemühe sich, geeignete Sachen „mitzumachen“.

Eine solche „Mitgehmaßnahme“– also Umsetzung von Maßnahmen zeitgleich mit anderen baulicher Maßnahmen – funktioniere aber nicht immer. „Weil in Teilen der Sprendlinger Landstraße Deckensanierungen anstanden, erwarteten das einige Leute auch hier. Das ging dort aber nicht“, sagt Weiß.

Eine Änderung der Straßenraumaufteilung sei stets mit einem Nachweis der „verkehrlichen und verkehrstechnischen Funktionsfähigkeit“ verbunden. Konkret ist der Nachweis zu erbringen, dass der Verkehr sicher und leistungsfähig abgewickelt werden kann – in diesem Fall mittels nur noch eines überbreiten Fahrstreifens je Richtung für Autos.

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Eine Verkehrszählung, die sowohl für den Nachweis der Leistungsfähigkeit als auch für die Neukonzeptionierung der Ampelanlagen als Grundlage dient, sei bereits erfolgt. Daher wäre eine Bearbeitung „des politischen Auftrags“ möglich. Aufgrund der erhöhten Bautätigkeit in Offenbach (Umbau Kaiserlei, Nordring, Ausbau der Bushaltestellen) und vielfältiger Projekte zur Förderung des Radverkehrs seien aber die Kapazitäten im Referat Verkehrsplanung ausgeschöpft.

„Dennoch sind wir bemüht Synergien zu nutzen und Vorhaben zu koordinieren“, betont Paul-Gerhard Weiß. In diesem Fall hätte dies jedoch nur zu einer „Insellösung“ geführt, da die Deckensanierung nicht auf der gesamten Sprendlinger Landstraße erfolgte. „Eine folgerichtige Fortführung der Angebotsstreifen in beiden Fahrtrichtungen würde massive Demarkierungs- und entsprechende Phantommarkierungen nach sich ziehen, die auch aus Sicht der Instandhaltung der Straßen und der damit einhergehenden Sicherungspflicht unverhältnismäßig ist“, schließt er.

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