Züchter vom Erlenbruch in Wartestellung

Streit mit Anwohner um Federvieh-Lärm

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Als winterliches Idyll präsentiert sich derzeit die Anlage der Geflügelzüchter am Erlenbruch. Ein Anwohner aus den gegenüberliegenden Neubauten (im Bild links) liegt mit dem Verein im juristischen Clinch, weil er sich durch nächtliches Krähen der Hähne gestört fühlt. Wie der Rechtsstreit ausgeht, ist offen. 

Offenbach - Im Rechtsstreit eines Anwohners gegen die Geflügelzüchter vom Erlenbruch wegen angeblichem nächtlichen Lärm durchs Federvieh wartet der Verein auf einen weiteren Gerichtstermin. Klar ist: Die Forderungen des Klägers wird man nicht alle erfüllen können. Von Matthias Dahmer 

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„Im Zweifelsfall müssen Messungen vorgenommen werden“, sagt Zacharias Leis, Vorsitzender des Vereins für Vogel- und Geflügelzucht 1888 Erlenbruch. Unklar sei jedoch, wer ein bis zu 5000 Euro teures Lärmgutachten bezahlt. Ob der Verein einen solchen Betrag vorlegen könne, sei fraglich.
Wie berichtet, hatte die dritte Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt beim ersten Verhandlungstermin im Herbst des vergangenen Jahres deutlich gemacht, der nächtliche Lärmschutz von 22 bis 6 Uhr habe oberste Priorität. Die Züchter hatten deshalb einer Art erstem Vergleich zugestimmt: Danach sollten sie innerhalb von vier Monaten die Volieren der nächtlichen Krachmacher so umrüsten, dass in der fraglichen Zeit kein Laut nach draußen dringt. Unter anderem geht es dabei um Nachtklappen, Abdunkelung der Fenster und Installation von Belüftungsanlagen. Betroffen davon sind rund 15 der insgesamt 80 Züchter. Sie halten Hähne, durch die sich der gegenüber der Vereinsanlage wohnende Kläger Ramon Wendling in seiner Nachtruhe gestört fühlt.

Wie Vereinschef Leis berichtet, wurde die vom Gericht geforderte Mitgliederversammlung abgehalten. Dabei sei man sich jedoch einig gewesen, dass nicht alle Forderungen des Klägers erfüllt werden könnten. Leis: „Wir tun, was wir können. Ab 18 Uhr sind alle Hähne drinnen. Aber es kann mit Rücksicht auf die Tiere von uns nicht verlangt werden, die Volieren lichtundurchlässig zu machen.“

Kläger Ramon Wendling, den wir ebenfalls um eine Stellungnahme zum Stand der Dinge gebeten hatten, will sich gegenüber unserer Zeitung zu dem Rechtsstreit nicht mehr äußern.

Lärm: Die kuriosesten Klagen vor Gericht

Im Herbst hatte er unter anderem betont, er klage im Namen weiterer 20 Anwohner, die sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlten. Offenbar teilen aber nicht alle seine Sichtweise. Ein Bewohner des Neubaus gegenüber dem Eingang des Züchtergeländes, den wir gestern zufällig vor seiner Haustüre antreffen und befragen können, kommt zu einer ganz anderen Einschätzung: „Ich wohne seit einem Jahr hier in der Parterre-Wohnung und fühle mich durch die Hähne überhaupt nicht gestört“, erzählt der Mann, der aus Belgien stammt. Er sei auf einem Bauernhof aufgewachsen und solche Geräusche gehörten nun einmal dazu. Sicher seien die Hähne im Sommer manchmal früh zu hören. Doch das gelte auch für die Vögel in den Hecken und nicht zuletzt für die Flugzeuge. „Mit der Zuchtanlage haben wie hier ein Kulturgut, das es zu bewahren gilt“, sagt der Anwohner.

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