"Überall ein Problem" 

Lehrermangel, Ausfälle, Sanierungen - Das fordert die Offenbacher Elternvertretung jetzt 

Nicht nur in Offenbach, in ganz Hessen mangelt es an Lehrkräften. Der Offenbacher Stadtelternbeirat Rolf Joachim Rebell kritisiert im Interview den zunehmenden Unterrichtsausfall.
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Nicht nur in Offenbach, in ganz Hessen mangelt es an Lehrkräften. Der Offenbacher Stadtelternbeirat Rolf Joachim Rebell kritisiert im Interview den zunehmenden Unterrichtsausfall.

Manch Schulleiter kann ein Lied davon singen: Die Personalplanung fällt zunehmend schwer. Der Offenbacher Stadtelternbeirat Rolf Joachim Rebell kritisiert im Interview den zunehmenden Unterrichtsausfall.

Offenbach – Da ist vieles schon "Spitz-auf-Knopf" kalkuliert, und wehe, es rollt noch eine Krankheitswelle auf die Schule zu, die einen oder gar gleich mehrere Kollegen "außer Gefecht" setzt. Von Schwangerschaften oder länger andauernden Krankheiten ganz zu schweigen. Wie stark macht sich der Lehrermangel in der Stadt Offenbach bemerkbar? Und was fordern die Eltern? Darüber haben wir mit Rolf Joachim Rebell, Vorsitzender des Stadtelternbeirats (SEB) Offenbach, gesprochen.

Laut GEW fehlt es in Hessen an Lehrern – ist das auch in Offenbach ein Problem?

Rolf Joachim Rebell: Das ist überall ein Problem, in der Stadt wohl ein größeres als im Kreis. Neue Lehrer entscheiden sich bei der Einstellung oftmals eher für Schulen im Kreis als in der Stadt Offenbach. Hier gibt es in einigen Schulen doch größere Brennpunkte als außerhalb von Offenbach.

Welche Schulformen und Fächer sind besonders betroffen?

Rolf Joachim Rebell: Dazu kann ich keine Aussage treffen, hier liegen mir keine Informationen vor.

Offenbach: Rebell betont: Schule fehlen ausreichend Fachkräfte

Was sind die Folgen des Lehrermangels?

Rolf Joachim Rebell: Das Kultusministerium in Wiesbaden betont, dass die Schulen in Hessen eine Lehrerversorgung von 105 Prozent haben. Dies widerspricht einer Studie, die der Landeselternbeirat mit Hilfe der Landesschülervertretung im vergangenen Schuljahr erhoben hat. Diese Umfrage zeigt, dass Unterrichtsausfall an Hessens Schulen Alltag ist und Schulen hier mit verschiedenen Ansätzen versuchen, diesem zu begegnen. Je nach Schulform fällt der Unterricht ersatzlos aus oder die Kinder und Jugendlichen werden fachfremd beziehungsweise von fachfremdem Lehrpersonal betreut. Ersatzunterricht im jeweiligen Fach durch entsprechende Fachkräfte findet in den meisten Fällen nicht statt.

Mit welchen Problemen haben Offenbacher Schulen außerdem zu kämpfen?

Rolf Joachim Rebell: Neben dem Lehrermangel, der dem Kultusministerium bekannt ist, sind die Sanierungen der Schulen aus Sicht des Stadtelternbeirats das dringlichste Problem. Hier stocken die Zeitpläne seit Jahren, notwendige Vorhaben werden immer weiter in die Zukunft gelegt. Dies hat zum Teil mit der Finanzierung zu tun, zum Teil aber sind auch Gelder bereits bewilligt, nur fehlt es an Personal, um diese Sanierungen umzusetzen. Und zudem kommen mit dem Neubau der Grundschule Bieber Nord und eines vierten Gymnasiums neue Projekte dazu, die Vorrang gegenüber einzelnen Sanierungen haben.

Rebell fordert: Schule benötigt mehr Geld - auch in Offenbach

Was fordert der Schulelternbeirat in Offenbach, um die Lage zu verbessern?

Rolf Joachim Rebell: Wir pflegen gute Kontakte zum Staatlichen Schulamt und auch zur Stadt. Wir können und wollen keine utopischen Forderungen stellen. Was die Lehrerversorgung anbelangt, sind alle Verantwortlichen gefordert, auch bei Land und Bund. Die Studienplatzzahlen und die Ausbildungsplätze im Referendariat müssen erhöht und Grundschullehrer besser bezahlt werden. In Finnland, einem Vorzeigeland was die schulische Ausbildung angeht, können Abiturienten vor der Aufnahme eines Lehramtsstudiums im Rahmen eines "praktischen Jahres" als Assistenzkräfte im schulischen Alltag arbeiten. Es muss einfach mehr Geld in das System gebracht werden. 

Rolf Joachim Rebell, Vorsitzender des Stadtelternbeirats in Offenbach. 

Zum Beispiel wäre es möglich, qualifizierte Assistenzkräfte für jede Schule – oder auch mehrere im Verbund – zwecks zuverlässiger Wartung von technischer Ausrüstung eingestellt werden, doch die Gehälter in der freien Wirtschaft sind deutlich höher, sodass diese Stellen kaum besetzt werden können. Verbessert werden muss auch die Zusammenarbeit mit den Beiräten der einzelnen Schulen. Noch ist bei vielen zu wenig über unsere Arbeit bekannt, über unsere Möglichkeiten, über den Landes- oder sogar den Bundeselternbeirat Einfluss zu üben. So ist zum Beispiel das Hessenticket für Schüler für einen Euro am Tag nur dank jahrelangen Bohrens seitens des Landeselternbeirats durchgegangen. Und der drängt weiter, damit dieses Ticket künftig einmal komplett kostenfrei angeboten wird.

Das Gespräch führte

Niels Britsch

Unterdessen soll der Erweiterungsbau der Humboldtschule in Offenbach bis 2022 fertiggestellt sein.

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