Erbe soll Kindern helfen

Die Stadt Offenbach überträgt ihr Nachlassvermögen auf Bürgerstiftung

Die Stadt Offenbach will ihr Nachlassvermögen der Bürgerstiftung übertragen: Das Erbe soll Kindern helfen. (Symbolbild)
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Die Stadt Offenbach will ihr Nachlassvermögen der Bürgerstiftung übertragen: Das Erbe soll Kindern helfen. (Symbolbild)

Nicht nur Menschen können erben, sondern auch Städte. Und nun will die Stadt Offenbach ihr Erbe weitergeben.

Offenbach – Die Stadt Offenbach ist in der Vergangenheit immer mal wieder als Erbe bedacht worden und verfügt derzeit über ein Nachlassvermögen in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro, das bei der Städtischen Sparkasse in Form von Sparzertifikaten angelegt ist und entsprechend verzinst wird. Im Gegenzug hat sich die Stadt verpflichtet, die Unterhaltung der Grabstätten der Erblasser zu übernehmen. Nun soll das Nachlassvermögen auf die Bürgerstiftung Offenbach übertragen werden.

Stadtsprecher Fabian El Cheikh: „Zuletzt wurde im Jahr 2018 eine Sachspende in Form von Gemälden an die Stadt vererbt. Im städtischen Nachlassvermögen befinden sich aktuell Erbschaften von etwa zehn bis 15 Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Offenbach.“

Die Beweggründe, die Stadt als Erben einzusetzen, gingen aus den Testamenten zumeist nicht hervor, aber es sei davon auszugehen, dass die Bürger einen besonderen Bezug zur Stadt selbst hatten oder sonst keine Hinterbliebenen zurückließen. „Teils wurden Erbschaften aufgrund zu übernehmender finanzieller Verpflichtungen – also von Schulden der Verstorbenen – in der Vergangenheit auch ausgeschlagen“, so El Cheikh. Wie aus einer aktuellen Magistratsvorlage zu entnehmen ist, fallen die erwirtschafteten Zinsen des gesammelten Nachlassvermögens aufgrund der aktuellen Zinssituation so gering aus, dass die Stadt momentan keine Projekte durch sie finanzieren kann. Die Zinserträge werden derzeit nur zur Finanzierung der Grabpflege herangezogen.

Mit der Übertragung des Nachlassvermögens soll nun festgelegt werden, dass sie überdies zur Finanzierung des Projekts Diesterweg-Stipendium zu verwenden sind. Wird das Projekt eingestellt, kann die Stadt neu über eine Verwendung der Erträge des Stiftungsbetrages bestimmen.

Das Diesterweg-Stipendium ist das erste Bildungsstipendium in Deutschland, das Kinder zusammen mit ihren Eltern unterstützt. Es wurde 2008 von der Stiftung „Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main“ ins Leben gerufen. Das Stipendium soll dazu dienen, Kindern beim Übergang von der Grund- in die weiterführende Schule zu helfen und Eltern nachhaltig in der Bildungsbegleitung ihrer Kinder zu stärken. Es bietet einerseits die Förderung der Kinder und integriert andererseits die ganze Familie mit einem umfassenden Bildungsprogramm. Ein zentrales Element des Programms ist die Förderung der Sprachkompetenz. Ziel des Stipendiums ist es, auf diese Weise den Übergang in die weiterführende Schule zu meistern und den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter zu gehen.

Die Bürgerstiftung garantiert neben der Finanzierung der Grabpflege und der Umsetzung des Stipendiums die Sicherung des aktuellen Bestandes des Nachlassvermögens. Ausgaben zur Finanzierung werden einzig aus den erwirtschafteten Zinserträgen getätigt. Der derzeitige Bestand des Nachlassvermögens bleibt unangetastet. 

mei

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