Im Griff der "Grünfinger"

Offenbach präsentiert Ergebnisse des Ideenwettbewerbs für Waldhof-West

Umgeben von Grün sieht der Entwurf, der beim Ideen-Wettbewerb den ersten Platz errungen hat, einen Verbund von Wohnhöfen vor, die sich wie Arme vom Bestand strecken. Die Goldbergstraße soll verlängert werden und in einen Platz (Pfeil) für alte und neue Anwohner münden. Fotos: Mei
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Umgeben von Grün sieht der Entwurf, der beim Ideen-Wettbewerb den ersten Platz errungen hat, einen Verbund von Wohnhöfen vor, die sich wie Arme vom Bestand strecken. Die Goldbergstraße soll verlängert werden und in einen Platz (Pfeil) für alte und neue Anwohner münden.

Noch bevor die Städteplaner und Architekten auch nur einen einzigen Bleistiftstrich veröffentlicht hatten, wurde bereits diskutiert. VON MARIAN MEIDEL

Offenbach - Anwohner von Waldhof-West brachten vor allem ihre Sorge um die örtliche Natur zum Ausdruck, sollten dort, wie geplant, 600 neue Wohneinheiten entstehen (wir berichteten). Zu diesem Zweck hatte die Stadt einen baulichen Ideenwettbewerb ausgerufen. Seit Montag sind dessen Ergebnisse im Bernardbau ausgestellt – und die Debatte hat eine etwas konkretere Grundlage.

Offenbach: Der erste Platz für Verbund mehrerer Wohnhöfe

Den ersten Platz hat die Experten-Jury um Stadtplaner Franz Pesch an Björn Severin vom Düsseldorfer Architekturbüro „Rheinflügel Severin“ und Susanne Weihrauch von „[f] Landschaftsarchitektur“ verliehen. Deren Konzept sieht für Waldhof-West einen Verbund mehrerer Wohnhöfe vor. „Zwei Grünfinger greifen unterschiedlich weit in das Quartier hinein“, heißt es im Ausstellungstext. „In der Spitze des nördlichen Fingers vermittelt ein zentraler Platz zwischen Urbanität und Landschaft.“ Ein Parkhaus, etwa 300 Meter vom am weitesten entfernten Gebäude gelegen, soll die Stellplatzsituation lösen, ein Blockheizkraftwerk die angedachte Energieversorgung durch Photovoltaik-Anlagen ergänzen. 

Glückliche Sieger: Susanne Weihrauch (mit Nachwuchs) und Björn Severin setzten sich mit ihrem Entwurf durch. ©Meidel

Björn Severin fügt an: „Wir haben vor Ort festgestellt, dass es einen tollen Landschaftsbestand gibt.“ Darum sehe der Entwurf den Kern der Bebauung nur dort vor, wo landwirtschaftliche Flächen lägen. Baumbestand und Co. sollen unangetastet bleiben. „Unser Entwurf kommt deshalb relativ kompakt daher und schmiegt sich stark an die Waldhof-Seite an.“ Der nördliche Teil der Goldberg-Straße soll nach Westen fortgesetzt werden und in den bereits erwähnten zentralen Platz münden. „Dieser soll nicht nur ein Angebot für die neuen Bewohner darstellen, sondern auch für die bereits vorhandenen.“ Severin stellt sich für den Platz beispielsweise ein Eiscafé vor, von dem aus sich die angrenzende Natur bewundern lässt.

Offenbach: Keine zwingende Realisierung der Ideen

Zwingend realisiert werden diese Ideen allerdings nicht. Baudezernent Paul-Gerhard Weiß betont: „Es wird nicht eins zu eins umgesetzt, aber es ist zumindest eine Empfehlung, sich damit tiefer zu beschäftigen.“ Gebaut werde aber in jedem Fall, so Weiß. Das gebiete der enorme Siedlungsdruck.

Den zweiten Platz belegen „Hille Architekten + Stadtplaner“ aus Ingelheim sowie der Koblenzer Landschaftsarchitekt Frank Schwaibold. Ihr Konzept sieht einen Gebäudegürtel als beinahe buchstäblichen Brückenschlag zwischen Waldhof und Bieber vor. Durch einen Strang aus Häusern wachsen in diesem Entwurf die Stadtteile zusammen.

Drittplatziert sind das Düsseldorfer Architekturbüro Thomas Schüler sowie die „Faktorgruen Landschaftsarchitekten“ aus Freiburg. Sie verfolgten den Ansatz, Waldhof baulich zu ergänzen und gleichzeitig einen durchlässigen Rand zur Natur hin auszubilden.

Offenbach: Janat begutachtet Pläne der Teilnehmer

Auch Peter Janat, Sprecher der Bürgerinitiative „NATÜR(lich) Bieber-Waldhof“, die sich im Vorfeld öffentlichkeitswirksam gegen die städtischen Bebauungsabsichten gesträubt hatte, begutachtet die Pläne der Wettbewerbsteilnehmer am Montagabend. Die ersten Eindrücke stimmen ihn eher versöhnlich: „Die Planer haben sich wirklich Mühe gegeben und festgestellt: Es gibt dort wertvolle Biotope – alles, was wir auch schon gesagt haben.“ Auch den Wegebeziehungen habe man entscheidende Bedeutung beigemessen. Dennoch sieht Janat nach wie vor einen großen Kritikpunkt: „Die Fläche, die bebaut werden soll, ist die Kaltluftschneise für Offenbach.“ In der nächsten Woche wolle die BI die Pläne diskutieren und sich beratschlagen. Bevor dies nicht geschehen ist, will Janat sich nicht offiziell äußern. Am Mittwoch, 6. November, 17 Uhr, gibt es für die Mitglieder der Bürgerinitiative eine Führung durch die Ausstellung im Bernardbau.

Wer sich selbst eine Meinung bilden will: Die Konzepte der Planer sind noch bis Freitag, 8. November, im Bernardbau, Herrnstraße 63, ausgestellt. Öffnungszeiten sind montags bis mittwochs von 12 bis 14 und 16 bis 18 Uhr sowie donnerstags und freitags von jeweils 15 bis 20 Uhr.

Währenddessen hat auch die Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach neue Konzeptideen für die Zukunft der Stadt vorgestellt, unter anderem eine neue Straßenbahn ohne Schienen oder eine mobile Fahrradstation.

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