Stimmen zum möglichen Regierungsbündnis

Zähneknirschende Grüne, gelassene Schwarze

Offenbach - Vorbei die Zeiten, in denen Hessens oberster Grüner Tarek Al-Wazir einem CDU-Ministerpräsidenten den Handschlag verweigerte. Jetzt ist mit Blick auf schwarz-grünes Regieren geschäftsmäßige Harmonie angesagt. Zumindest bei den Akteuren im Rampenlicht. Von Matthias Dahmer und Thomas Kirstein

Doch wie sieht’s an der Basis aus? Rumort es beim Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Gesellschaftsentwürfe? Oder sind die Grünen mittlerweile so konservativ und die Unionschristen so fortschrittlich, dass die Schnittmengen ausreichen fürs Zusammengehen?

Innerlich sei er sehr zerrissen, bekennt Grünen-Sprecher Wolfgang Malik. Zumal er sich aufgrund seiner politischen Biografie, in der er einen Alfred Dregger und einen Roland Koch erlebt habe, vor einem Jahr kaum hätte vorstellen können, mit der CDU zusammenzuarbeiten. Auch in seinem Umfeld registriert Malik Abneigung gegen die angepeilte Koalition. Das reiche von der Forderung, er müsse aus der Partei austreten, bis zu Beschimpfungen. Doch Malik, der dem Landes-Parteirat angehört, ist auch Pragmatiker: Die Verhandlungen seien in einem Stadium, in dem man nicht mehr abbrechen könne. Zudem gebe es Chancen auf ein gutes Ergebnis, eins, in dem „möglichst viel grüne Politik enthalten ist“.

Alles zum Thema lesen Sie hier

Pragmatisch sieht auch Kreisgeschäftsführerin Nata Kabir die Dinge: Abwarten, was bei den Verhandlungen rauskommt. Von Gräben zwischen den Parteien mag Kabir, die mit 27 Jahren zur jüngeren Grünen-Generation gehört, nicht sprechen. Vielmehr gelte es Respekt zu zollen dafür, dass eine Regierungsbildung angegangen werde. Was das Thema Flughafen angeht, weist sie ebenso wie Fraktionschefin Susanne Schmitt darauf hin, dass es mit der SPD nicht einfacher geworden wäre. Auswirkungen auf die Offenbacher Politik sieht Schmitt nicht. Die Koalition von SPD, Grünen und Freien Wählern habe Bestand, die CDU sei in der Opposition. In den Geschäftsstellen von Partei und Fraktion, sagen Nata Kabir und Edmund Flößer übereinstimmend, halte sich die Resonanz aufs schwarz-grüne Projekt in Grenzen. Vereinzelt gebe es „Unmutsbekundungen“. Aber: „Wenn Bäume gefällt werden, melden sich mehr Leute“, so Flößer.

Bei der Offenbacher CDU scheint generationsübergreifende Gelassenheit zu herrschen. Ehrenvorsitzender Hermann Schoppe (76), einst in Stadt- wie Landesparlament eher ein Grünen-Fresser, kann sich mit den wahrscheinlichen Partnern abfinden. Die heutigen Grünen sind ja nicht mehr die, die der ehemalige Landtagsvizepräsident aus den Zeiten harter Auseinandersetzungen etwa um die Startbahn West kannte: „Früher wäre das nicht denkbar gewesen. Jetzt kann ich damit leben.“

Interview mit Tarek Al-Wazir vor der Wahl

Er gibt sich sicher, dass sein Parteifreund Bouffier und der Grüne Al-Wazir – „will ja Minister und nicht zur tragischen Figur werden“ – einen vernünftigen Kompromiss finden.

Peter Freier (47), der amtierende CDU-Fraktionschef, geht noch weiter: „Ich begrüße das, ich finde das gut.“ In Offenbach seien die Grünen aus seiner oppositionellen Sicht zwar keine einfachen, aber doch verlässliche Koalitionspartner. In Animositäten zwischen schwarzen und grünen Protagonisten der Stadtpolitik sieht er kein Problem, hinter den Kulissen arbeite man schon gemeinsam für Offenbach. Sein hiesiger Parteichef Stefan Grüttner, derzeit Sozialminister, werde jedenfalls weiter eine herausgehobene Rolle in Wiesbaden spielen.

Beim Fluglärm gehen beide Christdemokraten von Verbesserungen für Offenbach aus. „Über eine Stunde längere Ruhe kann man nachdenken“, meint Schoppe, der freilich nicht glaubt, dass das Terminal 3 „auf dem Altar von Schwarz-Grün geopfert wird“.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare