Kosten explodieren

Finanzdebakel: Stadtwerke haben sich bei der Einstellung neuer Busfahrer total verkalkuliert 

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Stadtwerke Offenbach haben sich verkalkuliert (Symbolbild)

Grund sind Mehrkosten bei der Rekrutierung von Busfahrern in Folge der Ausweitung des Nahverkehrsangebots. Statt geplanter 50 zusätzlicher Fahrer sind nun 74 Buslenker – laut anderer Quellen sogar 90 – mehr im Einsatz.

Da haben sie sich wohl gewaltig verkalkuliert: Die für die Busfahrer zuständige Stadtwerke-Tochter Main Mobil Offenbach GmbH (MMO) hat ihr Budget für 2019 um aktuell 2,2 Millionen Euro überzogen.

Die gestern verkündete, bislang einzige Konsequenz aus dem finanziellen Minus: Anja Georgi, die das Geschäftsfeld Mobilität bei den Stadtwerken verantwortet, wird ein Geschäftsführer für den kaufmännischen Bereich zur Seite gestellt. Der oder die Neue – Namen werden noch nicht genannt – komme aus dem eigenen Haus und werde nur „in geringem Umfang“ zusätzliche Personalkosten verursachen, sagt Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne). „Auf keinen Fall wird das ein komplettes Geschäftsführergehalt.“

Anstehenden Aufgaben umfangreicher als gedacht

Als „Aufpasser“ für Anja Georgi sei die zusätzliche Geschäftsführung nicht zu verstehen, so Groß. Vielmehr habe sich gezeigt, dass die anstehenden Aufgaben viel umfangreicher seien als zunächst gedacht. Konkret nennt die Dezernentin dabei die Ausweitung und Verdichtung der Busverkehre gemäß dem neuen Nahverkehrsplan um rund ein Drittel, die Umrüstung der Busflotte auf Elektromobilität sowie die damit notwendige bauliche Umrüstung der Infrastruktur des Betriebsgeländes an der Hebestraße.

Der zusätzliche Geschäftsführer, der möglichst bald installiert werden soll, habe die Aufgabe, die wirtschaftliche Entwicklung mit einem „stringenten Controlling“ auf Plan zu halten, heißt es. Es würden bereits Maßnahmen geprüft, wie das ungeplante Minus zu reduzieren sei.

Die Überschreitung des Jahresbudgets hat Gründe

Die Überschreitung des Jahresbudgets hat laut Dezernentin Groß zwei Ursachen: Zum einen habe man aufgrund einer hohen Abbrecherquote bei der internen Ausbildung von Busfahrern und einem leer gefegten Arbeitsmarkt auf internationales Personal von Leiharbeitsfirmen zurückgreifen müssen. Diese Fahrer, die laut Groß überwiegend aus Polen und Griechenland kommen, würden zwar wie das Stammpersonal entlohnt. Doch entstünden Mehrkosten durch Zahlungen an das Leiharbeitsunternehmen sowie etwa durch Deutschkurse, Tarif- und Streckenkunde.

Zum anderen habe sich durch eine organisatorische Änderung ein Mehrbedarf an Fahrern ergeben: Der erforderliche Umbau des Betriebshofs an der Hebestraße habe die Einrichtung eines temporären zweiten Betriebsgeländes an der Daimlerstraße erfordert. Weil dort aber nicht genau die gleiche Infrastruktur geschaffen werden könne, müssten die Fahrer etwa zur Abrechnung der Kasse immer an die Hebestraße gebracht werden.

„Diese Fahrten müssen als Arbeitszeit angerechnet werden, was ebenfalls den Personalbedarf steigen lässt“, so Stadträtin Groß.

Die Mehrkosten betreffen ihren Angaben zufolge ausschließlich das Budget fürs Leihpersonal. 600. 000 Euro waren eingeplant, jetzt sind es 2,2 Millionen mehr.

mad

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