„Ehrgeizige Fortsetzung“

Start der zweiten Tranche der Schulsanierung

Offenbach - Bildung und Kinderbetreuung genießen in Offenbach oberste Priorität. Nach zweijähriger Zwangspause (Auflagen der Aufsichtsbehörde) steckt die Stadt allein in diesem Jahr jeden zweiten Euro des Investitionshaushaltes in die Bildung. Von Martin Kuhn 

Nach zweijähriger Unterbrechung setzt die Stadt ihr Schulsanierungs-Programm fort. Auf der Karte sind die nächsten fünf größeren Projekt verzeichnet . Bis 2026 fließen nach den heutigen Schätzungen rund 384 Millionen Euro in Sanierung und Erweiterung von Offenbacher Schulen und Kitas.

Bis 2026 fließen nach heutigem Kosten- und Zeitplan rund 384 Millionen Euro in die Sanierung und Erweiterung von Schulen und Kitas. Man kennt"s aus leidvollen Diskussionen und Einschnitten: Schutzschirm und Schuldenbremse des Landes engen „Handlungsmöglichkeiten einer Kommune wie Offenbach stark ein“, formuliert es Peter Schneider rückschauend. Mit Blick nach vorn wählt der Bürgermeister inzwischen einen neuen Terminus: Bei den anstehenden größeren Projekten spricht er vom „Kick-off“. Das hört sich flott an, ist aber wenig konkret. Heißt: Es sind nur die Auftaktgespräche mit den jeweiligen Schulleitern. Stadtsprecher Fabian El-Cheikh springt dem Schuldezernenten umgehend zur Seite: „Wir reden von voraussichtlichen Terminen...“ So baut die Stadt etwaigen Verzögerungen vor – seien es politische oder juristische. Es erklärt sich aus der Geschichte des ambitionierten Schulbauprogramms, das jetzt seine „ehrgeizige Fortsetzung“ (Schneider) erfährt. Eigentlich sollten alle 27 Schulen mit ihren 30 Standorten bis zum Jahr 2017 energetisch saniert und räumlich erweitert sein. Der aktuelle Planungshorizont liegt bei 2026. „Wir sind nicht so weit wie ursprünglich gedacht“, gibt der Bürgermeister etwas zerknirscht zu. Positiv ist indes festzuhalten: Gut 40 Prozent der 17.000 Jungen und Mädchen lernen bereits in sanierten Schulgebäuden.

„Let’s go“ (Auf geht’s): Das darf an der Fröbelschule als Aufforderung verstanden werden. Anstelle einer Sanierung plant die Stadt mittlerweile einen Neubau an der Mühlheimer Straße, wo einst Häuser der Nassauischen Heimstätte standen. Kosten: 7,7 Millionen Euro.

Dafür hat die Stadt bislang 135 Millionen Euro ausgegeben; zuzüglich Sondermittel aus dem bundesweiten Konjunkturprogramm, das unter anderem den vorgezogenen Neubau der Buchhügelschule für 10,15 Millionen Euro ermöglichte. Neben einer energetischen Ertüchtigung sind diese Schulen allesamt für den Ganztagsbetrieb (Cafeteria), ausgerichtet und beinhalten durchgängig Fachräume, „die modernsten Standards entsprechen“. Dies ist bei den nächsten Projekten der Agenda nicht anders. Das Stichwort lautet Zukunftsfähigkeit. Die nächsten größeren Vorhaben:

  • Neubau für die Fröbelschule (7,7 Millionen Euro) an der Mühlheimer Straße. Das städtische Areal, auf dem ehemalige NH-Wohnblöcke standen, ist zwar dezentral gelegen, befindet sich aber außerhalb der sogenannten Flughafen-Schutzzone.
  • Eine 1-Feld-Turnhalle für die Schule Bieber, Außenstelle Waldhof. Kosten: 2,45 Millionen Euro. Der Projektbeschluss soll im Herbst 2015 gefasst werden. Baubeginn: 2016. Die Halle komplettiert den bereits bezogenen 7,35-Millionen-Neubau.
  • Sanierung und Erweiterung der Mathildenschule für 10,8 Millionen Euro. Erweiterter Grundsatzbeschluss, europaweite Ausschreibung der Architektenleistung, die verschiedene Bau- und Raumvarianten umfassen soll. Der Grundsatzbeschluss ist vorsichtig für 2016 terminiert.
  • Sanierung und Erweiterung der Bieberer Geschwister-Scholl-Schule für 15,2 Millionen Euro, Zeitfenster wie Mathildenschule.
  • Etwas komplizierter ist’s an der Käthe-Kollwitz-Schule, die am Buchhügel mit der benachbarten Theodor-Heuss-Schule in einem ÖPP-Verfahren schon erweitert wurde. Die Sanierung des Bestandsgebäudes (inklusive Beseitigung des festgebundenen Asbests) kostet 18,95 Millionen. Für die fünf Bauabschnitte im laufenden Betrieb sind zweieinhalb Jahre vorgesehen.

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Als Schneider dies gestern alles vorstellt, sprechen die Experten aus der Verwaltung von der „Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen“, von „Schwellenwerten EU-weiter oder nationaler Ausschreibungen“. Der Laie staunt. Winfried Männche, Geschäftsführer der GBM Gebäudemanagement GmbH, bringt es auf den für Eltern entscheidenden Nenner: „Schule muss funktionieren.“ Wer dafür sorgt, ist ihnen letztlich egal. „Unabhängig von Sanierungsmaßnahmen darf man die laufenden Kosten zur Unterhaltung einer Schule nicht aus den Augen verlieren“, so Männche. In Offenbach summiert sich das auf jährlich 13,3 Millionen Euro. Für eine Schule mittlerer Größe wie die Humboldtschule sind das nahezu 415.000 Euro. Das beinhaltet Instandhaltung, kleinere Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, Hausmeisterdienste, Gebäudereinigung und Spielplatzkontrollen sowie die oft zitierte Verkehrssicherungspflicht. Für Investitionen stehen schmale 186.000 Euro bereit, mit denen Maßnahmen wie etwa das Grüne Klassenzimmer der Humboldtschule umzusetzen sind.

Mit weniger Mitteln kommt aktuell die Humboldtschule aus. Mit viel Eigeninitiative entsteht in den Ferien ein „Grünes Klassenzimmer“, in dem es sich hier schon mal Leiterin Hafize Sucu und Stellvertreterin Renate Müller bequem machen. Unter schattigen Bäumen ist Lernen und Müßiggang angesagt.

Damit wird die Möglichkeit geschaffen, auch im Freien zu lernen. „Eine Wohltat im Sommer, gerade unter unserem Flachdach“, so Renate Müller, die als Konrektorin das Projekt seit langem forciert – etwa mit Sponsorenläufen. Mit vielen Ideen und alternativen Angeboten ist der ursprüngliche Preis von 13.000 Euro knapp unter den fünfstelligen Wert gedrückt. Das Mini-Amphitheater unter altem Baumbestand wird für die 320 Grundschüler sicher der Renner.

Rubriklistenbild: © Georg/Kuhn

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