Ausweichquartiere gesucht

Offenbacher Stadthalle in Corona-Zeiten beliebt

In der Stadthalle können laut Hygienekonzept bis zu 250 Personen tagen.
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In der Stadthalle können laut Hygienekonzept bis zu 250 Personen tagen.

Die Regionalversammlung Frankfurt-Rhein-Main hat es schon gemacht, die Evangelische Stadtsynode Frankfurt und Offenbach wird es Mitte September tun: Veranstaltungen der großen Nachbarstadt ziehen in die Offenbacher Stadthalle, um dort auch in Corona-Zeiten tagen zu können.

Offenbach - Bedingt durch die Corona-Abstandsregeln suchen Kommunen, Verbände und Organisationen nach geeigneten Räumlichkeiten für größere Veranstaltungen. Fortbildungsseminare von Innungen etwa, die zuvor in relativ kleinen Räumen problemlos zu organisieren waren, sind in ihrer bisherigen Form vorerst nicht mehr denkbar. Und Großveranstaltungen sind ohnehin nur noch auf deutlich abgespeckte Weise zu realisieren.

Die Offenbacher Stadthalle, sonst gern für Konzerte und andere Großveranstaltungen genutzt, rückt nun vermehrt für Tagungen und Sitzungen in das Blickfeld. Dank eines eigens entwickelten Hygiene- und Bestuhlungskonzeptes dürfen sich bis zu 250 Personen im großen Saal aufhalten. „Wir haben ein spezielles Wegesystem entworfen, damit auch die Abstände immer gewahrt bleiben“, sagt Silke Simon vom Organisationsteam der Stadthalle.

Ein Konzept, das gefragt ist: Da die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im Juli dort reibungslos verlief, hat die Stadt für die übrigen Termine des Stadtparlaments bis Jahresende die Stadthalle reservieren lassen - im Rathaus gäbe es für eine Vollversammlung unter Einhaltung der Abstands- Hygieneregeln keinen Raum. Der Stadtverordnetensitzungssaal dient dem Krisenstab als ständige Zentrale und entfällt damit auf unbestimmte Zeit – außerdem könnten in ihm die Abstandsregeln nicht eingehalten werden.

In der Stadthalle ist das freilich kein Problem: Mit 1200 Quadratmetern Fläche im Saal und weiteren 600 Quadratmetern im Foyer gibt es genügend Platz, damit auch große Veranstaltungen unter Berücksichtigung der geltenden Corona-Regeln abgehalten werden können. So ist geplant, dass ab Oktober dort das Amtsgericht Offenbach die Zwangsversteigerungen durchführt oder die Frankfurter Rechtsanwaltskammer ihre Tagung abhält. Auch das Regierungspräsidium Darmstadt hat die Halle für Veranstaltungen gemietet.

Da die Einhaltung der Corona-Auflagen mit Kosten verbunden sind, gilt für die Miete eine besondere Corona-Preisliste: Und dennoch scheint Offenbach damit wesentlich günstiger zu sein als andere Hallen der Region, wie von einigen der potenziellen Mietern zu hören ist: Besonders die Frankfurter Jahrhunderthalle soll, glaubt man deren Aussagen, die Preise derart angezogen haben, dass die Offenbacher Stadthalle trotz suboptimaler S-Bahn-Anbindung gern angemietet wird.

Doch nicht nur die Stadthalle, auch die Säle Offenbacher Kirchengemeinden sind in Corona-Zeiten für Tagungen beliebt. So hat die Stadt den Saal der Evangelischen Johannesgemeinde für sämtliche Ausschusssitzungen reserviert. Ob die Ausschüsse tagen können, entscheidet sich jedoch kurzfristig und hängt von den Corona-Fallzahlen ab. Im Rathaus, so heißt es aus dem Stadtverordnetenbüro, gäbe es jedenfalls keine geeigneten Räume.

„Es gibt einige Anfragen für unseren Saal, aber wir können schon personell nicht alle bedienen“, sagt Pfarrer Thomas Jourdan. Schließlich gebe es ein striktes Hygiene- und Lüftungskonzept, das für die Gemeinde sehr aufwendig in der Umsetzung sei. „Aber etwa Hauseigentümerversammlungen sind bei uns möglich“, sagt Jourdan.

Ähnlich schaut es bei der Katholischen Gemeinde St. Marien aus: Der Mariensaal in der Krafftstraße werde häufig angefragt, heißt es aus der Gemeinde. Auch hier seien es gerade Eigentümerversammlungen, die in die Gemeinde ausweichen, da sie sonst nicht tagen könnten.

Da die Hygienekonzepte umfangreiche Reinigungsarbeiten vorsehen, dürfte von den Mieteinnahmen nach Abzug aller Verbindlichkeiten nur wenig für die Gemeinden übrig bleiben. Allerdings könnte die Nachfrage in anderer Hinsicht hilfreich sein: Da besonders die Mitgliedszahlen der Innenstadt-Gemeinden in den vergangenen Jahren stark geschrumpft sind, stehen die Gemeinden wegen ihrer Räumlichkeiten unter Druck: Die Kirchenverwaltungen erachten diese als zu groß.

Vielleicht, so ist aus mehreren Offenbacher Kirchengemeinden zu hören, bewirkt Corona ein Umdenken: Schließlich sind nun etliche Organisationen froh, dass es überhaupt noch große Säle gibt, in denen unter Berücksichtigung von Abstandsregeln Veranstaltungen abgehalten werden können. Nicht alle haben das nötige Geld, um sich wie die Frankfurter CDU gleich ein ganzes Fußballstadion für einen Parteitag zu mieten...

Von Frank Sommer

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