Wenn gute Ideen wie das Tauschbrett am Fehlverhalten anderer scheitern

Offenbach: Steigende Tendenz bei Sperrmüll

Sammelsurium im Offenbacher Süden: Ein entwendeter Einkaufswagen, Restmüll, Sperrmüll, Altkleider und eine verunzierte Post-Box...
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Sammelsurium im Offenbacher Süden: Ein entwendeter Einkaufswagen, Restmüll, Sperrmüll, Altkleider und eine verunzierte Post-Box...

Gut gemeint und gut gemacht sind oft Gegensätze, weiß der Volksmund. In Offenbach ist wieder einmal der Beweis dafür angetreten worden: Die Idee hinter dem inzwischen abmontierten Nachbarschaftsbrett in der Marienstraße war reizvoll, doch die Realität holte das Projekt rasch ein.

Offenbach - Anstatt nicht mehr benötigte Dinge einfach wegzuwerfen, sollten sie getauscht werden, so die Idee. Mit Büchern funktioniert dies schon seit Jahren in öffentlichen Bücherschränken, also hatten einige Mitglieder der Initiative Stadtbiotop den Plan, ein Tauschregal aufzustellen, an dem nicht benötigte Dinge zwecks Mitnahme durch andere abgelegt werden können.

Was im geschützten Rahmen etwa eines Kita- oder Arztpraxenfoyers funktioniert, war jedoch auf der seit Jahren ohnehin mit Sperrmüllansammlungen kämpfenden Marienstraße zum Scheitern verurteilt: Immer wieder wurde dort Sperrmüll abgelegt, die Klagen häuften sich. Die Stadt zog im Januar schließlich die Reißleine (wir berichteten).

Rafaela Wiechert und andere Unterstützer des Tauschbretts beklagen nun den Verlust, denn zumindest zu Beginn wurde es so genutzt, wie es gedacht war. Außerdem sei nicht das Regal Schuld an dem Müll in der Marienstraße, es gebe an vielerlei Stellen im Stadtgebiet illegale Abfallansammlungen, schreibt sie.

Dass die Müllproblematik schon zuvor bestand, wird sicherlich niemand in der Stadt bestreiten. Ob der Standort für die Idee jedoch der richtige war, daran gibt es allerdings Zweifel. „An der Marienstraße gibt es schon seit Jahren Probleme mit Sperrmüll, daher war der Standort eher ungünstig gewählt“, sagt Sabine Süßmann von „Besser leben in Offenbach“. Zudem habe die wenig wertige Ausführung ohne Schutz vor Regen nicht dazu beigetragen, den Missbrauch des Regals als Mülleimer zu verhindern. Bei manchen der abgelegten Objekte sei schlicht nicht ersichtlich, ob es sich um nutzbare Gegenstände oder Sperrmüll handele. Am Beispiel der Bücherschränke zeige sich, dass Tauschideen einen geschützten Rahmen bräuchten.

Dass das Nachbarschaftsbrett an eine Stelle gebaut wurde, die zuvor als Müllablage diente, sei allerdings kontraproduktiv gewesen. „Das Problem ist: Sobald da etwas liegt, kommt weiterer Müll hinzu“, sagt sie. In einigen Teilen der Stadt gibt es regelmäßig Rundgänge, um illegale Müllhalden zu melden, doch das sei sehr aufwendig.

Auch die Stadtwerke bestätigen, dass die Marienstraße und insbesondere die Ecke zum Fußgängertunnel zu den Orten in der Stadt zählt, an denen die Müll-Problematik groß ist. Andere Stellen seien der weitere Verlauf der Marienstraße, die Bismarckstraße Ecke Bieberer Straße oder die Groß-Hasenbach- und Mittelseestraße. In der Letztgenannten werde der Müll gern in die Baumscheiben gestopft. Die Sperrmüll-Tendenz in der Stadt, ob legal per Anmeldung abgeholt oder von illegalen Plätzen, ist steigend. 2019 wurden 3 140 Tonnen abgefahren, im vergangenen Jahr waren es bereits 4 060 Tonnen.

Gescheitertes Projekt

Das Nachbarschaftsbrett ist nicht das erste gut gemeinte Projekt, das in Offenbach an mangelnder Akzeptanz der Bürger scheiterte: 2017 ließ die Stadt probeweise 50 sogenannte Pfandringe und -blumen an Mülleimern und Masten anbringen. Leergut sollte darin abgestellt werden, Bedürftige müssten nicht mehr die Abfalleimer auf der Suche danach durchwühlen. Doch statt mit Leergut wurden die Pfandringe mit Müll verstopft, am Durchwühlen der Abfalleimer änderte sich nichts. Anfang 2018 musste die Stadt das Aus für das Modellprojekt verkünden, knapp 25 000 Euro kostete der Versuch in Offenbach. 

Der Versuch mit dem Tauschbrett ist allerdings nicht gänzlich aufgegeben: Wie berichtet, ist etwa das Gebiet am anderen Ende des Fußgängertunnels im Gespräch. Der neue Standort hätte Süßmann zufolge mehrere Vorteile: Durch die geplante Umgestaltung des Areals werde der Ort aufgewertet, ein Stadtteilbüro sorge dort zudem für mehr soziale Kontrolle: „Außerdem kann nicht wie an der Marienstraße mit dem Auto vorgefahren und der Sperrmüll abgeladen werden.“

Der Wertstoffhof in der Dieselstraße 37 nimmt kostenfrei Abfall (bis zu einem Kubikmeter) montags bis freitags von 8.30 bis 17 Uhr und samstags von 8.30 bis 14 Uhr an. Für Sperrmüll können Termine unter Telefon 069 840004-545 vereinbart werden.

Von Frank Sommer

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