In der Wache wird es eng

Stadtpolizisten sollen sich in ehemaliger Bar umziehen

In der Herrenumkleide ist kein Platz für weitere Spinde.
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In der Herrenumkleide ist kein Platz für weitere Spinde.

Sie sind da, wenn es um Ruhestörung geht oder wenn illegal Müll entsorgt wurde. Sie erteilen Platzverweise, sind bei Spielen auf dem Bieberer Berg im Einsatz oder Überwachen den Verkehr in der Stadt. Die Mitarbeiter der Stadtpolizei haben eine Vielzahl von Aufgaben.

Offenbach – Allerdings stand die Personaldecke der Stadtpolizei bislang in keinem Verhältnis zur langen Aufgabenliste. Dass die Stadtwache rund um die Uhr geöffnet hat, ist noch Zukunftsmusik: Montags bis samstags sind die Stadtpolizisten von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts im Einsatz, sonntags gar nicht.

„Das entspricht weder den Erfordernissen noch dem Verhalten und dem Anspruchsdenken der Bürger“, sagt Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU). Durch Personalaufstockung soll spätestens Mitte 2020 ein 24-Stunden-Dienst an allen sieben Wochentagen eingeführt werden. Bereits in den vergangenen Jahren wurde die Stadtpolizei auf aktuell 33 Stellen aufgestockt, bis Mitte kommenden Jahres werden weitere elf hinzukommen.

„Die ersten sechs neuen Mitarbeiter sind bereits für die Ausbildung da, fünf weitere kommen zum 1. Januar“, sagt Ordnungsamtsleiter Peter Weigand. Erfolgt der Dienst bisher in einem Zwei-Schicht-Modell mit drei Dienstgruppen, so wird momentan an einer neuen Einteilung gearbeitet, die einen 24-Stunden-Dienst an allen sieben Wochentagen gestattet.

Die Personalaufstockung bedeutet aber auch, dass es in der ohnehin nicht sonderlich großen Wache noch enger wird. Als das Haus 2005 bezogen wurde, gab es lediglich 14 Stadtpolizisten – bald sind es mehr als 40. Nun sind diese zwar nicht alle gleichzeitig im Dienst, aber in den Räumlichkeiten ist Zusammenrücken angesagt. Zumal die Arbeit keine einfache ist. „Die Aufgaben erfordern ein hohes Maß an rhetorischem Geschick und Durchsetzungsvermögen, insbesondere im Umgang mit schwierigem Publikum“, schrieb die Stadt in ihrer Stellenausschreibung zur Besetzung der vierten Dienstgruppe.

Der Bereich der Stadtwache an der Berliner Straße, den auch Besucher zu Gesicht bekommen, ist hell und groß. Ganz anders die Umkleiden und Sozialräume, hier muss auf engstem Raum agiert werden. Durch Uniformzubehör wie etwa Schutzwesten reicht ein Spind pro Person nicht aus, für jeden Mitarbeiter sind Doppelspinde nötig. Um die alle unterzubringen, wurden die Umkleiden auf vier Räume verteilt, die teilweise gleichzeitig auch als Aufenthaltsraum dienen. Zwar gibt es Duschen und eine Küchenzeile für die Mitarbeiter, für warmes Wasser ist aber ein Boiler nötig.

Allerdings ist Abhilfe in Sicht: Die Stadt plant, leer stehende Räumlichkeiten einer ehemaligen Bar auf der Rückseite des Hauses anzumieten und dort die Umkleiden für die Stadtpolizisten unterzubringen. „Das würde die Situation deutlich entspannen“, sagt Weigand.

Die 2005 bezogene Stadtwache an der Berliner Straße ist für die inzwischen mehr als 30 Mitarbeiter zu klein geworden

„Eine direkte Verbindung zwischen Stadtwache und den Bar-Räumen gibt es nicht, aber den Mitarbeitern wäre mit dieser Lösung sehr geholfen“, sagt auch Stadtpolizei-Leiter Pascal Becker. Auch der Gewerkschaft der Polizei ist die Situation in der Stadtwache bekannt. Personal sei aufgestockt worden, doch die Räumlichkeiten eben nicht gleichzeitig, sagt Stefan Wagner, Vorsitzender der Kreisgruppe Offenbach. Mit dem Ausweichquartier sei immerhin eine Besserung in Sicht. „Bis dahin heißt es leider, die Zähne zusammenzubeißen“, sagt Wagner.

Vergessen hätte der Magistrat die Stadtpolizisten nicht, betont Weigand. „Auch den Stadtverordneten ist unsere Situation bekannt – es gibt auch Pläne für eine Lösung, nur dauert die eben.“

Tatsächlich ist bereits vor Jahren, im Zuge der Diskussion des Neubaus des Polizeipräsidiums, eine gemeinsame Wache für Polizei und Stadtpolizei in der Innenstadt ins Spiel gebracht worden. Raum dafür gäbe es auch in den Geschossen über der jetzigen Stadtwache. Während das Erdgeschoss dann den Besucherbereich beherbergen würde, könnten die Aufenthalts- und Umkleideräume im Obergeschoss untergebracht werden, auf einem anderen Stockwerk die nötigen Büros für den Innendienst.

Eine Lösung, die den Mitarbeitern der Stadtpolizei wie auch der Gewerkschaft gefällt. „Die Planung dauert leider“, sagt Weigand. Die Mitarbeiter der Stadtpolizei hoffen, dass die Stadtverordneten noch in diesem Jahr eine Entscheidung in der Sache treffen.

Eng wird es auch an anderer Stelle: Bereits Ende November soll wieder ein Freiwilliger Polizeidienst in Offenbach auf Streife gehen. Da aber sowohl bei den Polizeistationen als auch bei der Stadtwache der Platz für die zunächst zehn Freiwilligen fehlt, muss im Rathaus ein Ausweichquartier für die Umkleide eingerichtet werden.

VON FRANK SOMMER

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