Neuauflage der Broschüre zur Route der Industriekultur

Streifzug durch Stadt im Wandel

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Der1904 erbaute Alte Schlachthof, damals der modernste seiner Zeit, wurde 1995 in eine Wohnanlage sowie ein Kongress- und Kulturzentrum mit Hotel umgebaut.  

Offenbach -  Die neoklassizistische Fassade, kleine Erker und Türmchen oder ein goldener Schriftzug über der Hofeinfahrt: An vielen Stellen ist die industrielle (Erfolgs-) Geschichte der Stadt Offenbach noch im Stadtbild präsent.

Insgesamt 58 solcher Stationen versammelt die dritte, neu überarbeitete Auflage des Routenführers „Route der Industriekultur Offenbach“.
,„Gebäude erzählen Geschichten“, weiß Kunsthistorikern Christina Uslular-Thiele, die die Neuauflage inhaltlich begleitet hat. „Wer beispielsweise aufmerksam die Ludwigstraße entlangläuft, entdeckt Krokodil- und Schlangenleiber in Medaillons an der Hausnummer 31-33. Die reich verzierte Fassade weist auf die ehemals dort ansässige Portefeuillefabrik der Gebrüder Krauss hin.“ Diese war nur eines von zahlreichen Unternehmen, die den Ruf Offenbachs als Lederstadt mitprägten, entlang der Ludwigstraße und in der Löwenstraße wurde in etlichen Hinterhofmanufakturen der Rohstoff mit großer Kunstfertigkeit verarbeitet. Einige Produkte sind heute noch im ehemaligen Lagerhaus in der Frankfurter Straße zu besichtigen, das Hugo Eberhard vor hundert Jahren zum Ledermuseum umgebaut hat.

Neben lederverarbeitenden Betrieben siedelten sich im 18./19. Jahrhundert zahlreiche weitere Gewerke in Offenbach an, die nachhaltig zum Wachstum der Stadt beitrugen. Dabei begünstigte die Nähe zur Handelsstadt Frankfurt sowie die Gewährung einer weitest gehenden Gewerbefreiheit durch die Regierung des Großherzogtums Hessen-Darmstadts die Entwicklung zur „Fabrikstadt“.

Betriebe für Druckmaschinen, Schrauben, Seifen und Parfums und chemische Produkte entstanden, von denen nur einige wenige nach zwei Weltkriegen, Öl- und Wirtschaftskrisen noch in Offenbach Gewerbesteuer zahlen. An den meisten Orten wird schon lange nicht mehr produziert, Firmen gingen insolvent oder wurden verkauft, die Gebäude wurden für andere Nutzungen umgebaut oder auch abgerissen.

Um 1775/80 ließen sich die Schnupftabakfabrikanten-Familien Bernard und d’Orville ein neues, repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus bauen – das heutige Büsingpalais.  

„Das“, berichtet Marion Rüber-Steins, vom Amt für Stadtplanung, die die Neuauflage federführend begleitet hat, „war die eigentliche Herausforderung: Offenbach ist im Wandel und so wurde die Arbeit an der Neuauflage auch zur Bestandsaufnahme. Vieles, was in der alten Auflage von 2006 noch stand, ist heute nicht mehr.“ Der Prozess des Stadtumbaus und der Erneuerung ist noch nicht abgeschlossen. Während beispielsweise die Zukunft des Hauptbahnhofs noch offen ist, rollen auf dem ehemaligen Gelände der Seifenfabrik Kappus bald die Abrissbagger heran. Erst Anfang des Jahres hat der Traditionsbetrieb die Produktion nach Bieber-Waldhof verlegt. Die eindrucksvollen Hallen, in denen lange Seife gesiedet wurde, machen Wohngebäuden Platz. Daher hat sich die Seifenfabrik Kappus als verlorener Ort in die Liste eingereiht, die untere www.offenbach.de/industriekultur einen Überblick über das weiterhin sichtbare, aber eben auch das verschwundene Erbe der Vergangenheit gibt.

Wer die sichtbaren Stationen erkunden möchte, kann dies in zwei Etappen machen: die innerstädtische Tour startet an der S-Bahnhaltestelle Ledermuseum an der Berliner Straße mit der Portefeuillefabrik Rosenthal in der Hausnummer 223 und führt dann durch das Nordend, durch die Ludwigstraße zum Hauptbahnhof und dann via Kaiserstraße und Rathaus in die östliche Innenstadt. Weitere 29 Stationen umfasst die äußere Tour, die sich ideal mit dem Fahrrad bewältigen lässt. Startpunkt ist von Frankfurt kommend die Schleuse Offenbach (Routenführer Station Nummer 30). Von dort aus führt der Weg entlang des Dreieichrings in die Sprendlinger Landstraße, einer damals wie heute industriell geprägten Straße. Über den ehemaligen Industriebahnweg geht die äußere Route nach einem Abstecher in Bieber weiter nach Bürgel, um dann am Main entlang am ehemaligen Industriehafen zu enden. Auf dem Areal ist in den vergangenen Jahren ein neues Quartier zum Wohnen, Leben und Arbeiten mit gastronomischen Angeboten entstanden.

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Wer nicht gern alleine unterwegs ist, der kann sich auch bei einem Stadtspaziergang mit der Volkshochschule (Vhs) auf Spurensuche begeben. „Wir haben verschiedene Führungen im Angebot, die sich mit der industriellen Vergangenheit Offenbachs beschäftigen“, sagt Birgit Grün, Programmbereichsleiterin für kulturelle Bildung.

Mehr als 1000 Orte von lokaler und überregionaler Bedeutung sammelt die Route der Industriekultur Rhein-Main. Herausgeber der Routenführer ist die Kulturregion Rhein-Main, an der Offenbacher Ausgabe haben die Ämter für Stadtplanung und Öffentlichkeitsarbeit, die Volkshochschule und das Haus der Stadtgeschichte mitgearbeitet.

Der Routenführer Nr. 30 ist in der Offenbacher Stadtinformation im Salzgässchen 1, bei der Vhs in der Berliner Straße 77 sowie im Haus der Stadtgeschichte, im Klingspor- und im Ledermuseum kostenlos erhältlich. (pso)

Infos unter www.offenbach.de/industriekultur

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