Gastronomie

Sterne-Kochclub Deutschland in neuen Händen: Claus Fischer gibt Projekt ab

Kochtopfwechsel beim Sterne-Kochclub: Sebastian Kemper (rechts) will das Erbe von Claus Fischer um eigene Ideen und Impulse erweitern. Foto: Georg-Foto
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Kochtopfwechsel beim Sterne-Kochclub: Sebastian Kemper (rechts) will das Erbe von Claus Fischer um eigene Ideen und Impulse erweitern. Foto:

Kochtopfwechsel in Offenbachs Gastro-Szene: Sebastian Kemper übernimmt den Sterne-Kochclub Deutschland von Claus Fischer. 

Offenbach – Seine Lehre machte Claus Fischer im Hotel Frankfurt Intercontinental, zwei Jahre kochte er für das arabische Königshaus, wurde Küchenchef in der Alten Oper.

Dann erfüllte sich Fischer in den frühen 2000er Jahren einen lang gehegten Traum: seinen Sterne-Kochclub Deutschland; kulinarischer Hotspot für Laien mit teils hohem Anspruch und Können. Jetzt folgt der nächste persönliche Schritt. Und der führt in den Ruhestand – mit demnächst 65 Jahren sicher verdient. Es bedeutet allerdings nicht das „Aus“ für Claus Fischers Kochclub. Die Idee lebt weiter, neu interpretiert von Sebastian Kemper.

Also mal ehrlich, Claus Fischer nicht mehr inmitten von feinstem Fleisch, knackigem Gemüse, exotischen Gewürzen? „Nein, meiner Passion folge ich künftig nur noch privat“, betont er. „Dieser Lebensabschnitt ist beendet.“ Aber ganz so emotionslos wie dieser Satz ist der Abschied dann doch nicht, schließlich gibt er auf, was er mit viel Liebe und Kraft über Jahre aufgebaut und gepflegt hat. Daher ist es ihm auch wichtig, dass er „sein Kind“ in gute Hände gibt. Das sind in diesem Fall die Hände von Sebastian Kemper, der das Format übernimmt und weiterführt.

„Wir haben sofort gemerkt, dass unsere Chemie stimmt“, sagt der gebürtige Freiburger, der gleichwohl eigene Ideen und Impulse, Rezepte und Erfahrungen einbringen möchte. „Absolut legitim“, sagt Fischer, dem nur eines wichtig ist: Der Kochclub bleibt mit seinen Mitgliedern in der gewohnten Form bestehen. „Da ändert sich nichts.“ Bleibt die Frage des Übergangs. Der erfolgt eher still; eine große Fete entfällt angesichts der Corona-Pandemie.

Diese hat zumindest Claus Fischers Schritt in ein etwas ruhigeres Leben beschleunigt: „Geplant war das alles für Ende 2020; jetzt ist es eben etwas früher.“ Seinen Nachfolger und dessen Geschäftspartner sieht er indes wesentlich besser und breiter aufgestellt, als es viele andere Kollegen in der (bundesweiten) Gastronomie sind. „Da werden es einige leider nicht schaffen“, prophezeit einer, der das Metier aus dem Eff-Eff kennt. Auch der Gast wird sich seiner Meinung nach umstellen müssen: „Stammessen für sieben Euro? Das ist passé.“

Und dass sich in der Lauterborner Bert-Brecht-Straße 4, Sitz des Sterne-Kochclubs etwas geändert hat, offenbart allein der Blick auf den Briefkasten. Dort steht nun auch „Food Rockers“. Ende der 1980er gegründet, fusionierten sie später mit „Mr. Thai“ und sind in Asien, Australien, Europa und den USA erfolgreich tätig. In Rhein-Main gibt es Restaurants in Frankfurt, Neu-Isenburg und Darmstadt – mit Expansionswünschen, nun gesteuert aus Lauterborn.

Im Küchentrakt mit seinen Kochstationen wird Sebastian Kemper künftig die Franchise-Nehmer schulen und den Sterne-Kochclub weiterführen. Die berufliche Vita des 41-Jährigen ist beeindruckend: Kemper war Küchenchef auf dem Hofgut Laubenheimer Höhe. Er hat schon für starke Kerle wie Bud Spencer gekocht und Rocker wie die Rolling Stones oder Rammstein, wenn diese auf Tour gehen. Auf einer luxuriösen Privat-Insel im Indischen Ozean hat er auch schon für blaues Blut die Speisen bereitet. Für wen? Na, das eine oder andere wird er vielleicht am Kochtopf preigeben – neben seinen kulinarischen Einflüssen und Ideen.

Im beschränkten Rahmen (maximal zehn Teilnehmer sind gestattet) könnte es im Kochclub nun einen Neustart geben – selbstverständlich mit den mittlerweile üblichen Abstands- und Hygieneregeln, wobei letztere in einer Profiküche schon immer obligatorisch gewesen sind. „Wir können nicht ewig warten,“ bekunden Kemper und Fischer, der bis Ende des Jahres mit an Ofen und Herd steht, unisono. Was wohl vielen (Hobby-) Köchen aus der Seele spricht.

Von Martin Kuhn

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